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Seiteneinsteiger sichern Unterricht

Zu Gast im Seelower Gymnasium: Der Bildungsausschuss beriet in der Cafeteria, die viele Möglichkeiten für Ganztagsangebote bietet. 70 Prozent der Schüler sind Fahrschüler.
Zu Gast im Seelower Gymnasium: Der Bildungsausschuss beriet in der Cafeteria, die viele Möglichkeiten für Ganztagsangebote bietet. 70 Prozent der Schüler sind Fahrschüler. © Foto: MOZ/Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 30.11.2016, 07:25 Uhr
Seelow (MOZ) Zum Schuljahresbeginn konnten an allen staatlichen Schulen im Landkreis die größten Personalprobleme gelöst werden. Ausgebildete Fachkräfte zu finden, wird jedoch immer schwerer. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses des Kreistages deutlich.

An den fünf staatlichen Gymnasien konnten zum Schuljahresbeginn Lehrkräfte eingestellt und damit Lücken geschlossen werden. Darüber informierte Schulrat Norbert Thefs vom Staatlichen Schulamt die Mitglieder des Bildungsausschusses des Kreistages. Schwieriger sei die Situation an den zwölf Oberschulen. "Dort nimmt die Zahl der Seiteneinsteiger zu", bekannte Thefs. "Sie haben zwar einen Hochschulabschluss, aber keine methodisch-didaktische Ausbildung." Mittlerweile sei an jeder Oberschule ein solcher Seiteneinsteiger tätig. "Mitunter sind es auch bis zu drei und in Schulen im ländlichen Bereich sogar sieben und mehr, wie in Seelow oder Neutrebbin", erläuterte der Schulrat. Es sei bewundernswert, wie die ausgebildeten Lehrer die neuen Kollegen einarbeiten, ihre Erfahrungen weitergeben und so den Neueinsteigern den Start erleichtern. Die Neuen blieben dabei nicht auf ihren Hochschulabschlüssen stehen. Vielmehr würden sie Fortbildungskurse und Weiterbildungen absolvieren. "Wir sind noch auf lange Sicht auf die Einstellung von Seiteneinsteigern angewiesen, um den Pflichtunterricht sicherzustellen", machte der Schulrat deutlich. Hinzu komme, dass nicht jeder Seiteneinsteiger auch bleibt. Mitunter würde sich im Alltag auch zeigen, dass der Betreffende den Anforderungen als Pädagoge nicht gewachsen ist.

"Wir wissen um die Problematik", versicherte die SPD-Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Simona Koß. Patrick Gumpricht, sachkundiger Einwohner im Ausschuss, gab der Abgeordneten einen besonderen Knackpunkt mit auf den Weg. Gumpricht ist selbst ausgebildeter Fachlehrer für Geographie und Physik. Allerdings fehlt ihm das zweite Staatsexamen, das er wiederum nur erlangen kann, wenn er die Pflichtzeit als Referendar absolviert. Er hat sich schon mehrfach erfolglos darum beworben, habe lediglich den zynischen Hinweis bekommen, dass er die falsche Fächer studiert habe. Die Zahl der Referendarplätze sei im Land viel zu gering. Was Schulrat Thefs bestätigte. Das Schulamt könne jedoch nur so agieren, wie die Politik es vorgibt. In allen Schulformen gebe es eine große Bereitschaft der Lehrerschaft, Referendare zu betreuen. Das bestätigte auch Anita Mielitz, Leiterin des Seelower Gymnasiums, in dem die Mitglieder des Ausschusses berieten. Man habe in Seelow gute Erfahrungen mit den Referendaren gemacht und über diesen Weg sogar einstige Abiturienten als ausgebildete Pädagogen zurück an die Schule holen können, berichtete Anita Mielitz.

2017 sollen 60 zusätzliche Referendarplätze im Land geschaffen werden. Dies sei auch dringend nötig, mahnte Gumpricht an. Berlin habe mittlerweile eine Offensive gestartet, um Lehrer für einen Job in der Hauptstadt zu gewinnen. "Wenn Brandenburg den Zug verpasst, werden weitere Fachkräfte abwandern", zeigte er sich überzeugt.

Norbert Thefs informierte die Ausschussmitglieder über zwei Landtagskonzepte im Bildungsbereich. Eines betreffe das Projekt "Schulen für gemeinsames Lernen". Zwölf Oberschulen im Land würden daran teilnehmen. Dabei geht es um gemeinsames Lernen der Schüler von Grund-, Ober- und Gesamtschulen und speziell die gemeinsame Beschulung von Kindern mit diagnostiziertem sonderpädagogischen Bedarf. Aus Märkisch-Oderland beteilige sich keine Einrichtung am Projekt, aber es gebe diesbezüglich im Kreis bereits sehr gute Erfahrungen.

Das zweite Konzept sieht die Etablierung von Schulzentren vor. 38 gebe es im Land, in Märkisch-Oderland bestünden anerkannte Schulzentren in Altlandsberg, Hoppegarten, Rüdersdorf, Wriezen und Letschin. Neutrebbin habe sich auf den Weg gemacht, um ein Schulzentrum zu bilden. In den Gremien der Grund- und der Oberschule wird darüber derzeit noch diskutiert. Er gehe aber davon aus, dass es noch in diesem Schuljahr etabliert wird, sagte Norbert Thefs.

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