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Nichts brennt am Premnitzer See

Blick in die Premnitzer Tongrube, aus der nach Wassereinbruch ab 1913 ein See wurde. Dort gibt es Bernstein.
Blick in die Premnitzer Tongrube, aus der nach Wassereinbruch ab 1913 ein See wurde. Dort gibt es Bernstein. © Foto: Archiv KuZ
Rene Wernitz / 14.01.2017, 06:35 Uhr
Premnitz/Havelland (MOZ) Bernstein kann verbrennen. Deshalb wurde das fossile Harz eigentlich Brennstein genannt. Es gibt ihn hier, es gibt ihn dort - sogar in Premnitz.

Wer großes Pech hat, findet an Nord- und Ostsee dem Bernstein sehr ähnliche Brocken, die für böse Verbrennungen sorgen können. Dann handelt es sich um Reste des Zweiten Weltkriegs. "Experten schätzen, dass bis zu 1,3 Millionen Tonnen phosphorhaltige Munition auf dem Grund der Nordsee sowie 300.000 Tonnen in der Ostsee liegen", wie es in einem Beitrag zum Thema auf www.ndr.de heißt. Wenn der Phosphor trocknet, verbinde sich dieser mit Sauerstoff und entzünde sich. Er brenne dann mit einer Temperatur von 1.300 Grad und sei kaum noch zu löschen.

Bernsteine suchen kann also durchaus gefährlich sein. Aber wohl kaum dort, wo keine phosphorhaltigen Munitionsreste im Wasser lagern. Wie in Premnitz!

Anfang vorigen Jahres hatte Geschichtsfreund Werner Coch zunächst in BRAWO, dann per Vortrag in der Stadtbibliothek darüber berichtet, wie der Bernstein in den Premnitzer See gelangte. Im Grunde genommen war der Bernstein schon dort, ehe Ton für die Ziegelindustrie gewonnen wurde und durch plötzlichen Wassereinbruch (1913) der Abbau in der bis zu 15 Meter tiefen Grube zum Erliegen kam.

Denn Bernstein, laut Wikipedia seien weltweit rund 80 Arten bekannt, entstand vor Jahrmillionen aus dem Harz, das aus Nadelgehölzen rann. "Gewaltige Mengen sanken durch Wasser, Eis und Brandung in tiefe Sedimentschichten ab, wo sie von Sand, Staub und neu gebildeten Gesteinsschichten zugeschüttet wurden und über Millionen von Jahren unter Luftabschluss und Druck zu Bernstein wurden", wie auf www.planet-wissen.de erklärt wird. Die ältesten Sorten sollen über 300 Millionen Jahre alt sein, der Baltische Bernstein, wie er an den Ostseeküsten zu finden ist, rund 55 Millionen Jahre, der aus der Dominikanischen Republik in der Karibik erst 35 Millionen Jahre.

Der in der Premnitzer Tongrube gefundene Bernstein soll baltischen Ursprungs sein, wie Werner Coch ausgeführt hatte. Demnach durch Gletscher in Eiszeiten herbei geschoben. Er sprach von weiteren Fundorten im Havelland, zum Beispiel Rhinow und Brieselang.

Dass die Eiszeiten für weitere Fundorte sorgten, belegt auch der Bernsteinsee in Velten. Der Name dieses durch Ausbaggern von Baumaterial für die Autobahn A10 entstandenen Gewässers deutet an, was beim Baggern wie in Premnitz zu Tage trat. Derweil ist noch nicht ganz ausdiskutiert, wie die laut Wikipedia weltweit zweitgrößte Bernsteinlagerstätte bei Bitterfeld in Sachsen-Anhalt entstand. Sie war zu DDR-Zeiten in einem Braunkohletagebau entdeckt worden. Auch dort gibt es einen Bernsteinsee. Die Wissenschaft tendiert zur Annahme, dass der Bernstein nicht herbei geschoben wurde, sondern dass dort vor Jahrmillionen die entsprechenden Nadelbäume wuchsen.

Schon lange vor Ägyptern, Griechen und Römern gierte es besser gestellte Menschen nach Bernstein, den man für magisch hielt. Die Nachfrage aus dem Süden wurde so groß, dass spätere Weltreiche wie das der Ägypter Handelsbeziehungen in den europäischen Norden knüpften. Bezahlt wurde unter anderem mit Bronze und Gold. Auch Kulturen in den Herkunftsländern hatten offenbar ihre Freude am Material, wie Grabbeigaben belegen.

Über Fernhandelsbeziehungen ins Havelland ist nichts bekannt, obgleich es bei Tietzow Lagerstätten direkt unter der Oberfläche des Luchgebiets geben soll. In der späten Jungsteinzeit (3.300 bis 2.800 v. Chr.) existierte aber in der Region eine Zivilisation, die als Havelländische Kultur in die Geschichte einging. Erwähnung findet sie unter anderem auf www.praehistorische-archaeologie.de. Über einen havelländischen Kult heißt es dort, dass Rinder geopfert wurden und dass es Einzel- und Paarbestattungen von Rindern gab, "die zu allem Überfluss zusätzlich mit wertvollen Bernsteinperlen geschmückt wurden".

Über die Herkunft des verwendeten Bernsteins wird nichts berichtet. Er könnte aus dem mitteldeutschen Raum, aus dem Baltikum oder von noch weiter her stammen - oder ganz aus der Nähe. Denn auch heute muss man nicht nach Bitterfeld, Velten oder an baltische Küsten fahren, um Bernstein zu finden. Dem Vernehmen nach könnte dieser auch am Strand des Premnitzer Sees auf seine Entdecker warten.

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