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Wenn nebenan eine Wohnanlage entsteht

Hofft auf Gemeindevertreter: Hans Stender ist einer der Anwohner, deren Grundstücke von den künftigen Bewohnern einer geplanten Seniorenresidenz komplett eingesehen werden könnten. Er hofft, dass die Verdichtung der Wohnbebauung nicht genehmigt wird.
Hofft auf Gemeindevertreter: Hans Stender ist einer der Anwohner, deren Grundstücke von den künftigen Bewohnern einer geplanten Seniorenresidenz komplett eingesehen werden könnten. Er hofft, dass die Verdichtung der Wohnbebauung nicht genehmigt wird. © Foto: MOZ/Hans Still
Hans Still / 30.11.2016, 20:45 Uhr
Wandlitz (MOZ) Ein privater Investor beabsichtigt, in Wandlitz eine Seniorenresidenz zu errichten. Das Vorhaben passt in den Geist der Zeit, doch mehren sich zunehmend Proteste dagegen. Der Grund: Die künftige Seniorenresidenz befände sich dann inmitten einer gewachsenen Wohnsiedlung.

Wer die Wandlitzer Birkenallee in Augenschein nimmt, kann sich an den sanierten Häusern erfreuen. Die Einfamilienhäuser in ein- und zweigeschossiger Bebauung sind mehrheitlich topp in Schuss. Auffallend groß ist ein Winkelbungalow an der Kreuzung zur Akazienstraße. Der Eigentümer dieser Immobilie in der Birkenallee 13 verfolgt Umbaupläne, die mittlerweile die Wandlitzer Gemeindevertreter beschäftigen. "Ein Vorhabenträger beabsichtigt derzeit, das Grundstück für eine Seniorenresidenz als Wohngemeinschaft (zwölf altersgerechte Ein-Zimmer-Appartements) und altersgerechtes Wohnen in Appartements zu entwickeln. Vorgesehen ist, die beiden genannten Nutzungen auf zwei getrennte Gebäude zu verteilen. Hierzu soll an Stelle der Garage ein Neubau für die altersgerechten Wohneinheiten entstehen und das vorhandene Wohngebäude um ein Geschoss erweitert werden", sind die Pläne des Investors in der entsprechenden Vorlage erklärt.

Nachbarn wie Hans-Jörg Schwarz oder Hans Stender halten von diesen Plänen wenig. "Wenn das so genehmigt wird, geht unsere Wohnqualität den Bach herunter. Wir werden total eingeengt, der Sichtschutz ist nicht mehr gegeben, und als Nachbarn werden wir dann Belästigungen ausgesetzt, die nicht hinnehmbar sind", erklärt beispielsweise Hans-Jörg Schwarz. So befindet sich in der Nähe der gemeinsamen Grenze die Garage, die anhand der Baupläne einem Neubau weichen soll. "Das Bauwerk rückt noch weiter in Richtung unseres Wohnhauses und soll noch dazu zweigeschossig werden", befürchtet Schwarz.

Fast noch dramatischer erscheinen die Folgen für Hans Stender, dessen bescheidenes Haus in der Akazienallee 8 zu finden ist. "Wenn dieses Gebäude auf seiner gesamten Fläche zweigeschossig wird, dann gibt es wohl kaum noch einen Platz, an dem ich mich unbeobachtet bewegen kann", befürchtet Hans Stender. Diese Sorge teilt der Wandlitzer mit weiteren Eigenheimbesitzern, die jüngst im Wandlitzer Bauausschuss und auch im Hauptausschuss dafür eintraten, dem Investor sein Vorhaben zu verweigern, da es nicht in dieses Wohngebiet passen würde.

