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Kinderbetreuerin am SMC geht in den Ruhestand. Die Nachfolge ist noch unklar.

Abschied nach 23 Jahren

Janaina und Michel kamen immer gern in die Kinderstube von Christel Zirnstein.
Janaina und Michel kamen immer gern in die Kinderstube von Christel Zirnstein. © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 30.11.2016, 07:21 Uhr - Aktualisiert 30.11.2016, 13:32
Frankfurt (Oder) (MOZ) Mehr als ihr halbes Arbeitsleben hat Christel Zirnstein im Spitzkrug Multi Center (SMC) verbracht. Allerdings nicht als Verkäuferin, sondern als Kinderbetreuerin. Doch heute ist ihr letzter Arbeitstag. Die studierte Lehrerin geht in den Ruhestand.

Auch am Montagnachmittag kommen immer wieder Kinder zu ihr in die Kinderstube. Die Eltern der Knirpse bedauern ausdrücklich, dass Christel Zirnstein Abschied nimmt. "Wirklich schade, aber natürlich schön für sie", erklären viele.

Sie selbst geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge. "Natürlich bin ich etwas traurig. Allerdings bleibt jetzt viel mehr Zeit, mich um die eigene Familie zu kümmern. Jetzt kann ich beispielsweise auch mehr Zeit mit meinen zwei Enkelkindern verbringen." Vorher war das so gut wie nicht möglich. Fast immer hatte sie eine Sechs- Tage-Woche, von Montag bis Sonnabend. Normalerweise war in der Woche ab dem Nachmittag geöffnet, in den Ferien aber auch schon mal ab 10 Uhr.

"Wir sind in der Gastronomie beschäftig", sagt etwa Katharina Voigt, "deswegen ist Montag unser Einkaufstag. Unsere Tochter war hier immer bestens aufgehoben." Janaina konnte spielen, die Eltern in Ruhe einkaufen. Auch bei Jeanette Burdag ist das so. "Michel hat das Kinderparadies selbst entdeckt", erinnert sie sich. "Wir waren nebenan beim Frisör, der Junge hatte durch das Schaufenster die Kinderstube entdeckt und wollte unbedingt spielen", erinnert sie sich. Der Tag endete mit Tränen, denn an diesem Tag war geschlossen. Das war vor vier Jahren. Seitdem ist Michel Stammgast.

Auch Montagabend ist er da und spielt mit den Matchboxautos. Janaina hat sich sofort zu den Legosteinen gesetzt und angefangen zu bauen. Ein anderes Kind malt eifrig. "Wenn mal kurzzeitig gar keine Kinder da waren, war das nicht so schön", sagt Christa Zirnstein. Oft passiert ist das jedoch nicht.

"Das wäre was für mich", dachte die Lehrerin vor 23 Jahren, als das SMC ein Kinderparadies einrichten wollte. Bereut hat sie ihren Schritt in die Selbstständigkeit nie. Dank guter Unterstützung durch das SMC ist das auch aufgegangen, erklärt sie.

Das Spielzeug hat sie selbst angeschafft. Computer gibt es keine. "Vielleicht hätte ich mich auch damit beschäftigt, wenn ich jünger gewesen wäre", sagt sie. Dringend benötigt sie diese aber nicht, die Kinder spielen auch so. "Auch heute noch ist die Kinderstube ein wirklich seltenes Angebot", erklärt Christel Zirnstein. Centermanager aus Eisenhüttenstadt und Schwedt hätten sich bei ihr umgeschaut weil sie in ihren Häusern auch so etwas anbieten wollten, erzählt sie.

Langlebig war das Konzept aber nur im SMC. Teilweise bis zu 15 Kinder betreute sie gleichzeitig. Manchmal half auch ihr Mann mit. Michel ist gleich ganz traurig, als er hört, dass der Spieleonkel, wie er liebevoll genannt wird, nicht da ist. Christel sei aber auch gut, findet er. "Mit den Eltern hat es eigentlich nie Probleme gegeben", sagt Christel Zirnstein. "Natürlich mussten die mir vertrauen, das taten sie auch. Das Wohl des Kindes hatte oberste Priorität."

Einige der heutigen Eltern haben selbst schon in der Kinderstube gespielt und bringen heute ihre eigenen Kinder hin. Freilich musste sie gelegentlich auch mal strenger sein. "Aber alle Kinder sind wiedergekommen." An eine Episode erinnert sie sich gern. Ein Junge übertrieb es etwas beim Spielen mit anderen Kindern und musste ermahnt werden. Etwas beleidigt ging er danach mit seinen Eltern mit und kam ein halbes Jahr lang nicht wieder. Dann stand er wieder in der Kinderstube. Als sich ein anderer Junge so verhielt wie er damals und beim Spielen über die Strenge schlug, stellte er sich daneben und sagte und zu dem anderen: "So etwas machen wir hier aber nicht."

Zum Abschied hat Christel Zirnstein noch ein besonderes Angebot. "Kinder, die oft bei mir waren, können sich gern am Donnerstag oder Freitag ein kleines Spielzeug als Erinnerung aussuchen und mit nach Hause nehmen."

Wie es mit der Kinderbetreuung im SMC weitergeht, wird derzeit noch geklärt.

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