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Romantik-Konzert der Singakademie: Schicksalslieder und Nachtstimmungen

Peter Buske / 05.10.2016, 16:46 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein weißbärtiger, knallrot bekittelter Oberteufel bewacht den Werbestand der Frankfurter Singakademie, während ein mittelalterlich gekleideter Bauer mit seiner Forke im Foyer der Konzerthalle durchs Publikum schlendert. Mittenmang auch immer wieder Hexen mit furchterregenden Stabmasken, riesigen Spitzhüten, Langhaarperücken und Besen. Allesamt sind es stilvoll verkleidete Mitglieder oder Sympathisanten der traditionsreichen Sangesgemeinschaft, die damit auf die später erklingende Vertonung der "Ersten Walpurgisnacht" aus Goethe'scher Feder neugierig machen wollen.

Nach diesem originellen Entree durchforscht die Singakademie, nunmehr in einheitlich-sittsamer Auftrittsgarderobe, ausschließlich Gefilde selten erklingender Chormusik der drei großen Romantiker Johannes Brahms, Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Für die sinfonische Begleitung sorgt das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung von Rudolf Tiersch, der mit diesem Konzert am Sonnabend sein 30-jähriges Jubiläum als Chordirektor der Singakademie feiert. Seinem Credo "Freude am Singen und Spaß miteinander haben" entspricht auch dieser ihn ehrende Auftritt des Chores, der sich natürlich in stimmprächtiger Verfassung präsentiert. Es beginnt mit dem Brahms'schen "Schicksalslied" op. 54 auf einen Text von Friedrich Hölderlin. Die sehnsuchtsvolle, warm getönte und weich musizierte Einleitung lässt anrührendes Romantikschwelgen entstehen, aus dem der geschmeidige Chorgesang emporwächst. Er erzählt von der schicksallosen Heiterkeit der Götter, kontrastiert sie mit der Vergänglichkeit und dem Leiden der Menschheit. Dem aufgewühlten, leidenschaftlichen Chorausbruch folgt ein beseligendes Orchesternachspiel.

Nachtstimmungen, ein beliebtes Sujet der Romantiker, beherrscht auch Schumanns "Nachtlied" op. 108, das mit den Versen von Friedrich Hebbel von der Flüchtigkeit menschlichen Seins, vom steigenden zum sich neigenden, in ewigen Schlaf mündenden Leben singt. Tröstlich beginnend, führt der Weg über einen lebensstrotzenden Fortissimoausbruch zu einer langsam verlöschenden Melodie.

Dagegen geht in Mendelsohns "Walpurgisnacht" op. 60 gleichsam die Post ab, wenn ein gallischer Volksstamm nächtens und heimlich den Druidenkult wiederbelebt, mit teuflischem Lärm die christlichen Wächter vertreibt und dann das Frühlingsfest feiert. Chor und Orchester entfachen ein opulentes, humorvoll bis groteskes, ausdruckssaftiges Klangvergnügen, an dem die drei Solisten leider weitgehend keinen Anteil haben. Jubelnder Beifall.

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