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Martin Risken 14.01.2017 07:20 Uhr
Red. Gransee, lokales@gransee-zeitung.de

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Zehdenick überfordert Galeristen

Zehdenick (GZ) 2017 könnte zum Schicksalsjahr der Klosterscheune Zehdenick werden. Denn Galerist Jörg Zieprig macht deutlich, dass er am Ende seiner Kräfte sei. "Da muss ich mir überlegen, ob ich das über das Jahr 2017 hinaus noch schaffe", sagte der 58-Jährige, der über seine Belastungsgrenzen hinaus in die Arbeit der Kulturstätte eingebunden ist.

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Zwölf-Stunden-Arbeitstage sind nichts Besonderes für Jörg Zieprig: Während der Galerist die Lesung mit Manfred Stolpe festmacht, muss er auch noch die Klosterscheune putzen.

© MZV

Schon im vergangenen Jahr hatten Zieprig und Mitglieder des Trägervereins Kulturlandschaft Brandenburg Nord e. V. an die Stadtverordneten appellierte, den seit 2000 auf dem Niveau von 46 000 Euro eingefrorenen jährlichen Zuschuss zu erhöhen, um eine Halbtagsstelle einrichten zu können. In den ersten Jahren nach Eröffnung der Klosterscheune fand der Verein immer noch qualifiziertes Personal über den Zweiten Arbeitsmarkt. Doch damit ist es schon seit längerer Zeit vorbei. Die zugewiesenen Ein-Euro-Jobber machen mehr Arbeit, als dass sie zu einer echten Entlastung beitragen, so Zieprig. Der Aqua Zehdenick GmbH könne man dafür nicht die Schuld geben. Kluge Ratschläge aus den Reihen der Stadtverordneten, wonach möglicherweise Bundesfreiwillige eingesetzt werden könnten, liefen ins Leere. Denn Bufdis könnten weder abends noch an Wochenenden beschäftigt werden, wenn die Klosterscheune geöffnet hat und jede helfende Hand gebraucht werde. Hinzu kommt, dass die Zahl der Ehrenamtliche auf sechs oder sieben Personen begrenzt sei. Da bleibe vieles von dem, was an Arbeit erledigt werden müsse, an ihm hängen. Er schaffe nicht nur die Künstler heran, sondern kümmere sich auch sonst noch um alles andere. Um den Auf- und Abbau, um die Werbung, die Gastronomie und um die Bewirtschaftung des Hauses. Denn auch einen Hausmeister oder -techniker gibt es nicht. Von morgens 5 Uhr bis weit nach Mitternacht dauern manche Arbeitstage. Dass sei für ihn auf Dauer nicht mehr zu leisten. "Da fühle ich mich nicht wohl, wenn mir dafür die Kraft fehlt." So wie in den vergangenen Jahren jedenfalls könne er nicht weitermachen. Eigentlich hatte er gehofft, dass die Appelle des vergangenen Jahres gefruchtet und die Stadtverordneten begriffen hätten, wie ernst die Lage ist. Doch nun sieht er sich eines Besseren belehrt und sucht die Schuld dafür auch ein wenig bei sich selbst. Wahrscheinlich habe er die Sache nicht eindringlich genug rüber gebracht, wahrscheinlich habe nicht jeder verstanden, was sein Anliegen ist. "Ich habe es den Herrschaften nicht so plausibel erklären können", schätzt der Galerist nun selbstkritisch ein. Die Stadt kam dem Verein zwar finanziell entgegen, indem sie seit Jahresbeginn auf die Miete für die Klosterscheune gänzlich verzichtet. Aber die dadurch gesparten 2 500 Euro pro Jahr reichten nicht aus, um eine Halbtagsstelle zu schaffen. Die veranschlagt Zieprig mit Kosten von rund 20 000 Euro pro Jahr. Es müsse ja kein studierter Kunsthistoriker sein, aber jemand, der die Blumen hole, wenn man es ihm sagt. Natürlich müsse die Halbtagskraft vernünftig bezahlt werden. Dass das Geld dafür nicht vorhanden ist, mag der Kulturmanager nicht glauben: "Es gibt immer irgendwelche Töpfe." Die Stadt Zehdenick habe durch die Arbeit der Klosterscheune in den vergangenen Jahren an Renommee gewonnen. Viele hochkarätige Künstler traten auf oder präsentierten ihre Werke. Ein Selbstläufer sei die Einrichtung nicht. "Es müssten regelmäßig Kontakte gepflegt werden. Und man erwartet von mir, dass ich Veranstaltungen besuche" Vieles sei langfristig angelegt. So auch die Zusammenarbeit mit den Botschaften verschiedener Länder in Berlin. So werden die Gespräche mit der tschechischen Botschaft wahrscheinlich dazu führen, dass Künstler aus Zehdenick und Umgebung demnächst in Bratislava ausstellen dürften. Ohne Kontinuität in der Arbeit das sei so etwas nicht zu schaffen.

Angesichts der eher prekären Lage der Klosterscheune verstehe er die Diskussion um die Mehrzweckhalle auf dem Festplatz in Zehdenick nicht. Wenn schon nicht genug Geld für die Klosterscheune vorhanden ist: Wie soll das erst mit einer Festhalle werden, die 1 000 Leuten Platz bietet. Grob geschätzt gehe er von einem Jahresbudget von 300 000 Euro aus, das notwendig sei, um eine solche Halle zu betreiben. "Man muss sich sehr genau überlegen, was man daraus machen will", so Zierpig. Dass Veranstaltungen, für die die Klosterscheune zu klein ist, bald in der neuen Halle stattfinden werden und die auch noch von ihm mitorganisiert werden sollen, so etwas schließt Zieprig aus.

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