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Ina Matthes 12.12.2016 09:32 Uhr - Aktualisiert 20.03.2017 16:44 Uhr
Red. ,

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Kolumne "nachgeforscht": Leben auf dem Mont Klamott

(MOZ) Es ist einer der schönsten Titel der Rockband Silly "Mont Klamott": "Mont Klamott - auf'm Dach von Berlin, Mont Klamott - sind die Wiesen so grün." Der 1983er Song erzählt von einer alten und einer jungen Frau, die sich auf dem Mont Klamott begegnen, einem 79 Meter hohen Hügel im Volkspark Friedrichshain.

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Bahn frei in Berlin. Der Teufelsberg gehört zu 14 Hügeln in der Stadt, die aus Trümmern des Zweiten Weltkriegs bestehen.

© dpa

Für den Berliner Wissenschaftler Reinhold Leinfelder ist er ein Stück "Technosphäre". Denn der Mont Klamott ist ein gebauter Berg. Von Menschen geformt, wie so vieles auf diesem Planeten: Straßen, Städte, Dörfer, Fabriken, Maschinen, Büroklammern. Auch bewirtschaftete Wälder, Felder und Wiesen sowie die Nutztiere zählen Geowissenschaftler zur "Technosphäre", der vom Menschen geprägten Welt. Ein Forscherteam, zu dem Leinfelder gehört, hat nun hochgerechnet, was das gesamte menschliche Machwerk wiegt: 30 Billionen Tonnen. Eine Zahl mit 13 Nullen. Wenn man sich diese Masse als 25-Kilo- Zementsäcke vorstellt und die auf der Erdoberfläche verteilen würde, dann kämen auf jeden Quadratmeter zwei Säcke graues Gekrümel. Glücklicherweise ist der Menschheit mehr eingefallen als Zement, und so haben wir inzwischen eine größere Vielfalt an Dingen zustande gebracht als die Natur an Arten. Ohne die Bakterien gibt es davon schätzungsweise zehn Millionen. Google verzeichnet allein schon 130 Millionen Buchtitel.

Nur, was hilft es, das alles abzuwägen? Was sagen uns 30 Billionen Tonnen? "Der Mensch hat die Erde unglaublich beeinflusst", erklärt der Geobiologe und Paläontologe Leinfelder. "Die Zahl soll deutlich machen, in welcher Größenordnung sich die Eingriffe des Menschen bewegen." Denn die 3 mit den 13 Nullen im Schlepptau ist eine Schätzung - mit Unsicherheiten.

Ziemlich gut ist die Datenlage bei Häusern - Städte sind die Schwergewichte in der Technosphäre. Schwieriger ist es schon, den Schutt der Vorfahren abzuschätzen, auf dem sie stehen. Die Londoner beispielsweise spazieren über 1,6 Meter historischen Müll, die im Zentrum bis auf zehn Meter anwachsen. Auch der Kohlendioxid-Abfall lässt sich nicht so einfach fassen: Unser Wirtschaften hat davon so viel in die Luft entlassen, dass man es zu einer einen Meter dicken Schicht rund um den Erdball konzentrieren könnte. Nur ist das noch nicht alles - ein Teil des Klimagases ist auch in den Meeren gelöst. Selbst wenn die 30 Billionen eine Hochrechnung sind - die Dimension sollte stimmen, sagt Leinfelder.

Etwa drei Viertel der Erde hat der Mensch umgekrempelt - bis hinunter zu den Meeresböden, über die Schleppnetze pflügen. Wir holen aus unserem Planeten heraus, was herauszuholen geht. Pro Jahr produziert die Menschheit fast so viel Plaste, wie sie selbst wiegt - etwa 300 bis 400 Millionen Tonnen. Viele Kunststoffe gehören zu dem Müll, der in Halden liegt und sehr langsam oder nicht verrottet. Verlorene Ressourcen. Denn ein überlebenswichtiges Prinzip der Natur hat der Mensch noch kaum kopiert: das Recyceln. "Wir müssen letztendlich zu einer Kreislaufwirtschaft kommen", sagt Leinfelder. Weg von grün getarnten Halden, so wie dem Mont Klamott. Die junge Frau im Silly-Song glaubt, er sei eine grüne Lunge, geschaffen von "den Vätern dieser Stadt". Eine Illusion. Die alte Dame weiß, was unterm Grün verborgen ist: die Trümmer des Zweiten Weltkriegs: Nicht die Väter, "die Mütter dieser Stadt hab'n den Berg zusamm'gekarrt."

Fragen und Meinungen zu Nachgeforscht an: cvd@moz.de

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