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Josephin Hartwig 30.11.2016 18:31 Uhr
Red. Seelow, seelow-red@moz.de

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Die Schicksalsnacht

Seelow (MOZ) Fast jeder verbindet mit Weihnachten Erlebnisse, die er nie vergisst. Wir wollen bis Heiligabend jeden Tag Geschichten unserer Leser erzählen. Heute: Erinnerungen zweier Feuerwehrmänner an einen Großbrand am ersten Weihnachtsfeiertag in Seelow.

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Blicken auf ihre Zeit als aktive Feuerwehrm├Ąnner zur├╝ck: Siegmar Kaethner (l.) und Hartmut Sommer waren dabei, als das Wohnhaus der Familie Sprockhoff am 25. Dezember 1999 ausbrannte. Zeitungsartikel zu vielen Eins├Ątzen bewahrt Kaethner auf. g

© MOZ/Sandra J├╝tte

Als Hartmut Sommer gerade mit den Vorbereitungen für das Festtagsessen beschäftigt ist, ertönt ein Geräusch, dass ihm nur zu vertraut ist. Sein Piper verkündet einen Einsatz, am ersten Weihnachtsfeiertag vor 17 Jahren. Sofort macht sich der Feuerwehrmann auf den Weg zur Wehr in Seelow, springt mit seinen Kollegen ins Auto und rast in den Seelower Fichtenweg. Zu diesem Zeitpunkt weiß noch niemand, was sie erwartet. Um 10.30 Uhr trifft die Freiwillige Feuerwehr ein. Rauch ist schon von weitem zu sehen. "Im hinteren Teil des Hauses, in der Küche der Familie Sprockhoff, Maaß und Jakob brannte es", erinnert sich Hartmut Sommer.

Die Flammen sind schnell unter Kontrolle gebracht. Noch hat sich das Feuer keinen Weg in die anderen Räume gebahnt. Noch nicht. Die Polizei versiegelt den Raum, sodass niemand mehr hinein kommt. Die Beamten sind zu einem anderen Brand in Bad Freienwalde gerufen worden, bei dem es zwei Tote gab. "Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf", sagt Feuerwehrmann Hartmut Sommer. Bis heute, 17 Jahre nach dem Großeinsatz, kann er nicht verstehen, weshalb das Haus schon versiegelt wurde, obwohl die Gefahr eines Schwelbrandes noch immer bestand. Die Feuerwehr verließ dennoch erst einmal das Grundstück.

Es riecht nach Kaffee und Gebäck, als Feuerwehrmann Siegmar Kaethner es sich mit seiner Familie gemütlich macht. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1999. Um 16.30 Uhr ist keine Rede mehr von Weihnachten. "Der Alarm ging los und die Werbiger Wehr wurde in den Fichtenweg gerufen", erinnert er sich. Auch die Langsower löschten die Ostseite und den südlichen Giebel des Vier-Familienhauses, aber unter erschwerten Bedingungen. 500 Meter müssen bis zum Wassertank überbrückt werden. Es ist schon 21 Uhr, als der Brand endlich unter Kontrolle ist. Einsatzleiter Burkhard Scherzer koordiniert die Löscharbeiten.

Die Feuerwehrmänner sitzen erschöpft vor dem Gebäude, vielen hängt die nasse Kleidung am Körper. Die Wehr aus Gusow-Platkow erklärt sich dennoch bereit, die Wache über Nacht zu übernehmen. Denn die Gefahr, dass es erneut zu einem Brand kommt, besteht noch immer. Trotz stundenlangen Löscharbeiten halten sie zusammen, richten sich immer wieder auf und wollen ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargrundstücke verhindern. Bis zum frühen Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages halten die Feuerwehrmänner Wache. Ein Dach gibt es zu diesem Zeitpunkt im Haus schon nicht mehr. "Hier ein Balken, da ein Bücherstapel - wir mussten auch in dieser Nacht immer wieder löschen", sagt Hartmut Sommer.

Viele Seelower sind an diesem Tag, ob durch Zufall bei einem Spaziergang oder weil sie Nachbarn sind, Zeugen des Brandes. "Diesen Tag vergesse ich niemals", sagt Ilona Maaß, die mit ihrer Familie in der oberen Wohnung lebte. Vermutlich sei es ein Kurzschluss an der neuen Kaffeemaschine gewesen - ein Weihnachtsgeschenk ihrer Schwiegermutter. Vor allem die große Hilfsbereitschaft von vielen ist es, die Ilona Maaß auch heute noch bewegt. Bei Jörg Menz in der Scheune sind Fotos der Familie getrocknet worden, die gerettet werden konnten. Viel ist ihnen nicht geblieben. "So viele packten mit an und suchten im Dreck nach unserem Hab und Gut, brachten Handtücher und auch Kleidung vorbei." Schlafplätze waren schnell gefunden, die Suche nach einer Wohnung für die vier Parteien war ebenfalls geprägt von Unterstützung der Seelower.

Der damalige Bürgermeister Udo Schulz habe selbst mitgelöscht, erinnert sich die Inhaberin des Gartencenters. "Das ist ein Bild, das sich mir für immer eingeprägt hat. Wie er dort stand, zitternd im schwarzen Anzug und einen Löschschlauch in der Hand hielt", erinnert sich Ilona Maaß. Dass ihre beiden Kinder damals nicht in ihrem Kinderzimmer spielten, das sich direkt über der Küche befand, sei reiner Zufall gewesen. "Weil das Gartencenter Sprockhoff noch geöffnet war, verbrachten sie den Vormittag bei meiner Patentante Ursel. Das rettete ihnen das Leben", ist Ilona Maaß überzeugt. Noch heute ist sie dafür dankbar.

Haben Sie auch eine besondere Geschichte, die Sie mit der Adventszeit oder Weihnachten verbinden? Melden Sie sich gern unter Tel. 03346 472 oder per Mail an seelow-red@moz.de

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