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Tatjana Littig 30.11.2016 07:56 Uhr
Red. Beeskow, beeskow-red@moz.de

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Gute Gene und Tüchtigkeit

Herzberg (MOZ) Es ist ein lieb gewonnenes Ritual: Schon seit Jahren liest Gerda Muthreich jeden Vormittag ihre Heimatzeitung. Heute wird die gebürtige Herzbergerin stolze 95 Jahre alt. Ein Besuch bei einer der ältesten MOZ-Leserinnen in der Region.

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Bestens informierte Jubilarin: Gerda Muthreich hat heute Geburtstag - den 95. Jeden Vormittag liest die Herzbergerin ihre Heimatzeitung, und das schon seit Jahrzehnten. Das Gelesene wertet sie im Laufe des Tages mit ihrer Betreuerin aus.

© MOZ/Jörn Tornow

Über schlechte Gene kann Gerda Muthreich in der Tat nicht klagen. Heute wird sie 95 Jahre alt. Vor Kurzem feierte auch ihr Bruder, Günther Henning, Geburtstag: den 90. Insgesamt fünf Kinder sind sie in der Familie - drei Jungen und zwei Mädchen. Eine Schwester lebt nicht mehr, sie ist mit 91 Jahren gestorben. Der jüngste Bruder ist 86 Jahre alt und lebt in Köln. Ein 88-jähriger Bruder wohnt gleich nebenan, im ausgebauten Stall auf dem ehemaligen Grundstück der Familie Henning in Herzberg. Gerda Muthreich und Günther Henning sind ebenfalls Nachbarn: Sie wohnen in dem alten Bauernhaus in dem sie geboren sind. Die Jubilarin wohnt im vorderen Teil des Hauses und der Bruder im hinteren. "Das ist unsere Heimat hier", sagt er und blickt seine Schwester an.

Dabei hatte Gerda Muthreich durchaus ernsthafte Überlegungen, nach Wilmersdorf zu ziehen, wo ihr Ehemann Walter Muthreich gelebt hat. Mit 21 Jahren lernt sie ihn bei einer Tanzveranstaltung kennen. "Wie das halt so ist", kommentiert sie. Ihr Bruder sitzt neben ihr und schmunzelt: gänzlich unbeteiligt war auch er nicht. Der Mann wohnte in dem Haus, in dem auch seine Angebetete lebte. So kam das eine zum anderen. Lange Zeit ist das junge Paar Muthreich verlobt. Nach dem Tod der Eltern 1946 - die Mutter stirbt an einem Schlaganfall Anfang des Jahres, der Vater wird Mitte des Jahres von Unbekannten im Wald erschossen - hat Gerda Muthreich als älteste Tochter alle Hände voll zu tun und den Kopf nicht frei für eine Heirat. Ohne Erfahrung übernimmt sie den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie, knapp 21 Hektar Land. Erst 1953 heiratet das Paar. Ein Jahr später kommt die gemeinsame Tochter Sibylle auf die Welt. Wenig später erschüttert ein herber Schicksalsschlag die Familie: 1956 stirbt Walter Muthreich an Leukämie. Die Mutter kümmert sich fortan alleine um das Kind.

Sibylle Bethge ist natürlich längst erwachsen und lebt inzwischen in Berlin. Den heutigen Tag verbringt sie mit ihrer Mutter in der Hauptstadt. Am Sonntag wird dann noch einmal im großen Kreis in Herzberg das Glas erhoben auf die Jubilarin. Dann feiert Gerda Muthreich nämlich mit ihren Gästen im Gasthof Simke - zunächst gibt es Brunch und anschließend Kaffee und Kuchen, dazu spielt ein Musiker. Vier Generationen werden dann am Tisch versammelt sein. Vielleicht wird dann einer der Anwesenden der 95-Jährigen die Frage stellen, die ihr so oft gestellt wird: Wie wird man so alt? Gerda Muthreich lacht. "Tüchtig arbeiten, dann schaffen Sie das auch", antwortet sie. "Ich habe mit 70 Jahren noch voll gearbeitet", erklärt sie dann.

Sie ist ausgebildete Bürokauffrau. Gelernt hat sie an der Handelsschule in Königs Wusterhausen. Im Krieg arbeitet sie im Büro im Landratsamt in der Abteilung Kreisbauernschaft. 1957 wird sie Leiterin der Konsum-Industriewaren-Verkaufsstelle in Herzberg - und bleibt es mehr als 30 Jahre lang, bis sie in den Ruhestand geht. Davon berichtet Gerda Muthreich nicht ohne Stolz. Günther Henning kümmert sich währenddessen um die Landwirtschaft. Wo es sich einrichten lässt, helfen die Geschwister auf den Feldern mit. Alleine sei es gar nicht zu bewältigen, erklärt er. Seine Schwester lächelt. Das Alter macht ihr körperlich zu schaffen. "Aber klug reden kann ich noch", sagt sie. Seit Jahrzehnten schon liest sie immer vormittags ihre Heimatzeitung. Und wenn dann ihre Betreuerin vorbeikommt, wird ausgewertet, was in der Märkischen Oderzeitung steht.

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