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Eine, die sich um andere kümmert

Zielstrebig, ehrgeizig, warmherzig: Beatrix Schickert
Zielstrebig, ehrgeizig, warmherzig: Beatrix Schickert © Foto: Jan Gögge
Sabine Rakitin / 29.11.2016, 06:41 Uhr
Bernau (MOZ) Zu den Lese- und Veranstaltungstagen gehört eine Schaufensterschau in Geschäften von Bernauern Händlern, die in Zusammenarbeit der Bernauer Stadtmarketinggesellschaft BeSt und der Märkischen Oderzeitung entstanden ist. Vorgestellt werden Frauen, die sich für ihr Anliegen stark machen. Heute: Beatrix Schickert.

Manchmal bekommt sie des Nachts eine SMS ohne Text. Dann muss sie sofort los. Sie setzt sich ins Auto und fährt nach Bernau-Süd, zu ihrem Zögling.

Seit Jahren kümmert sich Beatrix Schickert um die junge Frau, die am Borderline-Syndrom leidet. Sie lernte sie kennen, als sie in Berlin Jugendliche unterrichtete, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kamen: minderjährige Mütter, Jugendliche, deren Familien in zweiter Generation von Hartz IV lebten, junge Männer mit Migrationshintergrund. "Das war Hardcore", erinnert sich Beatrice Schickert.

Ihren Zögling nahm sie damals mit nach Bernau, bot ihr eine Ausbildung als Friseurin an. Den Abschluss schaffte die junge Frau wegen mehrerer Klinikaufenthalte zwar nicht, aber Beatrix Schickert hält weiter zu ihr. Eine Tages sei das Mädchen gesund und dann könne sie den Abschluss nach machen, glaubt sie.

Enge Freunde, die wissen, was die 37-jährige Geschäftsführerin der Friseurwelt IBS GmbH mit Friseurläden in Bernau, Schönow, Werneuchen, Groß Schönebeck und Hennigsdorf (Oberhavel) nebenbei noch alles tut, nennen sie schon mal spaßhaft "Mutter Teresa der Neuzeit". Unbedingt passend findet Beatrix Schickert das eigentlich nicht. "Mit dem, was Mutter Teresa geleistet hat, kann man das gar nicht vergleichen", sagt sie. Und überhaupt: "Ich möchte auch, dass sich jemand um mich kümmert, wenn es mir schlecht geht", begründet Beatrix Schickert ihr Engagement.

Zielstrebig und ehrgeizig ist die Bernauerin, die nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Friseurin im Jahre 2000 ihren Gesellenabschluss erhielt. Keinen Monat später übernahm die damals 21-Jährige die Leitung eines Friseurgeschäftes in Zepernick. Ihren Meisterbrief machte sie knapp fünf Jahre später - in einem viermonatigen Crashkurs in Oldenburg und auf eigene Rechnung. Ihre Familie, die Mutter Friseurmeisterin, der Vater selbstständiger Elektriker, seien ziemlich bekannt, begründet die 37-Jährige, warum sie die Meisterschule in einem anderen Bundesland besuchte. "Ich wollte mir den Meister erarbeiten, ohne dass jemand sagen kann, es wurde gekungelt", bemerkt sie.

Im August 2005 kehrte Beatrix Schickert mit dem Meisterbrief in der Tasche nach Brandenburg zurück. Sie arbeitete zunächst als Ausbilderin und gründete dann ein Jahr später die Friseurwelt GmbH. Ihre Mutter ist für die Buchhaltung zuständig, sie kümmert sich um die Läden. "Der große Plan war mal, eines Tages den Ring um Berlin mit eigenen Geschäften zu schließen", erzählt die 37-Jährige, frei nach der Devise: Nicht kleckern, sondern klotzen! Doch mit sechs Geschäften seien sie dann doch erst einmal ausgelastet, gibt die junge Geschäftsfrau zu. Denn parallel zu ihrer Arbeit im Barnim ist sie seit September 2005 auch noch als freie Dozentin für verschiedene Bildungsträger tätig. In Berlin beispielsweise hat sie Freigänger aus der Jugendstrafanstalt unter ihren Fittichen. Ihnen gibt sie "Lebensunterricht", wie sie es nennt.

In den Salons ist Beatrix Schickert Chefin von 20 Beschäftigten, ausnahmslos Frauen. Es sei schwierig geworden, freie Stellen zu besetzen. "Die Wertigkeit des Berufes ist rapide gefallen", stellt die 37-Jährige fest. Es gebe kaum noch Bewerberinnen, die an einer Ausbildung als Friseurin interessiert seien, hat die Salon-Chefin in den letzten Jahren ihre Erfahrungen gesammelt. Früher habe sie an die fünf Lehrlinge gehabt, heute nur noch einen. So hat sich Beatrix Schickert darauf verlegt, gelernte Friseurinnen, die irgendwann aus dem Beruf gegangen waren, wieder in den Beruf zurück zu holen. "Solange im Herzen der Friseur drin ist, kann man aus jedem wieder einen Friseur machen", ist sie überzeugt. Wichtig sei, dass man die Basis-Schnitte gelernt habe. "Die sind die Voraussetzungen für alle neuen Frisuren", weiß sie.

Mit ihrer Stadt ist die Bernauerin eng verbunden. Auch hier kümmert sie sich vor allem um die junge Generation, unterstützt die Barnimer Freidenker in der Kinder- und Jugendarbeit. Sie sponsert die East-Side-Fun-Crew und bietet in Vorbereitung der Jugendfeiern eine Jugendstunde unter dem Motto: "Ich habe die Haare schön" an.

Und nicht zuletzt springt die ledige junge Frau auch mal als "Babysitterin" ein, wenn ihre Mitarbeiterinnen Spätschicht haben. Nicht, dass sie das nicht gern macht - "Wir sind hier wirklich wie eine große Familie", beteuert Beatrix Schickert. Aber dass die meisten Kinderbetreuungseinrichtungen so früh schließen, empfinde sie als Frechheit, sagt die Unternehmerin. "Die sind eigentlich Dienstleister und müssten bei ihren Öffnungszeiten die Arbeitszeiten der Eltern berücksichtigen", findet sie. Aber genau das Gegenteil sei der Fall. "Es gibt Kitas, da hat man den Eindruck, die Eltern sind Dienstleister für die Erzieherinnen", stellt Beatrix Schickert fest.

Die MOZ sucht auch weiterhin nach Beispielen für Frauen, die sich für andere Menschen einsetzen und ihre Zeit mit ihnen teilen. Ob es die Ehe- oder Lebenspartnerin, ein Familienmitglied, eine Bekannte oder eine Freundin ist, spielt keine Rolle - die Lokalredaktion freut sich über jeden Vorschlag, der sie erreicht - per E-Mail an bernau-red@moz.de, unter Tel. 03338 395550 oder auf dem Postweg an Märkische Oderzeitung, 16321 Bernau, Breitscheidstraße 48.

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