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Thomas Pilz 02.12.2016 07:45 Uhr
Red. Gransee, lokales@gransee-zeitung.de

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Weisheit, Witz und Selbsterfahrung

Gransee (GZ) Vorfreude nach dem Frühling und Sehnsucht nach dem Sommer - das erzeugte TV-Moderator Hellmuth Henneberg am Mittwochabend in der Granseer Hospitalkapelle spielend leicht. Der auch als Fernsehgärtner des RBB bekannte Journalist stellte sein jüngstes Buch vor, "Gartengeflüster" heißt es.

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Als GĂ€rtner nie ohne seinen persönlichen Strohhut unterwegs: Hellmuth Henneberg erfreute sein Publikum im Heimatmuseum mit zahlreichen Anekdoten, kleinen und großen Weisheiten und neugierig machenden Reise-Empfehlungen.

© MZV

Blühende Landschaften 2017, besser gesagt liebevoll gepflegte Granseer Gärten - eine angenehme Vorahnung stellte sich bei den Zuhörern im Laufe der Veranstaltung durchaus ein. Ohne eine Spur Melancholie, versteht sich, obgleich noch nicht einmal der November vorbei war. Henneberg vermochte mit feinem Gespür und bisweilen routiniert im Publikum wohltuende Assoziationen zu wecken. Geistreiche Einlassungen, originelle Vergleiche und viel Humor waren der Dünger dafür.

Und er bezog sein Publikum gerne ein: "Glauben Sie, liebe Zuhörer, eigentlich an die Bauernregeln?" fragte Henneberg zu Beginn mit einem herausforderndem Blick und spöttischem Blinzeln. Zurückhaltung im Saal. "Ich glaube nur an eine Regel: ,Wenn es regnet im Mai, ist der April vorbei!'" Dutzende Male brachte Henneberg die Gäste im Heimatmuseum zum Lachen. Wenngleich so manche Pointe durchaus provokativ war: "Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, der hat ihn nicht verdient." Henneberg konnte darauf verweisen, dass dieser Ausspruch nicht von ihm stammt, sondern von dem bekannten Botaniker und Staudengärtner Karl Foerster (1874 bis 1970).

Für sein neues Buch hatte sich der Fernsehgärtner 2016 eine längere Auszeit genommen - "mein Sabbat-Jahr", sagte er. In den vergangenen zehn Jahren mit zahlreichen Sendungen hatte sich nach seiner Aussage viel Material angehäuft. Es entstand eine kurzweilige Abhandlung voller Esprit, mit vielen prächtigen Abbildungen, die sofort Fernweh wecken.

18 Gärten stellt Henneberg in seinem Buch vor, davon drei private Anlagen mit zum Teil atemberaubenden Dimensionen. Einer bezaubert den Betrachter zum Beispiel stets im Frühling, die Besitzer hätten bis zu einer Million Zwiebeln für Frühjahrs-Blüher gepflanzt, erklärte der Autor. Bemerkenswert sei ebenso der öffentliche Rosengarten in Forst mit mehreren tausend Rosen. Und dann die Gärten und der Park in Wiesenburg. "Es ist mir unerklärlich, warum dieser Ort so wenig bekannt ist", betonte Henneberg mehrmals.

Der Fernsehgärtner widmete sich auch der Wissenschaft und unendlichen Erfahrungswelt des Gärtnerns - und das stets mit einer großen Portion Ironie gewürzt. Die Frage: "Soll man einen Teich in seinem Garten anlegen?" beantwortete er beispielsweise so zweideutig und augenzwinkernd, dass ein abschließendes Urteil unmöglich war. Zu Hilfe kamen ihm eigene quälende Erfahrungen als TV-Moderator, als er die Pflege von Teichen beschreiben sollte und offenbar unter den Umständen - wie auch das Produktionsteam - sehr litt. So lautete seine zweifelhafte Entscheidung anschließend, die er lachend kundtat: "Nie einen Teich anschaffen".

Fernsehleute haben niemals Zeit - also auch fürs Gärtnern nicht. Das zeigte sich an Hennebergs Erfahrung mit seinem Kirschbaum. Erst als er ihm angeblich einen Fuchsschwanz drohend zwischen die Äste hängte, begann dieser vermehrt Früchte zu tragen. Sein Pflaumenbaum habe erst eine Frucht beschert, die Hennebergs Frau zu einem winzigen Schälchen Marmelade verarbeitete. Passend zum Advent erwähnte er, wie eigenwillig Weihnachtssterne seien. "Sie mögen keinerlei Verschiebung von Intervallen aus Helligkeit und Dunkelheit", erklärte er.

Ausführlich widmete sich Fernsehgärtner Henneberg landläufigen Missverständnissen, die auf dem Kompost des Alltagswissens zuverlässig wuchern: Gurken seien kein Gemüse, betonte er, sondern Obst, weil sie aus einer Blüte entstehen. Und Rosen haben keine Dornen, sondern Stachel, Kakteen hingegen Stachel und keine Dornen, erinnerte Henneberg lachend.

Und wie beseitigt man Wühlmäuse? Ohne Chemie, Fallen oder fürchterliche Misstöne: "Einfach eine Katze aus dem Tierheim anschaffen, aber bitte keinen Kater, die sind zu faul", merkte er an. Und dann hatte der in Spremberg in der Niederlausitz lebende Fernsehmoderator noch einen guten Tipp für fanatische Schrebergärtner: "Niemals in der Erde versunken leben."

Riesenbeifall brandete am Schluss der Veranstaltung auf. Bibliothekarin Irina Schulz dankte dem Autor für den beschwingten Abend und vor allem dem Verschönerungsverein, der freundlicherweise das Heimatmuseum zur Verfügung stellte.

Das Buch "Gartengeflüster" von Hellmuth Henneberg ist in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe erschienen, besitzt 144 Seiten, viele Farbfotos und hat die Druckerzeugnis-Nummer ISBN 978-3-355-01828-9.

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