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Gauland tritt 2017 gegen Patzelt an

© Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Thomas Gutke / 13.11.2016, 20:22 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland bewirbt sich bei den Bundestagswahlen nun doch um das Direktmandat im Wahlkreis Frankfurt-Oder-Spree. Er tritt unter anderem gegen CDU-Politiker Martin Patzelt an, der für Flüchtlinge eintritt.

Die Pressemeldung beginnt mit einer Kampfansage: "Wir müssen die kulturelle Hegemonie der 68-er brechen und dazu gehören wir in den Bundestag", zitiert der AfD-Stadtverband Alexander Gauland aus seiner Bewerbungsrede am Sonnabend in Bad Saarow. Zuvor hatten sowohl der LOS-Kreisvorsitzende der rechtspopulistischen Partei, Hans-Peter Kulkowski, als auch AfD-Stadtverbandschef Wilko Möller ihre Ambitionen hinten angestellt und damit den Weg für das neben Frauke Petry und Björn Höcke vielleicht bekannteste Gesicht der Alternative für Deutschland frei gemacht - eine überraschende Kehrtwende in der Kandidatenfrage. Denn noch im September hatte der 75-jährige Potsdamer erklärt: wenn er überhaupt in einem Wahlkreis antrete, dann nur dort, wo er auch die Straßennamen kenne.

Doch in der Region zwischen Erkner und Frankfurt sieht die AfD nun offenbar die größten Chancen auf ein Direktmandat.Nicht ganz zu Unrecht, wenn man sich die letzten Wahlergebnisse vergegenwärtigt, als die AfD allein in Frankfurt zwischen 12 und 20 Prozent der Stimmen holte. Und dies liegt immerhin schon zwei Jahre zurück - mittlerweile ist die Partei in zehn Landesparlamenten vertreten.

Ein weiteres Kalkül: Im Wahlkreis 63 trifft das Zugpferd der Brandenburger AfD auf Martin Patzelt, der wie wenige andere Christdemokraten für den Kurs der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik steht. 2014 rief er die Bürger dazu auf, Flüchtlinge in Privatwohnungen unterzubringen. Er selbst nahm 2015 zwei Asylsuchende aus Eritrea auf.

Vor dem Duell mit Gauland ist dem 69-jährigen, früheren Oberbürgermeister nicht bange. "Ich freue mich auf die Auseinandersetzung mit einem Kandidaten aus der AfD-Führungsspitze. Fest steht: Wir haben allen Argumente auf unserer Seite", sagt Martin Patzelt. Auch er nehme die Ängste vieler Menschen und die berechtigte Kritik am Staatswesen wahr. Doch "die AfD ist kein Wundertäterverein. Die Mehrheit wird sich nicht verführen lassen", glaubt Patzelt, der das Mandat 2013 mit 33,9 Prozent der Stimmen geholt hatte.

Für dessen Frankfurter Bundestagskollegen Thomas Nord von der Linkspartei, der ebenfalls wieder antritt, kommt die Kehrtwende Gaulands "wenig überraschend". Er rechnet damit, dass der Wahlkreis nun unter besonderer Beobachtung stehen wird. Für Demokratie und gegen Rassismus einzustehen, werde die Kandidaten links der AfD einen. "Trotzdem bleibt die Partei Gaulands ein Mitbewerber unter vielen. Die für die Linke zentralere Auseinandersetzung ist die mit der Politik der Großen Koalition", betont Nord.

Alena Karaschinski von den Frankfurter Grünen befürchtet hingegen "Schaden für unsere Region", der ohnehin bereits das Image eines abgehängten Landstriches anhafte. Mögliche AfD-Wähler ruft sie dazu auf, sich genau anzuschauen, "was die AfD seit den Wahlen in der Stadt und im Land dazu beigetragen hat, um die wirklich wichtigen Herausforderungen zu lösen."

Die Grünen haben noch keinen Direktkandidaten nominiert. Für die SPD tritt der Beeskower Franz Berger an, für die FDP der Müllroser Manfred Dietrich.

