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Sonja Jenning 30.11.2016 19:18 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Prozess nach Ausländerjagd

Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie sollen fünf syrische Asylbewerber durch Frankfurt gejagt sowie zwei von ihnen geschlagen und getreten haben. Dafür müssen sich neun junge Männer im Alter von 19 bis 25 Jahren vor dem Landgericht verantworten. Der Prozess wird sich voraussichtlich noch bis ins nächste Jahr hinziehen.

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Mit neun Angeklagten, jeder mit eigenem Anwalt, ist der Sitzungssaal im Frankfurter Landgericht am Mittwoch gut gefüllt. Die Stimmung auf der Anklagebank ist gelöst. Die jungen Männer, die meistem mögen es leger und tragen Jogginghose und Kapuzenpulli, sind zu Scherzen aufgelegt.

Die Staatsanwaltschaft legt ihnene gemeinschaftliche schwere Körperverletzung, das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Volksverhetzung zur Last. In der Nacht vom 20. auf den 21. März vergangenen Jahres sollen sie in einer Shisha-Bar im Stadtteil Neuberesinchen ausländerfeindliche Parolen gerufen haben. Die Palette reichte von "Wir wollen keine Asylantenheime in Frankfurt" über "Fackelt die Asylanten ab" bis zu "Sieg heil" und "Heil Hitler", heißt es in der Anklageschrift. Nach Mitternacht reifte der Entschluss, fünf syrische Gäste, die die Bar verließen, zu verfolgen und anzugreifen. Der Versuch des libanesischen Bar-Besitzers sie mittels Freibier von ihrem Vorhaben abzubringen, scheiterte.

Kilometerweit verfolgten die jungen Männer, von denen einer eine Eisenstange dabei gehabt haben soll, die fünf Syrer durch die Stadt. Im Kreuzungsbereich Fürstenwalder Straße/Karl-Liebknecht-/August-Bebel-Straße soll es schließlich zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Zwei Asylbewerber wurden geschlagen und getreten - auch als sie bereits am Boden lagen. Ein aufmerksamer Anwohner alarmierte die Polizei.

"Ein dumpfes, lautes Geräusch, wie wenn Metall auf Metall schlägt, hat mich geweckt", sagt der 46-Jährige als Zeuge vor Gericht. Dazu habe er schnelle Schritte und Rufe in einer fremden Sprache gehört sowie, beim Blick aus dem Fenster, ein paar Schatten vorbeihuschen sehen. "Meine Intuition hat mir gesagt, da stimmt etwas nicht", so der Zeuge.

Den Beamten gelang es noch in der Tatnacht, die meisten der Verdächtigen festzunehmen. Ihre politisch rechte Gesinnung ist bereits polizeibekannt. Seit Oktober diesen Jahres läuft der Prozess am Landgericht. Die Angeklagten verweigerten zunächst jede Aussage. An drei Verhandlungstagen wurden zahlreiche Zeugen vernommen, unter ihnen auch die Opfer, die mehrere Täter identifizierten.

Am Mittwoch dann eine erste Wende: Einer der Angeklagten lässt über seinen Anwalt ein Geständnis verlesen. Darin räumt er ein, die von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Taten begangen zu haben. "Ich habe "Heil Hitler' und "Sieg heil' gerufen. (...) Ich weiß, dass ich auf einen Syrer eingetreten habe", heißt es darin. Seine Motivation: "Ich habe mich über die Ausländer geärgert, die deutsche Frauen anmachen, teure Handys haben und mit großen Geldscheinen herumwedeln", heißt es in dem Geständnis. Allerdings ergaben sich im Prozess keine Hinweise darauf, dass sich die syrischen Gäste in der Bar auffällig benahmen.

Der Angeklagte gibt auch zu, eine Eisenstange dabei gehabt zu haben - um den Syrern Angst zu machen. Allerdings habe er die Stange vor der Schlägerei weggeworfen. Ansonsten bleiben seine Angaben schwammig. Wer genau wobei mitgemacht habe, daran könne er sich aufgrund der Zeit, die seit der Tat vergangen ist, sowie seines Alkoholkonsums in jener Nacht nicht mehr erinnern, lässt der Angeklagte über seinen Anwalt mitteilen. Fragen des Gerichts will er nicht beantworten. Möglicherweise wird das Verfahren gegen ihn nun vom Hauptverfahren abgetrennt.

Der Prozess wird fortgesetzt, zwei weitere Termine für dieses Jahr sind bereits anberaumt. Das Urteil wird aber erst für 2017 erwartet.

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