Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kinderstube der Roboter

Wachsames Auge am Haifischbecken: Schiedsrichter Volker Kessels schaut genau hin, wie Magnus Krüger und Robert Otrosenko von den Technik Kids der evangelischen Grundschule Schwedt ihren Roboter einen Haifischkäfig transportieren lassen.
Wachsames Auge am Haifischbecken: Schiedsrichter Volker Kessels schaut genau hin, wie Magnus Krüger und Robert Otrosenko von den Technik Kids der evangelischen Grundschule Schwedt ihren Roboter einen Haifischkäfig transportieren lassen. © Foto: Stefan Csevi
Daniela Windolff / 11.12.2016, 19:40 Uhr - Aktualisiert 11.12.2016, 20:54
Schwedt (MOZ) Spielend lernen, das ist bei einem der spannendsten europaweiten Schülerwettbewerbe Programm. Beim Regionalfinale der First Lego League in Schwedt bewiesen 13 Teams aus Schwedt, Angermünde, Prenzlau, Eberswalde, Berlin und Gryfino Teamgeist und Spaß am Forschen und Konstruieren.

Ein Haifischtransport muss sicher und ungefährlich für Tier und Mensch organisiert werden, verlassene Robbenbabys sollen gerettet werden, aus einem Bienenstock ist Honig zu ernten, in einem Zoo müssen Futterrationen exakt portioniert und zu den Gehegen geliefert werden, Sehbehinderte brauchen einen zuverlässigen Begleithund ...

Am 10.12.2016 fand das Regionalfinale der FIRST® LEGO® League an der Gesamtschule Talsand statt.  "Animal Allies" war das Thema, wo sich alles um das Thema Tiere drehte. 13 von 14 Mannschaften aus Schwedt, Prenzlau, Eberswalde, Berlin und Gryfino (Polen) waren am Start.
Bilderstrecke

FIRST® LEGO® League-Regionalfinale

Bilderstrecke öffnen

Diese Aufgaben sollen Kinder und Jugendliche im diesjährigen Wettbewerb der First Lego League unter dem Motto "Animal Allies" lösen. Das Spannende dabei: Sie gehen nicht selbst an den Bienenstock oder in den Zoo, sondern sie entwickeln, konstruieren und programmieren Roboter als technische Helfer für den Menschen.

Die First Lego League, kurz FLL, ist ein innovativer Roboter-Wettbewerb, der Kinder spielerisch für Naturwissenschaften,Technik und neue Technologien interessieren und ihren kreativen Forscher- und Teamgeist wecken will. In Schwedt geht diese Idee bereits auf. 2008 ging hier das erste Team der Talsand-Gesamtschule an den Start. Seitdem hat der Wettbewerb jedes Jahr mehr Resonanz erfahren und strahlt in die Region aus. In diesem Jahr beteiligten sich 13 Teams an der Regionalrunde, davon sechs aus Schwedt, sowie Schüler aus Angermünde, Prenzlau, Eberswalde, Berlin und dem polnischen Gryfino. Gesamtsieger wurde das Team SDT-Connections, ein schulübergreifendes Projekt aus Schwedt. Den zweiten Platz belegte das polnische Team My Bot. Dritter wurden die Technik-Kids der evangelischen Grundschule Schwedt. Die ersten beiden nehmen im Januar am Semifinale an der HNE Eberswalde teil, von denen bundesweit nur vier ausgetragen werden.

An der Erfolgsgeschichte der First Lego League in der Region hat ein Mann ganz besonderen Anteil. Sven Ketel, Lehrer an der Talsandschule, ist der Strippenzieher hinter dem Wettbewerb. Mit Herzblut und Enthusiasmus hat er in den vergangenen Jahren nicht nur Robotik- und Technik-AGs ins Leben gerufen, für das Anliegen des Wettbewerbes geworben, das Konzept weiterentwickelt, Kollegen in anderen Schulen informiert, motiviert und angeleitet, Partner und Sponsoren gewonnen, sondern auch das Regionalfinale nach Schwedt geholt, das hier zum dritten Mal in der Talsandschule als spannender, erlebnisreicher Tag für alle Teilnehmer und auch neugierige Zuschauer ausgetragen wird.

Das Team des Eberswalder Humboldt-Gymnasiums ist wiederholt in Schwedt dabei und lobt die tolle Atmosphäre. Dario und Marian (13) aus der Robotik-AG haben selbstständig für den Wettbewerb einen Roboter aus Lego konstruiert und programmiert, der bei der Auswilderung von Pandas helfen soll. "Es macht großen Spaß, wenn es sich am Ende tatsächlich bewegt. Zu Hause können wir das leider nicht bauen, weil die Baukästen so teuer sind", sagt Marian. Dario würde gerne Erfinder werden und Roboter programmieren, die das Kinderzimmer aufräumen.

"Der Wettkampf spornt die Kinder an, eigene Ideen zu entwickeln. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt", betont Sven Ketel. "Die Kinder heute sind ja nicht blöder, sie müssen nur richtig motiviert werden. Und das muss schon in der Grundschule beginnen. Die Schule ist der wichtigste Ort, um Kinder an Technik heranzuführen. Zunächst durch spannenden Unterricht und dann die Interessierten durch AGs und Wettbewerbe wie die First Lego League. Ziel ist es, in jeder Grundschule ein eigenes Team aufzubauen."

Die neunjährige Kira Stol aus der Bertolt-Brecht-Grundschule in Schwedt gehört zu den jüngsten Teilnehmern und zeigt, dass sich auch Mädchen für Roboter begeistern. Ihr Vater Marko Härtel, selbst passionierter Technik- und Bastelfreak, hatte Sven Ketel zufällig auf der Messe Inkontakt kennengelernt und von den Projekten erfahren. Seitdem unterstützt er als Elternteil aktiv die Robotik-AG und den Lego-Wettbewerb, der viele Helfer benötigt. Zu ihnen gehören auch ehemalige Schüler des ersten Schwedter Teams von 2008, die heute in der Jury mithelfen, wie Fabian Bismar. Der 24-Jährige kam extra aus Hamburg nach Schwedt, um beim Regionalfinale mit dabei zu sein und die Jüngeren von der eigenen Begeisterung für diesen Wettkampf anzustecken. Fabian hat seine damals geweckte Leidenschaft für Technik zum Beruf gemacht. Er ist Fluggerätemechaniker bei der Lufthansa. Auch alle anderen des Teams von 2008 haben technische Berufe ergriffen. "Das Konzept geht auf", freut sich Sven Ketel.

Die Wirtschaft brauche Techniker-Nachwuchs, unterstreicht der SPD-Landtagsabgeordnete Mike Bischof. "Im Sport gibt esSportvereine und Leistungsstützpunkte, im musischen Bereich Musik- und Kunstschulen. Aber auf technischem Gebiet fehlt so etwas." Das habe inzwischen auch die Wirtschaft erkannt. Noch nie gab es so viele Sponsoren für die First Lego League, wie in diesem Jahr. Und Sven Ketel hat schon wieder neue Ideen, um das Konzept auszubauen.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG