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Manja Wilde 14.11.2016 18:14 Uhr
Red. Fürstenwalde, fuerstenwalde-red@moz.de

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Ausgelöschte Geschichte

Fürstenwalde (MOZ) 606 Geschäfte gab es vor dem Zweiten Weltkrieg in Fürstenwalde. Rund 35 davon gehörten Juden. Eine Synagoge und einen Friedhof hatte die Gemeinde auch. Die Nazis löschten fast das gesamte jüdische Leben aus. Schüler des Scholl-Gymnasiums beschäftigen sich in dieser Woche mit der Arisierung.

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Einzige erhaltene Familien-Grabstätte auf dem jüdischen Friedhof Fürstenwalde: Max Gottfeld liegt dort begraben. Guido Strohfeldt erzählt Schülern des Scholl-Gymnasiums vom jüdischen Leben in der Stadt.

© MOZ/Manja Wilde

"Wie würdet ihr reagieren, wenn Euer Freund Jude wäre? Würdet ihr ihn verraten?" Schwer hängt die Frage in dem kleinen Ausstellungsraum. Guido Strohfeldt, der Leiter des Fürstenwalder Museums, hat sie gestellt. Die Schüler schweigen.

Arisierung ist das Thema, mit dem sich Zehntklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasium diese Woche beschäftigen. Rund 400 jüdische Bürger lebten vor dem Zweiten Weltkrieg in Fürstenwalde, schätzt Strohfeldt. Genaue Zahlen gibt es nicht. "Aber 130 Familien konnten wir für die Stolperstein-Aktion ermitteln", ergänzt er. Mit den kleinen Messingplatten vor Gebäuden wird an jüdische Menschen erinnert, die dort lebten, bevor sie drangsaliert oder ermordet wurden.

Im Jahr 1379 wird erstmals ein Jude in Fürstenwalde erwähnt. Er hieß David und wurde verbrannt. "Warum, wurde nicht bekannt", sagt Strohfeldt. Vermutlich hänge es mit der Pestwelle zusammen, die durch Europa rollte. Die Juden erhielten die Schuld dafür. Fürstenwalde erreichte die Pest aber gar nicht.

Die erste Etappe der Schüler ist am Montag der jüdische Friedhof in der Frankfurter Straße. Ab dem 18. Jahrhundert gab es ständig jüdisches Leben in der Stadt. 1829 eröffnete der Friedhof mit Feierhalle. In der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstörten die Nazis ihn. Heute ist er rekonstruiert. Die Schüler notieren sich die Fakten auf ihren Handys, fotografieren Grabsteine.

"Die Arisierung spielt im Unterricht so gut wie keine Rolle", sagt Geschichtslehrerin Carmen Albustin. Darum bieten sie und Kollegin Sylke Weise das Thema in der Projektwoche an. "Mich interessiert, wie unser Land früher war", begründet Emelie Sommer, warum sie sich für dieses Projekt entschied. "Es ist interessant, weil man viel besichtigen kann", sagt Maria Schulz.

Weiter geht es zur ehemaligen Synagoge, zu Stolpersteinen. Alice Turtschak fotografiert die Messingplatten. Bislang habe sie nicht gewusst, was Stolpersteine sind, sagt die 15-Jährige. " Und ich wusste gar nicht, was hier alles passiert ist, in dem Ort, in dem ich wohne", fügt sie an.

Die letzte Etappe des ersten Tages ist das Museum. Frieda Engels Abbild steht dort als lebensgroße Papp-Figur. Frieda Engel (1894-1977) war Jüdin. Sie heiratete den Lehrer Willi Engel. Auch während der NS-Diktatur ließ er sich nicht von seiner Frau scheiden. Er erhielt Berufsverbot, verkaufte Tütensuppen. Seine Frau durfte nicht arbeiten. Manchmal besuchte sie eine Freundin in einer Gaststätte. Auch das war verboten. Strohfeldt erzählt die Geschichte. Es ist ganz still.

Heute geht es für die Schüler ins Haus der Wannseekonferenz nach Berlin. Dort wurde 1942 die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas geplant. In Fürstenwalde sind ihm heute keine jüdischen Mitbürger mehr bekannt, sagt Strohfeldt. Die Nazis löschten diesen Teil der Geschichte nahezu aus.

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