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Dietmar Rietz 23.09.2016 20:33 Uhr - Aktualisiert 25.09.2016 14:37 Uhr

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Tödliche Furcht vor der Jugend

Schwedt (MOZ) "Es braucht keine Modernisierung, um es ins Heutige zu zwingen", behauptet Regisseur Jörg Steinberg über Henrik Ibsens Stück "Baumeister Solness". Uraufgeführt wurde es am 19. Januar 1893 im Lessingtheater in Berlin. Steinberg brachte es in der Fassung von Peter Zadek am Donnerstag an den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt zur Premiere.

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Verführung zum Jugendwahn, Entführung aus der Altersangst: Sabrina Pankrath als Hilde Wangel und Uwe Heinrich als Baumeister Solness.

© MOZ/Oliver Voigt

Das Publikum kichert, lacht, seufzt, lehnt sich immer wieder auch betroffen zurück, so als sei ihm der Spiegel vorgehalten worden, und feierte das Stück, den Regisseur und das Schauspieler-Ensemble am Ende mit minutenlangem Applaus. Steinberg behält recht.

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Premiere für Baumeister Solness

Niedlich, weiß und wuschelig - Knut zog im Jahr 2007 die Berliner und später die ganze Republik in seinen Bann.  

Das Stück "Baumeister Solness" feiert am Donnerstag an den uckermärkischen Bühnen Schwedt Premiere. Jörg Steinberg – Berliner Regisseur mit erster Inszenierung an den Uckermärkischen Bühnen – greift auf ein erfahrenes Ensemble zurück: Uwe Heinrich ist in der Titelrolle zu sehen, an seiner Seite steht Ines Venus Heinrich als seine Frau Aline. Sabrina Pankrath übernimmt die Rolle der jungen Hilde Wangel. Außerdem sind Alexandra-Magdalena Heinrich, Udo Schneider und Fabian Ranglack mit dabei. © MOZ / Oliver Voigt

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Die Schwedter Inszenierung des "Baumeisters Solness" ist dramaturgisch durchdacht (Sandra Zabelt). Die puristische Bühne und die Kostüme verantwortet Andrea Eisensee. Die Aufführung ist voll prallen Lebens, bis in die Nebenrollen gut besetzt. Alexandra-Magdalena Heinrich spielt Kaja Fosli, die Buchhalterin von Solness, auf dem schmalen Grat zwischen grauer Maus und Gefühlsvulkan, vielleicht eine Spur zu zurückhaltend. Fabian Ranglack schafft mit dem technischen Zeichner Ragnar Brovik eine Figur, die in Selbstzweifeln, Eifersucht und Arroganz das Seelendilemma junger Talente offenbart. Er erliegt aber nie wirklich dem Reiz des Unmöglichen.

Dem erliegen sichtbar der gestandene Bühnenfuchs Uwe Heinrich als Baumeister Halvard Solness und die vergleichsweise blutjunge Sabrina Pankrath als Hilde Wangel. Das Stück bietet den zwei unglaublich ausdrucksstarken Schauspielern in Schwedt sehens- und hörenswerte Paraderollen. Besonders auffällig ist ihr leichtes, vielschichtiges, tiefgründiges Zusammenspiel. Sobald sie gemeinsam auf der Bühne agieren, gewinnt das Stück an Fahrt, sogar Heiterkeit. Beider Können paart sich auf unterhaltsame, das Verstehen der Konflikte fördernde und sogar manchmal zum Schreien tragikomische Weise.

Uwe Heinrich zeigt den rücksichtslosen Karrieristen als Mann, der aber tief im Inneren seinen Idealen nachtrauert und angesichts seiner Mit- und Gegenspielerin Gefühle offenbart, deren Feuer er längst erloschen glaubte. Heinrich wechselt dabei virtuos zwischen dem kaltschnäuzigen und skrupellosen Alt-Bauunternehmer, der seine Firma auf Kosten der Konkurrenz, seiner Familie und seiner Mitarbeiter aufgebaut hat, und dem "kranken" Mann, der einerseits tödliche Furcht vor der Jugend verspürt, sie aber andererseits in Gestalt seiner Jugendromanze Hilde Wangel vergöttert. Wo andere Inszenierungen - wie die vor Jahren in Hamburg - Solness als Mädchenschänder brandmarkten, zeigen Regisseur Steinberg und Schauspieler Heinrich ihn als einen Menschen in den Fallstricken des Schicksals. Dessen Strafe: Er trägt die ewigen Konflikte zwischen Generationen und Zeitaltern in sich und scheitert am Ende daran im nahezu jugendlichen Alters-Größenwahn. Da sind etwa Schuld und Sühne in einem verkorksten Ehe-Gefängnis mit seiner Frau Aline (Ines Venus Heinrich - großartig!). Und da ist die Angst des Alters vor der Jugend-Revolution, der Inthronisierung der Greise.

Besonders publikumswirksam ausgetragen werden die Konflikte, wenn Heinrich und Pankrath sich auf der Bühne gegenseitig mitreißen. Solness hat das Mädchen nach einer Kirchenkrönung geküsst, ihr Luftschlösser versprochen. Sie taucht zehn Jahre nach dem "Missbrauch" auf und fordert ihr Königreich ein, erinnert den Baumeister-König an sein Versprechen. Sie fordert ihn heraus, stellt sein Leben auf den Kopf oder vom Kopf auf die Füße? Das ist eine Sache der Zuschauerperspektive. Zwischenzeitlich mutiert sie zum weiblichen Spiegelbild des Baumeisters in jungen Jahren. Sie ist unangepasst, fordert - wie einst er - Gott und die Welt, Konkurrenten und Widersacher heraus, um so zu leben, wie es ihr guttut.

Nächste Vorstellungen: 30.9., 19.30 Uhr, und 5.10., 10 Uhr, Uckermärkische Bühnen, Berliner Str. 46/48, Schwedt, Kartentelefon 03332 538111

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