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Anna Fastabend 04.09.2016 08:00 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Die Schleuse immer im Blick

Eberswalde (MOZ) Wenn Ralf Dietze morgens aufwacht, freut er sich auf den Tag. Seit Mitte April ist er Schleusenwärter am Finowkanal. Der 49-jährige Eberswalder bedient jeden Tag eine andere Schleuse. Ein verantwortungsvoller Job. Schließlich muss er dafür sorgen, dass alles gut geht.

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Ralf Dietze findet seinen Job spitze. Er hat noch nicht genug von den handbetriebenen Schleusen, die er für jeden Durchgang Drehung um Drehung aufkurbeln muss.

© Andrea Gora

Um 8.45 Uhr schließt Ralf Dietze das Tor zur Drahthammerschleuse am Familiengarten auf, läuft zum Wartehäuschen und schnappt sich seine Schwimmweste. Dann kontrolliert der 49-jährige Eberswalder das kleine, umzäunte Gelände auf Schäden, schraubt die Handkurbeln wieder an, die aus Sicherheitsgründen über Nacht abgenommen wurden. Läuft vor bis zum gelben Schild, liest darauf den heutigen Pegelstand ab und gibt ihn per Telefon den beiden Wärtern der Anfangsschleusen durch. Die müssen den Tag über dafür sorgen, dass immer genug Wasser im Finowkanal ist.

Dann heißt es warten. Ab 9 Uhr dürfen die Boote die Drahthammerschleuse passieren. Doch bis dahin ist noch ein Moment Zeit. Die Schleusenwärter informieren sich gegenseitig, wenn ein Boot bei ihnen aufbricht. Zeit für eine Zigarette, sein einziges Laster, sagt Ralf Dietze. Er sitzt auf einem Gartenstuhl mit Blick auf das Becken, auf der anderen Seite wachsen Laubbäume. Er nimmt einen tiefen Zug von seiner Zigarette und blinzelt ins Sonnenlicht. Sein Arbeitsplatz ist idyllisch. Das Wasser plätschert, die Vögel zwitschern. Die pure Entschleunigung.

"Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spaß macht", sagt der 49-Jährige. "Das Arbeiten an der frischen Luft, der Kontakt mit den Schiffsreisenden." Ralf Dietze arbeitet seit Beginn der Saison als Schleusenwärter und ist damit einer von 16 Frauen und Männern. Sie sind für die zehn Schleusen des Kanals verantwortlich, die von der kommunalen Arbeitsgemeinschaft Region Finowkanal betrieben werden. Ralf Dietze selbst war die Wasserstraße vorher erst einmal mit einem Ruderboot entlanggefahren. Und von den Schleusen kannte er nur die drei aus dem Stadtgebiet, erzählt er. Nun kennt er sie alle.

Kaum zu glauben, dass die Branche für ihn neu ist. Ralf Dietze wirkt so, wie man sich einen Wassermenschen vorstellt: Kurze Haare, breite Schultern, braungebrannt. Mit Ring im Ohr und goldener Kette um den Hals. Könnte auch Kapitän sein oder Schleusenwärter von Anfang an.

Stattdessen war Ralf Dietze 20 Jahre lang ehrenamtlicher Fußballtrainer bei Preussen Eberswalde. "Ich bin da über meinen Sohn rangekommen", sagt er. Einen Job, den man sich bei dem 49-Jährigen ebenso gut vorstellen kann. Er ist einer, der mit Menschen und zupacken kann. Auch heute noch trainiert er Kinder in der Grundschule Schwärzesee. "Damit die nicht auf dumme Gedanken kommen."

Das erste Boot wartet vor dem Schleusentor. "Manchmal kommen pro Tag nur fünf, manchmal 20 Boote", sagt Ralf Dietze. Deren Ankunftszeit und den Schiffstyp trägt er in ein Buch ein. Bei dem wartenden Boot handelt es sich um das Biberfloß, das gleich neben der Schleuse liegt.

Heute haben Andrea Krzikalla, ihr Mann und zwei Freunde aus Ahrensfelde das Floß gemietet. Sie wollen Richtung Stadt schippern. Die 54-Jährige freut sich über den schönen Tag auf dem Kanal, der auf einem normalen Motorboot für sie so nicht möglich gewesen wäre, wie sie berichtet. "Mein Mann sitzt im Rollstuhl. Aber auf das Floß kommt er problemlos rauf." Dort wollen es sich die Vier gut gehen lassen. Ihr Picknickkorb ist randvoll mit "Buletten und Kartoffelsalat". Das Schweinefilet kommt später auf den floßeigenen Grill. Und zum Anstoßen unter leuchtend blauem Himmel gibt es eine Flasche Sekt.

Was für den einen Freizeit ist, bedeutet für den anderen Arbeit. Ralf Dietze kurbelt die eine Seite des Schleusentors auf, dann eilt er über die Brücke zur anderen. Und wieder heißt es: kurbeln, kurbeln, kurbeln. Das Floß fährt in das Becken ein. Für den Schleusenwärter geht die Muskelarbeit von vorne los, bis das Tor wieder geschlossen ist. Ralf Dietze befestigt das Floß mit einem Seil am Ufer, damit es nicht abtreibt. Dann öffnet er die beiden Schütze auf der anderen Seite. Massenweise Wasser sprudelt aus dem Becken in den Kanal, bis der Höhenunterschied von 3,60 Metern ausgeglichen ist und die Reisegesellschaft Richtung Beckengrund gesunken ist. "Gute Fahrt", ruft Ralf Dietze ihnen hinterher. Die Bootsfahrer winken.

Für eine Schleusung muss der 49-Jährige acht Kurbeln bedienen. Dafür hat er 20 Minuten Zeit. "Klar, am Anfang hatte ich ziemlich dollen Muskelkater. Jetzt habe ich mich daran gewöhnt", sagt er, zündet sich eine Zigarette an, und wartet aufs nächste Boot.

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