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Tilman Trebs 04.11.2016 23:05 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Land fördert Mundraub

Eichstädt (OGA) Knapp 400 Bäume lässt das Land zwischen Eichstädt und Marwitz neu pflanzen. Wachsen werden an ihnen unter anderem Äpfel, Zwetschgen und Birnen. Der Verzehr ist ausdrücklich erwünscht. Die Landesregierung kooperiert dabei mit dem Verein Mundraub, der im Internet auf Obstbäume an öffentlichen Wegen hinweist.

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Symbolischer Akt: Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD), Vize-Landrat Egmont Hamelow (CDU) und weitere Vertreter von Land und Kommune setzten am Freitag die ersten Bäume an der L 17.

© MZV

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) und Agrarstaatssekretärin Caroline Schilde waren am Freitagmorgen gleich zu zweit angereist, um die ersten vier neuen Alleebäume am Eichstädter Ortsausgang der L 17 in Richtung Marwitz zu setzen. 392 werden entlang der 2,2 Kilomater langen Ortsverbindung noch folgen. Gepflanzt werden innerhalb von Eichstädt Bäume mit essbaren Früchten, außerhalb werden Wildobstgehölze, über die sich vor allem Insekten freuen, dominieren. Die Wahl der Gehölze hat ihren Grund. Zwischen Eichstädt und Marwitz stehen bereits Pflaumenbäume. Viele sind in den vergangenen Jahren bei Unwettern umgestürzt oder durch andere Umstände zu Schaden gekommen. Mit den Neuanpflanzungen soll der alte Allee-Charakter wieder hergestellt werden.

Und nicht nur dort. Kathrin Schneider und Carolin Schilde wollen den Wiederaufwuchs überall im Land beschleunigen. Brandenburg ist mit rund 2 000 Straßenkilometern das alleenreichste Bundesland. Das Problem: 70 Prozent der Bäume wurden in den 1930er-Jahren gesetzt und haben ihre maximale Lebensdauer nun langsam erreicht. Um den Charakter der Baumreihen langfristig zu erhalten, wurde vor zehn Jahren mit der Alleen-Konzeption beschlossen, gefällte Bäume nicht einzeln zu ersetzen. Stattdessen sollten pro Jahr 30 Kilometer Allee komplett ersetzt werden. "Das Ziel haben wir bislang nicht erreicht", räumte Schneider am Freitag in Marwitz ein. De facto pflanze das Land pro Jahr nur 20 Kilometer neu an. Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind es sogar oft noch weniger. Ein Problem: Viele Bauern wollen dem Land die dafür benötigten Flächen nicht verkaufen.

Nun spielt dem Land aber die neue Agrarförderpolitik der Europäischen Union in die Karten. Künftig sind ein Teil der Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe an Umwelt- und Klimaschutzleistungen geknüpft. Unter anderem müssen sie ein Teil ihrer Flächen für ökologische Zwecke vorhalten. Stellen sie dem Land also Flächen für neue Alleen zur Verfügung, können sie im Rahmen der Agrarförderung unterstützt werden. In Eichstädt haben Schneider und Schilde am Freitag eine Mustervereinbarung vorgestellt, die sie mit Landwirten abschließen wollen. Sie sieht vor, dass die für die Neupflanzung vorgesehenen Randstreifen an Landesstraßen künftig im Besitz der Landwirte bleiben. Gefördert werden Baumreihen, wenn sie mindestens 50 Meter lang sind, aus mindestens fünf Bäumen bestehen und an die Agrarfläche angrenzen.

"Die neue Vereinbarung ist für alle ein Gewinn", sagte Ministerin Schneider. "Die landwirtschaftlichen Betriebe profitieren von der finanziellen Unterstützung für ihre Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen, und der Landesbetrieb Straßenwesen kommt mit der Nachpflanzung von Alleebäumen voran." Sie hoffe, dass die Agrarbetriebe die Vereinbarung nutzen.

Kritik kommt allerdings vom BUND-Landesvorsitzenden Carsten Preuß: "Wenn bei der Unterhaltung der Straßen Alleebaumfällungen erforderlich werden, müssen die Ersatzpflanzungen aus Mitteln des Infrastrukturministeriums finanziert werden. EU-Fördermittel, die eigentlich zur Verbesserung der Umweltsituation eingesetzt werden sollen, dürfen für den Ausgleich von Fällungen nicht verwendet werden." Preuß widersprach auch einer Darstellung von Oberhavels Vize-Landrat Egmont Hamelow (CDU), wonach mehr Alleebäume gepflanzt als gefällt würden. So seien im Jahr 2015 zwar landesweit 2 833 Bäume neu gesetzt, gleichzeitig aber 3 147 gefällt worden. Im Jahr zuvor hätten sogar nur 1 870 Neupflanzungen den 3 041 Fällungen gegenübergestanden.

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