Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neuer Bahnhof in Fürstenberg eröffnet

Historischer Moment: Das Band durchschnitten (von links) Friedemann Keßler von der Deutschen Bahn, Tim Lehmann, Grünen-Landtagsabgeordneter Michael Jungclaus und Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp.
Historischer Moment: Das Band durchschnitten (von links) Friedemann Keßler von der Deutschen Bahn, Tim Lehmann, Grünen-Landtagsabgeordneter Michael Jungclaus und Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp. © Foto: MZV/Thomas Pilz
Thomas Pilz / 12.10.2016, 21:50 Uhr
Fürstenberg (GZ) Viel Lob und Zuspruch - das hat der Investor und Planer Tim Lehmann am Mittwoch bei der Eröffnung seines runderneuerten Bahnhofsgebäudes in Fürstenberg erfahren. Dutzende Unterstützer und Bahn-Fans fanden sich ein. Ebenso Landes- und Kommunalpolitiker, aber auch Wasserstädter mit einer besonderen Beziehung zum Bahnhof.

Jeder von ihnen würdigte in einem kurzen Wortbeitrag die Bemühungen von Lehmann, der das Gebäude Anfang 2015 erwarb und es auf unkonventionelle Weise mit Leben erfüllte. Auf den Punkt brachte es freilich Lehmanns früherer Kollege und Chef des Regionalbereiches Ost der DB Station & Service AG, Friedemann Keßler: Leidenschaft und Engagement seien herausragende Eigenschaften von Tim Lehmann. Dies sei auch bei dem Umbau und der Erneuerung des Fürstenberger Bahnhofsgebäudes spürbar geworden - außerdem noch eine wesentliche Eigenschaft des promovierten Stadtplaners und Mobilitätsforschers, die vonnöten war in den Auseinandersetzungen um Projekt-Details: Hartnäckigkeit. "Und über die verfügt Tim tatsächlich reichlich", lachte Keßler und erntete Applaus.

Lehmann arbeitete nach eigenen Worten 16 Jahre bei der Bahn, nun habe er sich selbstständig gemacht und wohnt seit drei Jahren in Klein-Menow, ebenso noch halb in Berlin. Bei einem Bieterverfahren im Rahmen des Verkaufs des Bahnhofs-Gebäudes hatte er den Zuschlag erhalten - vielleicht auch deshalb, weil er sich beruflich seit Jahren mit Bahnhofs-Entwicklungen auseinandersetzt. "Für mich ist das Projekt daher so etwas wie ein Test", erklärte Lehmann. Denn schnell bekam er zu spüren, "so ein Haus kann eine Blackbox sein", verriet er. Zumal für einige der Räume anfangs gar kein Schlüssel vorhanden gewesen sei und Lehmann erst nach mehreren Wochen festzustellen vermochte, wie beschaffen sie sind.

Dem neuen Eigentümer ging es vergangenes Jahr darum, Leerstand abzubauen, aber auch mit den künstlerisch orientierten Aktivisten neue Perspektiven für solch ein Objekt als Eingangstor zu Fürstenberg und zur idyllischen Seenlandschaft zu schaffen, erläuterte er. Dieses Jahr sei die Fassade dran gewesen, von den Fürstenberger Firmen Dienst am Bau Schröder und Maler Yves Hönsch in die Tat umgesetzt. Sogar der traditionelle Schriftzug "Fürstenberg" prangt golden an der Fassade.

Lehmann zufolge war das Projekt nur möglich in einem Zusammenspiel verschiedenster Akteure - Deutscher Bahn AG, Verkehrsclub Deutschland (VCD), Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), Deutscher Telekom und nicht zuletzt der Kommune.

Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) erinnerte an die Schrecksekunde, die die Stadtväter vor etwa neun Jahren durchlebten, als die Bahn AG kund tat, das Bahnhofs-Gebäude verkaufen zu wollen. Auch damit das Areal mit einem neuen Investor eine Zukunft hat - und den sich ändernden Bedürfnissen von Einheimischen und Urlaubern in Sachen Mobilität Rechnung tragend - ließ die Kommune für rund 640 000 Euro einen großen Park-and-Ride-Platz errichten. Philipp kündigte an, dass der Platz demnächst um 30 Plätze noch erweitert wird.

Friedemann Keßler lobte das Projekt als ein Ergebnis vor allem von Idealismus. Aus wirtschaftlichen Gründen habe sich die Bahn AG von zahlreichen Gebäuden an Haltepunkten, aber auch Bahnhöfen trennen müssen. Ideen für eine Nachnutzung seien stets willkommen.

Auch der Landtagsabgeordnete der Bündnisgrünen, Michael Jungclaus, beglückwünschte Lehmann zu dem gelungenen Projekt. Er mahnte an, das Land müsse mehr für Schienenkunden tun. Womit er bei den Anwesenden offene Türen einrannte. Auch Christoph Rudel vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte Verbesserungen für Bahnkunden. Tim Lehmann schenkte er symbolisch die Ehrenmitgliedschaft des VCD.

Das Ehepaar Anke und Daniel Domscheit-Berg freute sich über das Projekt ihres unmittelbaren Nachbarn, ebenso Wahl-Fürstenberger und DJ Mike van Dyke. Dr. Insa Eschebach, Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, erinnerte an die dunklen Seiten der Bahnhofs-Geschichte in der Nazi-Diktatur. Der Fürstenberger Michael Adebahr merkte an, auch er habe eine besondere Beziehung zu dem Bahnhof: In den 1920er-Jahren hatte dort sein Großvater "die rote Mütze auf".

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG