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Mönche ziehen nach Neuzelle

Ulrich Thiessen / 11.11.2016, 06:30 Uhr
Potsdam (MOZ) In das ehemalige Zisterzienserkloster in Neuzelle (Oder-Spree) sollen bis 2018 Mönche zurückkehren. Im österreichischen Stift Heiligenkreuz in Wienerwald fiel am Donnerstag die Entscheidung, eine Wiederbesiedlung nach knapp 200 Jahren zu wagen.

Im Sommer hatten sich die ersten Zisterzienser in der Klosteranlage an der Oder und im Ort zwei Wochen lang umgesehen. Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt, zu dessen Diözese Neuzelle gehört, hatte die entsprechende Einladung ausgesprochen.

Das Stift Heiligenkreuz, das seit der Gründung 1133 ununterbrochen von Zisterziensern geführt wurde, verzeichnet aktuell 98 Mönche, die höchste Zahl seit 300 Jahren. Auch deshalb entstand der Wunsch, ein neues Konvent zu gründen. Abt Maximilian Heim erklärte in einer Pressemitteilung, dass es viele Nachfragen zu einer solchen Neuansiedlung gegeben habe. Die Entscheidung sei für den Standort in Brandenburg gefallen, weil dort die zisterziensische Architektur und die Kultivierung des Landes durch die Mönche noch sichtbar seien. In der Kernzelle, der Stiftskirche, sei trotz gesellschaftlicher Umbrüche das Gotteslob nie verstummt, so der Abt.

Das Kloster Neuzelle war 1268 vom sächsischen Markgrafen gegründet worden und existierte bis 1817, als nach den napoleonischen Kriegen die Region zu Preußen kam und das Stift säkularisiert wurde. Zum 750-jährigen Jubiläum der Gründung soll das Priorat in Neuzelle feierlich wieder errichtet werden. Acht Mönche werden dazu das Klosterleben in Neuzelle aufnehmen und das Chorgebet und die Liturgie in der Stiftskirche feiern.

Martina Münch (SPD), als Kulturministerin für Kirchenfragen zuständig, sprach von einer großen Chance für Neuzelle. Als Vorsitzende des Stiftungsrats des Stifts Neuzelle betonte sie am Donnerstag, dass jetzt viele Gespräche anstünden und auch die Neuzeller in die Entwicklung einzubeziehen seien. Der Platzbedarf der Landesstiftung mit ihren Museen und die Freie Schule als Hauptnutzer der Anlage dürften durch die Neuansiedlung der Mönche nicht eingeschränkt werden.

Auch Walter Ederer, Marketingchef der Stiftung, sprach von großen Chancen, beispielsweise für spirituellen Tourismus. Er betonte jedoch, dass es keinen Verdrängungswettbewerb geben dürfe. Die Kirchengemeinden, das Amt und die Tourismusbranche sollten seiner Meinung nach gemeinsame Lösungen finden. Laut Ederer haben die Mönche den Wunsch geäußert, das Kanzleigebäude zu beziehen, in dem zurzeit eine Musik- und Sprachenschule untergebracht ist. Das Pfarrhaus mit 766 Quadratmetern Nutzfläche sei als zu klein angesehen worden.

Ederer plädiert dafür, dass sich die Landesregierung und der Kulturausschuss des Landtages mit dem Thema befassen. Nicht zuletzt sei die Frage zu klären, wie eventuelle Investitionen, die über den Kirchenstaatsvertrag zwischen Land und dem Heiligen Stuhl hinaus gehen, zu finanzieren seien. Für die Linke begrüßte die kulturpolitische Sprecherin Gerrit Große die Wiederansiedlung. Es sei immer zu begrüßen wenn ein Kloster auch lebt und nicht nur als Museum fungiert, erklärte sie.

"Ich bin froh, dass sich die Mönche für Neuzelle entschieden haben", sagte auch der Bürgermeister des Ortes, Dietmar Baesler. Das bringe neue Entwicklungsmöglichkeiten für Neuzelle. Er hoffe auf ein gutes Miteinander. Bedauerlich findet es der Bürgermeister lediglich, dass nach der Übernahme der Stiftskirche durch die Zisterziensermönche der bisherige katholische Seelsorger Neuzelle verlassen müsse. (Mit Adleraugen)

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