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Ruth Buder 30.11.2016 20:53 Uhr
Red. Beeskow, beeskow-red@moz.de

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Die Angst besiegt - für Leonard

Herzberg (MOZ) "Dieses Weihnachten vergess ich nicht" - mit dieser Serie startet die MOZ in die Adventszeit und erzählt Ihnen, liebe Leser, jeden Tag eine neue Geschichte. Heute schildern Heidi Magull und Tochter Kerstin aus Herzberg, wie Unglück und Glück dicht beieinander liegen können.

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Überglücklich: Oma Heidi Magull mit Tochter Kerstin und Enkelsohn Leonard in Herzberg. Der Kleine feiert am 1. Weihnachtsfeiertag seinen ersten Geburtstag. Zuvor erlebte die Familie viele traurige Stunden.

© MOZ/Jörn Tornow

Weihnachten freut sich Kerstin Magull und ihre Familie ganz besonders. Ihr kleiner Sohn Leonard Niklas Paul wird am 25. Dezember ein Jahr alt. Er ist der Sonnenschein der Familie, die lange auf ein Kind und Enkelkind warten musste. Kerstin und ihr Lebensgefährte Paul, die in Berlin lebten und arbeiteten, hatten sich schon lange ein Kind gewünscht. Aus der großen Freude der jungen Eltern, dass sie Anfang 2013 schwanger wurde, wurde jedoch ein Alptraum. Im siebenten Monat stellten die Ärzte fest, dass das kleine Mädchen unter ihrem Herzen nicht mehr lebt. Eine Welt brach zusammen. Kerstin musste das tote Kind zur Welt bringen, es wurde bei anderen Sternenkindern auf einem Berliner Friedhof beigesetzt. Die 31-Jährige weint heute noch, wenn sie davon erzählt. Aber da die Ärzte die Ursache für den Kindstod nicht erklären konnten, eine "Laune der Natur" vermuteten und keinen Grund sahen, den Kinderwunsch aufzugeben, wagten es Kerstin und Paul erneut. Sie wurde wieder schwanger. Aber bei einer Routinekontrolle im September 2014, da war sie im fünften Monat schwanger, hörte die Ärztin keine Herztöne mehr. Zum zweiten Mal musste Kerstin eine tote Tochter entbinden und begraben. An der Seite ihrer Schwester hat sie ihre Ruhe gefunden.

"Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich lebe gesund. Warum können meine Babys nicht leben?", fragte sich die verzweifelte, junge Frau immer wieder. Ihre Mutter Heidi (57) - sie ist Kindergärtnerin in Glienicke - litt in all dieser Zeit mit, sie war bei beiden Geburten dabei, stand Kerstin, wo es nur ging zur Seite. "Sie war meine Therapeutin", sagt die dankbare Tochter.

Verschiedene Untersuchungen ließ sie nach der zweiten Todgeburt über sich ergehen, um die Ursache zu finden. Sie galt als gesund. Von dem Wunsch nach einem Kind getrieben, wurde sie im Mai 2015 erneut schwanger. "Ich habe mich gefreut, aber ich hatte die ganze Zeit Angst, dass wieder etwas passieren könnte. Ich wusste ja gar nicht wie das ist, eine entspannte Schwangerschaft zu haben", schildert die gelernte Altenpflegerin ihre damalige Situation. Während der Schwangerschaft ging es ihr körperlich gut, der kleine Junge unter ihrem Herzen wuchs und wuchs. Alles sah gut aus.

Am 11. Januar 2016 sollte er auf die Welt kommen, so hatten es die Ärzte errechnet. Es wurde Weihnachten. Heilig Abend wurde noch in Berlin gefeiert, wo Kerstin und ihr Mann wohnten, am ersten Feiertag wollten sie zu den Eltern nach Herzberg fahren. Hochschwanger unterm Weihnachtsbaum - alle waren voller Freude und Hoffnung. Doch es kam anders. Am Heiligen Abend, Kerstin hatte gerade nach dem Abendessen die Küche aufgeräumt, platzte die Fruchtblase. Sie musste ins Krankenhaus. Am nächsten Morgen, um 7.22 Uhr, wurde der kleine Leonard geboren. 3190 Gramm wog er und war 47 Zentimeter lang. Und das Wichtigste: Er lebte und war gesund. Es flossen Tränen der Freude. Schon am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages bestaunte die ganze Familie das kleine Wunder. "Dieses Weihnachten vergess ich nicht", sagt Oma Heidi strahlend.

Heute krabbelt der kleine Leonard munter bei den Großeltern in Herzberg durchs Wohnzimmer, nimmt neugierig seine Umgebung wahr, setzt selbstbewusst seinen kleinen blonden Kopf durch und versucht sich an den ersten Schritten. "Ich bin mit ihm nach Herzberg gezogen, ich möchte, dass er auf dem Land groß wird", erklärt Kerstin, während der Kleine sich bei Oma auf dem Schoß wohlfühlt. Sie ist so froh, nach den ganzen Sorgen und seelischen Schmerzen der letzten Jahre endlich einen Enkel, einen kleinen Sonnenschein, zu haben. "Das erste Mal werden wir alle zusammen Weihnachten seinen Geburtstag feiern. Jetzt sind wir glücklich", sagt Kerstin. Und sie weiß, dass Leonards Schwestern seine Schutzengel sind. Sie haben ihren kleinen Altar hinter Glas im Wohnzimmerschrank. Sie sind nicht vergessen.

Wenn auch Sie, liebe Leser, eine Geschichte zum Thema zu erzählen haben, rufen Sie uns (Tel. 03366 40250) an. Für die originellsten Geschichten spendieren wir Essen für zwei Personen.

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