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Neues aus der DDR

Im neuen DDR-Museum in Prenzlauer Berg wird auch ein originaler Kiosk gezeigt, der damals auf vielen Plätzen und in größeren Bahnhöfen stand.
Im neuen DDR-Museum in Prenzlauer Berg wird auch ein originaler Kiosk gezeigt, der damals auf vielen Plätzen und in größeren Bahnhöfen stand. © Foto: Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Henning Kraudzun / 08.11.2013, 08:49 Uhr
Berlin (MOZ) In der Hauptstadt öffnet ein weiteres DDR-Museum. Es zeigt in der Kulturbrauerei ab Mitte November rund 800 Exponate. Seit sieben Jahren gibt es eine ähnliche, privat geführte Einrichtung am Berliner Dom. Konkurrenz befürchtet man dort nicht.

In einem Tagebuch im Internet gewähren die Ausstellungsmacher schon kleine Einblicke in die Schau. Ein quietschgrüner Trabant mit Dachzelt ist dort zu sehen, mit dem zum Urlaub an die Ostsee gefahren wurde. Nebenan steht ein originaler Kiosk. Selbst eine komplette Datsche ließen die Kuratoren aus einer Gartensparte in Bohnsdorf in die Kulturbrauerei transportieren. Ein nachgebauter HO-Laden soll das knappe Warenangebot veranschaulichen.

Um den immer mehr in Vergessenheit geratenden DDR-Alltag geht es in dieser neuen Dauerausstellung, die von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland am 16. November eröffnet wird. "Dieser Alltag kann jedoch nicht losgelöst von den politischen Bedingungen betrachtet werden", erklärt Stiftungspräsident Hans-Werner Hütter. Vielmehr sei durch ideologische Vorgaben und Kontrollen ein enger Rahmen gesetzt worden.

Auf einer Fläche von 600 Quadratmetern sollen Besucher unter anderem erfahren, wie das Leben im Kollektiv funktionierte: Objekte, Dokumente und Filmaufnahmen werden aus dem Bildungssystem, Volkseigenen Betrieben und Freizeiteinrichtungen präsentiert. Hinzu kommen Beispiele, wie Menschen der Mangelwirtschaft kreative Ideen entgegensetzten. "Wir wollen zur Diskussion anregen", sagt Hütter.

Dieses Ziel verfolgt auch das privat finanzierte DDR-Museum am Berliner Dom, das im vergangenen Jahr mehr als 500000 Besucher anzog. "Vom Andrang sind wir nicht überrascht, das ist ein wichtiges Thema deutscher Geschichte", sagt die Sprecherin Melanie Alperstaedt. Oftmals würden Schulklassen durch die Räume geführt. Und nicht nur Ostdeutsche wollen eine Zeitreise in den untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaat unternehmen - knapp die Hälfte der Besucher kommt aus den Alten Bundesländern, ein Drittel aus dem Ausland.

"Man kann die Lebenswirklichkeit in der DDR nur im Komplex mit der Diktatur zeigen", sagt auch der wissenschaftliche Leiter der Einrichtung, Stefan Wolle. Daher würde in den Räumlichkeiten auch die Militarisierung, politische Verfolgung und der Mauerbau thematisiert.

Die Rückbesinnung sei 23 Jahre nach der Wende zwar schon "abgeklärter", allerdings müssten sich Ausstellungen zur DDR-Geschichte daran orientieren, dass die öffentlichen Debatten noch nicht abgeschlossen seien, so der Historiker. "Das ist eine große Herausforderung." Eine Konkurrenz des neuen Museums befürchtet Wolle nicht. "Die Ausstellung in der Kulturbrauerei wird für eine Belebung der Debatten sorgen", sagt der 63-Jährige.

Weitaus weniger Resonanz erfährt die dritte größere Schau zur DDR-Geschichte in der Region, das Dokumentationszentrum Alltagskultur in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Die Zukunft der Einrichtung, in die 2012 rund 10000 Besucher kamen, ist offen. Derzeit wird sie noch vom Landkreis und vom Land finanziert, die Stadt leistet keinen Zuschuss mehr. Wissenschaftliche Arbeit findet aufgrund der Sparzwänge nicht mehr statt. Anfang 2014 könnte eine Entscheidung fallen, wie es weitergeht, teilt eine Rathaussprecherin mit. "Dieses Haus muss zwingend erhalten bleiben", fordert Wolle.

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