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Ernst Haft 18.11.2016 - 16:30:20

Was ist " linkspädophil"? Und ist es schlimmer als rechtspädophil?

Werter Herr Bärbel, ordnen Sie doch erstmal Ihre Gedanken, Sie machen einen verwirrten Eindruck.

Klaus Bärbel 18.11.2016 - 15:33:57

Horst Neumann

"Der gemeine, mit dem Reichsbürgertum sympathisierende AFD-Wähler wird das natürlich alles wieder unter "Lügenpresse" abtun. Kann er auch machen, sollte sich aber doch mal langsam in eine geschlossene Einrichtung begeben." Derart üble Unterstellungen und Diffamierungen gegenüber allen Andersdenkenden kennen die zumindest älteren Bürger aus Zeiten, die noch dunkler waren, als die aktuellen. Immerhin: Zu erkennen, daß der Faschismus im Kern eine linke Bewegung war (ist), muss man nicht mehr Geschichte studiert haben - das Auftreten eines Herren Maas, Stegner, einer Frau Roth oder eben auch das Lesen Ihrer Beiträge ist inzwischen hinreichend. Zu der von ihnen (und bekannten Vertretern linkspädophiler Kreise) verbreiteten Lüge, die AFD wolle das Wahlrecht für Arbeitslose abschaffen und hätte sich aus Opportunitätsgründen wieder davon distanziert, nimmt der entsprechende Mitbegründer der AFD - Konrad Adam (musste seinen Titel übrigens nicht erfinden) - in der wohl kaum verdächtigen HuffPo ausführlich Stellung: http://www.huffingtonpost.de/dr-konrad-adam/was-wir-sind-und-was-wir-wollen_b_5005134.html Daß auch ein Gauland nicht derart perfekt ist wie zum Beispiel ein Wirtschaftsminister, der sich, die ersten Unruhen in der damaligen DDR vor Augen, "die Schutzfunktion der Mauer nicht ausreden lässt" oder es ob seiner Amtszeit sogar hier hin schaffte: https://lobbypedia.de/wiki/Ulrich_Junghanns , oder so edel, wie Gaulands wohl Gegenkandidat Patzelt, der sich generös (von Wem werden dessen Diäten und Entschädigungen eigentlich erwirtschaftet?) zeigt und eine Handvoll Flüchtlinge bei sich aufnimmt - und damit durch die Talkshows tingelt, während seine Kanzlerin verfassungsbrechend Millionen von in Deutschland nicht Asylberechtigten einlädt und die Kosten dafür den Bürgern überlässt, ja so perfekt ist Gauland sicherlich nicht! Muss er auch nicht, bei dieser politischen Konkurrenz. PS: Jetzt fällt mir auch der Vorname des gütigen Patzelt ein: Martin! Es wurde ja gerade der Martinstag gefeiert - Im Gegensatz zum scheinheiligen (für die Linken jedenfalls prototypischen) Martin teilte der Heilige Martin seinen eigenen Mantel! Ein Linker kann er jedenfalls nicht gewesen sein! ;-)

Ralf Welkisch 16.11.2016 - 09:56:48

@Ernst Haft

Sehr geehrter Herr Ernst Haft, irgendwie fehlt es Ihnen wahrscheinlich an Verständnis. Warum sollte ein Bundestagsabgeordneter nur für die Interessen von FF da sein? Wird er nicht für LOS+FF gewählt? Und ich als Frankfurter kann nur sagen, wir sollten uns nicht zu wichtig nehmen und von unserem hohen Ross runterkommen. Denn in LOS wurde gehandelt und eingespart und nicht nur ewig geredet wie in FF. Weiterhin sollte ein Bundestagsabgeordneter versuchen Lösungen für die bestehenden Probleme in Deutschland zu finden. Und das sind nun mal z.B. die Flüchtlingskrise und die Rente. Für mich ist es sehr wichtig, dass meine Kinder eine gute Zukunft haben und nicht durch die heute verursachten Fehler "leiden" müssen. Weiterhin haben viele mir bekannte AFD-Anhänger mit der "schmalen Konzentrationsfähigkeit" erstaunlicherweise ein Studium absolviert.....

