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Verordnete Barum-Hochzeit

Oliver Schwers / 08.10.2016, 07:00 Uhr
Angermünde/Schwedt (MOZ) Jetzt ist das Geheimnis gelüftet, das eigentlich keins war: Uckermark und Barnim fusionieren zu einem Großkreis. Die rot-rote Landesregierung hat die Karten aufgedeckt und die Landkarten verändert. Begeisterung darüber sieht anders aus.

Kaum jemand in der Uckermark hat daran gezweifelt, dass die Brandenburger Landesregierung die erneute Kreisreform durchziehen würde. Jetzt ist es amtlich: Der Barum entsteht. Ob er denn später auch so heißt, weiß noch keiner. Andere Varianten wären Uckermark-Barnim, Barnim-Uckermark oder gar Nordostbrandenburg.

Die Fusion könnte ungleicher nicht sein. Auf der einen Seite der Barnim mit dem Berliner Speckgürtel, hohen Einwohnerzahlen, einer sehr guten wirtschaftlichen Position und niedriger Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite die Uckermark mit ihren Strukturproblemen des flachen Landes, mit exorbitanter Arbeitslosigkeit, schwindenden Einwohnerzahlen und einem gerade so auskömmlichen Haushalt.

Die beiden Teile müssen sich künftig einig werden. Denn bald gibt es nur noch einen Kreistag. Rot-Rot hat die Zwangshochzeit, die weder im Barnim noch in der Uckermark so recht gewollt ist, eingeleitet. Die Reaktionen sind dementsprechend: "Das war ja nun zu erwarten", so Landrat Dietmar Schulze (SPD). "Als Landräte in Brandenburg hatten wir zwar das Leitbild des Innenministers abgelehnt, nicht aber die Reformwürdigkeit."

Welche Auswirkungen die Vergrößerung der Kreisgrenzen auf den Bürger hat, mag allerdings niemand genauer vorhersagen. Schulze will abwarten, was der Innenminister in den jetzt folgenden Gesetzentwürfen auf den Tisch legt. Es geht vor allem um die Aufgaben, die die künftigen Landkreise zu erfüllen haben.

Am spannendsten ist wohl die Frage nach dem Kreisstadt-Sitz. Doch die soll erst später vom Land beantwortet werden. Landrat Schulze hat scherzhaft einen Vorschlag der Uckermark-CDU aufgegriffen. Und der lautet "Angermünde", weil es die geografische Mitte wäre. Allerdings dürfte das höchst unwahrscheinlich sein.

Das mit der Zwangsehe entstehende 4500 Quadratkilometer große Verwaltungsgebilde von Ahrensfelde bis Gartz würde knapp 300 000 Einwohner haben. "Jeder sieht, dass das unsinnig ist", so Jens Koeppen, CDU-Kreisvorsitzender. Die Christdemokraten sind weniger gelassen als der Landrat. Sie torpedieren seit Monaten die Gebietsreform. "Eine moderne Verwaltung kann man alleine aufbauen, dazu braucht man keine Fusion", wettert Koeppen. "Angeblich kostet die Reform in Brandenburg 700 Millionen Euro und alle wissen, dass daraus eine Milliarde wird. Dieses Geld ist viel besser in Bildung, Breitband oder Polizei aufgehoben." Verwaltungen sollten kooperieren statt fusionieren.

Jetzt wollen CDU und einige andere Gruppen im Land eine Volksinitiative mit Volksbegehren bis hin zum Volksentscheid erzwingen. Dazu ist ein Verein gegründet worden. "Uckermark und Barnim passen nicht zusammen", so Koeppens Urteil. Befürchtet wird auch ein Abkoppeln der Uckermark durch den deutlich einwohnerstärkeren Barnim.

Der Landrat sieht diese Gefahr nicht. Auch von einem Untergangsszenario könne keine Rede sein. "Ganz im Gegenteil - der schwächere Teil wird vom stärkeren profitieren." Würde Schulze 2019 nochmal als Landrat antreten? Klare Antwort: "Wer sich jung fühlt und fröhlich ist, kann doch ruhig noch mal kandidieren."

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Armin Rohde 10.10.2016 - 09:51:21

Alles wie gehabt!

Es wusste jeder wohl das es so kommt. Die Erfahrungen aus MV werden ignoriert weil wir Brandenburger ja alles besser können. Das werden uns die Schönredner der rot roten Landesregierung noch einflößen. Und am Ende werden sie von allen die sich jetzt aufregen wiedergewählt, weil es hier viel zu kuschelig im Regierungslager zu geht! Nicht das ich deswegen zum AfD Wähler mutieren werde, aber darüber nachdenken muss wohl erlaubt sein und das werden auch so einige tun, obwohl die uns bei innenpolitischen Sachen überhaupt keine Hilfe sein werden!

Brigitte Gerlach 08.10.2016 - 09:29:38

Verordnete Barum-Hochzeit

Was sich ein Landrat so denkt, wie die Uckermark im vereinten Landkreis vom Barnim profitiert. Die Wirtschaft kümmert sich nicht um Kreisgrenzen, und wenn es für Barnimer Investoren lukrativ gewesen wäre, hätten sie längst in der Uckermark investiert. Das Gegenteil wird der Fall sein. Den riesigen Markt Speckgürtel und Berlin werden auch Uckermärker suchen und ihren Sitz vielleicht sogar nahe an Berlin heranrücken, schon damit ihre Kunden wissen, "der ist in der Nähe, wenn ich ihn brauche". Und die Unternehmer haben kurze Wege zur Kundschaft, das spart Zeit und Geld. Die Welt ist eben anders, als sich manche das vorstellen.

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