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Meinung

Henning Kraudzun 23.09.2016 19:07 Uhr

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Ein Tier beschäftigt Heerscharen von Wissenschaftlern

(MOZ) Seit der Einwanderung der ersten Wölfe um die Jahrtausendwende brodelt die Gerüchteküche. Da wurden gezielt Vermutungen gestreut, Naturschützer hätten die Raubtiere künstlich angesiedelt, sozusagen als Arbeitsbeschaffung und neue Spendenquelle. Wolfsgegner stöberten in alten Archiven und holten schauerliche Geschichten über Isegrim hervor - die sich jedoch vor Jahrhunderten abgespielt haben sollen. Damit werden Urinstinkte geweckt: Schließlich ist die Ablehnung des Wolfes kulturell tief verwurzelt. Er wurde mit aller Härte gejagt, bis er vor 150 Jahren in unseren Breiten von der Bildfläche verschwand. Freilich herrschten anno dazumal völlig andere Bedingungen: Wenn Viehherden von den Tieren angegriffen wurden, war die wirtschaftliche Existenz bedroht. Heute ereignen sich diese Übergriffe eher punktuell - zumal ja weidende Tiere nur noch zur bäuerlichen Folklore zählen. Überdies sind die finanziellen Folgen haarklein geregelt. Wie es sich für ein bürokratisches Land eben gehört.

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MOZ-Redakteur Henning Kraudzun

© MOZ

Man sollte diese Vorgeschichte nie außer Acht lassen, um zu verstehen, warum Wölfe in Deutschland auf Ablehnung stoßen und von Tierhaltern zumeist als gefährliche Landstreicher dargestellt werden. Eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes erkennen nur wenige. Aktuell 46 Wolfsrudel haben Behörden und Institutionen, die mit der Ansiedlung von Canis Lupus befasst sind, in Deutschland nachgewiesen. Diese verteilen sich auf eine gewaltige Fläche vom Bremer Umland bis in die Lausitz. Daher ist es nach wie vor ein großer Glücksfall, den streng geschützten Tieren in freier Wildbahn zu begegnen. Glaubt man jedoch manchen Warnungen, lauern Wölfe den Menschen gleich vor den Toren ihrer Grundstücke auf. Fakt ist: Problemfälle - wie in Niedersachsen - sind äußerst selten.

Allein diese künstlich erzeugten Sorgen, verbunden mit dramatischen Appellen an die Politik, haben tatsächlich dazu geführt, dass sich mittlerweile Heerscharen von Wissenschaftlern mit Wölfen beschäftigen. Millionen Euro wurden bundesweit für Monitoringmaßnahmen ausgegeben. Es gibt kaum ein Lebewesen, welches derart überwacht wird. Freilich liefern diese Investitionen auch weitere Erkenntnisse: Etwa darüber, wie Artenschutz in modernen Kulturlandschaften gestaltet werden kann. Oder aber zu dem Thema, wann die Grenzen einer friedlichen Koexistenz zwischen Wildtieren und Menschen erreicht sind. Spannende Fragen, die sich am Beispiel des Wolfes beantworten lassen.

Dass sich Wölfe ungehindert ausbreiten, wie von vielen Zeitgenossen befürchtet wird, ist ebenfalls nicht zu erwarten. Je mehr diese aus ihren entlegenen Ruhezonen ausschwärmen, desto mehr sind sie selbst gefährdet - an erster Stelle durch den Straßenverkehr. Dennoch sollte die Aufklärung der Bevölkerung weiter intensiviert werden. Hier haben anfangs die Behörden versagt. Man hat gelernt: Sämtliche Daten fließen jetzt in eine bundesweite Beratungsstelle und werden dort für die Öffentlichkeit aufbereitet. Das schafft Transparenz - und dient dem Abbau von Vorurteilen.

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