harald woitke 16.11.2016 - 07:13:55

@Ernst Haft

Ganz Ernsthaft, ja wir brauchen Vertreter in Land und Bund, welche Bürgerinteressen - nicht Frankfurter Interessen - vertreten. Sie predigen mit ihrer spießigen "Straßenbahngelder "-Polemik einem Mikronationalismus das Wort.Populismus.Sie verkennen die Komplexität des Landeshaushaltes.Aber es stimmt, dass Frankfurt mit den Linken-Abgeordneten in Land und Bund sehr schlecht vertreten ist. Beide sind für mich ein Ausfall. Gauland ändert daran nichts. Mit Nord kann er dann gemeinsam Straßennamem lernen. Gesehen habe ich den Linken Nord auch noch nicht nach Feierabend und an Wochenenden in Frankfurt.

Ernst Haft 15.11.2016 - 22:09:10

@Paul Müller

Und? Wird Herr Gauland unsere Frankfurter Interessen besonders gut im Bund vertreten? Wo er doch selbst meinte, dass er noch nicht mal wisse, wie unsere "Hauptstraße" heißt. Oder möchte Herr Müller gar nicht die akuten Interessen der Frankfurter in den Bund tragen, sondern einfach nur dumpf seine Ablehnung gegen Ausländer zum Tragen bringen? Unsere Stadt benötigt aber mehr inhaltliche Mitsprache in Land und Bund als nur dumpfes "Ausländer raus"-Gelaber. Wir brauchen zum Beispiel Vertreter, die bei Land, Bund und EU finanzielle Mittel für neue Straßenbahnen locker machen. Aber Herr Müller interessiert sich ja mehr für Leipzig als für Frankfurt.

Paul Müller 15.11.2016 - 21:48:26

Keine Ursache ...

... wie schon geschrieben, die Jammerei zieht weite Kreise - bis zu euch Problemlösern :)

Ernst Haft 15.11.2016 - 20:31:50

@ PAUL MÜLLER

Dass AfD-Anhänger eine eher schmale Konzentrationsfähigkeit besitzen, war jedem klar. Dass diese aus argumentativer Verzweiflung von einem rein Frankfurter Thema inhaltlich nach Sachsen fliehen müssen, sagt eigentlich alles. Und am Ende soll ein hessischer Potsdamer im Bundestag unsere Frankfurter Interessen vertreten. Das geht natürlich schief. Aber Hauptsache man hat etwas gegen Ausländer unternommen, was?

Paul Müller 14.11.2016 - 20:00:28

Die Jammerei zieht weite Kreise ...

... selbst "Problemlösern" gehen offensichtlich die Ideen aus ... http://www.zeit.de/2016/47/willkommenskultur-fluechtlinge-leipzig-jugendclub-conne-island

Ernst Haft 14.11.2016 - 17:54:40

Meine Wahl ist klar

Der Eine jammert und pöbelt nur herum, der Andere hilft aktiv bei der Problemlösung. Da ich eher die aktiven Problemlöser in der Politik befürworte, ist mir jetzt schon klar, wen ich wählen werde. Auch wenn ich zum ersten Mal einen Politiker der CDU wählen werde. Zudem hat "Horst Neumann" ja sehr anschaulich klar gemacht, dass es sich bei Herrn Gauland um einen Pinocchio-Politiker handelt, der uns Frankfurter nur als zu melkendes Wahlvieh sieht. Aber die Fremdenfeinde unserer Stadt werden sich wahrscheinlich willig dazu degradieren lassen.

Roland Totzauer 14.11.2016 - 16:46:58

Korrektur eines Tipp-Fehlers

In meinem Kommentar muss es richtig heißen: "... - die meisten Wähler sind eh vergesslich und ..." - Sorry!

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