Dabei sind den Anliegern die damit verbundenen Probleme durchaus bewusst: Die Liegenschaft befindet sich im Innenbereich und könnte theoretisch nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches bebaut werden. "Eine Zweigeschossigkeit ist dort in jedem Fall erlaubt", stellte Bauamtsleiter Lars Gesch am Montagabend nochmals klar. Er plädierte dafür, die beabsichtigte Nachverdichtung des Areals in einem Bebauungsplan zu regeln. "Der Bebauungsplan bietet die Möglichkeit, Grenzen vorzugeben", argumentierte er beispielsweise. Aus dem Kreis der Gemeindevertreter kam sogar die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, den Wirkungsbereich dieser Bebauungsplanung weiter zu fassen. Dieser Anregung stimmte beispielsweise CDU-Fraktionschef Olaf Berlin zu: "Das Quartier ist ja dem Wohnzweck gewidmet. Aber nach meinem Eindruck entsteht dort eine professionell betriebene Wohnanlage. Das erscheint mir fraglich, ob das so möglich ist." Gleich mehrere Gemeindevertretern folgten der Sichtweise der vortragenden Bürger. Sie stimmten einstimmig für einen B-Plan und gaben der Verwaltung vor, den künftigen Wirkungsbereich genau zu prüfen.

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Mathias Sievers 01.12.2016 - 20:25:58

Sorgen über Sorgen

Sehr geehrter Herr Stender, sehr geehrter Herr Schwarz! Jetzt mal Hand aufs Herz! Gibt es auch Argumente die gegen das Projekt sprechen? Im Artikel sind jedenfalls keine vernünftigen Argumente zu finden, lediglich persönliche egoistische Bedürfnisse. Genauso nichts sagend ist die Aussage des Faktionschef der CDU! Professionell betriebene Wohnanlage! Was denn sonst, wenn ein privater Investor sein Geld in die Hand nimmt? Eine Wohnanlage geführt von Laien? Was Marktwirtschaft bedeutet, muss man einem Fraktionschef wohl nicht erklären? Oder? Aber dieses dürfte in einem Mischgebiet, wie es das ist, in dem Sie wohnen, auch kein Problem sein. Glauben sie mir, ich weiß es aus Erfahrung, Senioren sind nicht laut!! Wohnen in einem Mischgebiet ist manchmal hart, trösten Sie sich, es hätte auch schlimmer kommen können, z.B. mit lärmenden Gewerbe.

Steffen Trobisch 01.12.2016 - 13:11:27

Kleindenken mal ausgelebt

Beim Lesen dieses Artikels stellt sich für mich die Frage, warum für Herrn Stender und Herrn Schwarz die Lebensqualität verloren geht, wenn Senioren nebenan gemeinschaftlich wohnen und ihren wahrscheinlich wohlverdienten Lebensabend genießen! Eine wirklich nicht hinnehmbare Belästigung, Herr Schwarz. Im Übrigen leitet sich die Bezeichnung Wohngemeinschaft vom gemeinschaftlichen WOHNEN ab. Und das wird ja wohl in einem Wohngebiet Sinn ergeben, oder sollen die Senioren lieber im Gewerbegebiet residieren? Es ist schon traurig, dass es immer wieder die Kinder und Senioren sind, die in unserer Gesellschaft die geringsten Chanchen erhalten. Bei den Einen ist das Geschrei zu laut, bei den Anderen klappert der Rollator zu laut.

Anne Panne 30.11.2016 - 23:36:39

Unglaublicher Vorgang

da will doch tatsächlich jemand ein Wohnhaus für ältere Bürger inmitten einer Wohnanlage errichten. Die Lebensqualität geht damit gegen null, ganz zu Schweigen vom finanziellen Verlust.... Ich kann verstehen das Herrn Stender der Sichtschutz wichtiger ist als eine altersgerechte Unterbringung von Senioren, die vielleicht noch ein wenig am allgemeinen Leben teilhaben möchten. Es gibt so viele Herr Stender in diesem Land, ein Umdenken könnte uns da ganz gewiss nicht schaden. Und an Sie lieber Herr Stender: Wie wäre es mit einer hohen Mauer?

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