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Hans Moritz 30.11.2016 10:30 Uhr

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Vollbremsung auf glatter Straße

Oranienburg (MOZ) Training der anderen Art: Die Füchse Berlin legten zu Wochenbeginn einmal den Handball beiseite und absolvierten auf der Anlage in Lehnitz bei Oranienburg eine mehrere Stunden dauernde Fahrsicherheitsübung beim TÜV Rheinland.

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Silvio Heinevetter mit Fahrlehrer Frank Thiele beim Ficherheitstraining des TÜV Rheinland in Lehnitz

© Hans Moritz

"Können Sie nicht diese Sprenkler wieder anmachen? Da erspare ich mir die Fahrt in die Waschanlage", wollte Silvio Heinevetter wissen. Die Ablehnung, dass dieses eisenhaltige Grundwasser nicht gut für den Lack wäre und umso mehr eine Wäsche für sein Auto verlangte, schreckte den Handball-Nationaltorwart nicht ab. Bei der nächsten Gelegenheit rauschte "Heine" mit seinem Mercedes durch die Fontänen und grinste aus dem Fahrerfenster.

"Die Jungs sollen ja auch ihren Spaß haben", winkte Frank Thiele ab, der neben Michael Wettengel das ungewöhnliche Training der Füchse-Handballer am sonnigen Montagnachmittag leitete. Als langjähriger Sponsor des Vereins hatte der TÜV Rheinland die Berliner Profis und Trainer unter dem Motto "Fuchsjagd mit Vollgas" auf die Anlage nach Lehnitz (Oberhavel) zu Fahrsicherheitsübungen eingeladen.

Das Vollgas stand jedoch nur in der Überschrift. Denn schon bei Tempo 60 staunten die Sportler, dass sich der Bremsweg im Gegensatz zur 30er-Zone fast vervierfachte. Gut dran war hier Torwart Petr Stochl, der als vorsorglicher Familienvater mit seinen Winterreifen gegenüber den Sommerslics der anderen deutlich im Vorteil war. "Der hat ja auch den guten alten Skoda", spottete Petar Nenadic, der mit seinem Volvo allerdings im Gegensatz zum umsichtigen Tschechen bei einer Bremsübung die aufgestellten Gummihütchen glatt und weit überfuhr. "Die Oma wäre tot gewesen", lachten die anderen schadenfroh.

Sinnvollerweise waren die Profis alle mit eigenem Auto angereist und absolvierten darin auch das Training. "Sie fahren ja sonst auch darin. Da wäre es doch wenig hilfreich, hier in fremde Modelle zu steigen", sagte bei seiner Begrüßung der Chef Siegfried Schmauder, der wie alle zwölf Mitarbeiter die Fahrkünste von Trainer Erlingur Richardsson, Sportdirektor Volker Zerbe und fast aller Füchse-Handballer trotz klirrender Kälte auf freiem und teilweise künstlich unter Wasser gesetztem Beton ausdauernd bewunderte und bemerkte, dass solche Trainingseinheiten nach Voranmeldung für jedermann möglich sind.

Zu Lernen gab es selbst für die viel am Steuer sitzenden Sportler noch eine ganze Menge. "So ein Training ist nicht schlecht, da kriegt man doch noch ein besseres Gefühl für den Wagen", befand Petr Stochl, der mit Grausen von einem Unfall auf eisglatter Piste in der tschechischen Heimat berichtete und mit seinem Skoda ein weiteres Mal punkten konnte. "Sie machen jetzt eine Notbremsung bei Tempo 60, ohne Kupplung, die Hände weg vom Lenker", ordnete Trainer Frank Thiele an. Während Stochl das schon mustergültig vorführte, suchten Steffen Fäth und Petar Nenadic den Knopf für die Notbremse und Heinevetter fragte aus seinem Automatik: "Welche Kupplung denn?"

Dafür bekam Nenadic beim Ausweichmanöver auf glatter Strecke Lob für seinen Dreher, und der Schwede Mattias Zachrisson zeigte allen, dass Bremsen nicht unbedingt seine Stärke ist. Dagegen bewies Bjarki Elisson Fingerspitzengefühl und musste sich ein Abwinken gefallen lassen, "weil es in Island ja sowieso keine befestigten Straßen gibt".

Nach 200 Minuten Dauereinsatz, bei dem neben dem Spaß aber auch ernsthafte Gefahrensituationen geprobt wurden, gab es bei einem rustikalen wie üppigen Büfett noch langes Fachsimpeln in den warmen Schulungsräumen. "Nicht schlecht, so ein Training der anderen Art", staunten alle. Und während die Profis versicherten, Vieles von dem Gelernten künftig zu berücksichtigen, versprachen die in Handball-Kreisen ungewöhnlichen Lehrmeister, sich viele Spiele der Füchse in der Max-Schmeling-Halle anzuschauen und für die Siege der Berliner kräftig die Daumen zu drücken.

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