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Einkehr am Müggelturm

Köpenicker Wahrzeichen steht kurz vor der Eröffnung
Köpenicker Wahrzeichen steht kurz vor der Eröffnung © Foto: picture alliance / dpa
Maria Neuendorff / 14.01.2017, 09:54 Uhr
Berlin (MOZ) Seit 2014 ist Matthias Große Eigentümer des Müggelturms. Der Köpenicker Immobilienentwickler will das gesamte Gelände für Besucher erschließen. Das Restaurant im Untergeschoss ist fertig. Nur öffnen darf es noch nicht.

Die neuen Tische und Stühle zwischen den alten Steinpfeilern sind in weiße Tücher gehüllt. Der Tresen aus Holz und roten Ziegelsteinen lädt zum zünftigen Bier. Die rustikale Gaststätte im Untergeschoss des Müggelturms ist nach 25 Jahren Verfall aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Doch bei allem neuen Glanz - Gäste dürfen noch nicht bewirtet werden. "Am ersten Schnee-Wochenende standen 600 Spaziergänger vor der Tür, und keiner konnte einen Kaffee oder Glühwein bekommen", berichtet Investor Große.

Warum die Genehmigung für die Müggelturm-Baude immer noch aussteht, kann er sich nicht erklären. "Wir haben alles getan, was getan werden muss", sagt Große und zählt auf: Heizung und Sanitäranlagen erneuert, die Fenster nach Absprache mit der Denkmalschutzbehörde ausgetauscht, die Statik für die Decke geprüft, einen behindertengerechten Zugang errichtet, eine Notstromanlage sowie die Brandschutzanlage eingebaut. Ja, sogar eine Wasserprobenkontrolle sei durchgeführt worden.

Die Genehmigung aus dem Bauamt lässt trotzdem auf sich warten. Dabei feierten Silvester schon 250 Menschen in der Baude. "Die Sondergenehmigung dafür galt nur bis 1. Januar", sagt Große.

"Das war aus Verwaltungssicht ein riesiges Entgegenkommen", sagt Köpenicks Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Denn Große habe die Unterlagen erst kurz vor Weihnachten eingereicht. Deren Prüfung dauere generell vier bis sechs Wochen. "Ich bin zuversichtlich, dass die Genehmigung Ende Januar, Anfang Februar vorliegt", so Hölmer. Auch er will, dass es auf dem Müggelberg vorangeht. "Ich habe Große als engagierten, aber auch etwas ungeduldigen Macher kennengelernt."

Der Immobilienentwickler und Lebensgefährte der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat mit seiner U.G.M.G. Unternehmensgruppe schon mehrere Projekte in Berlin gestemmt. Am Müggelturm, in den er nach eigenen Angaben bisher mehr als eine Million Euro investiert hat, will er noch weitere Restgebäude denkmalgerecht sanieren und für Feste und Tagungen vermieten. Auch Trauungen sollen künftig in dem Köpenicker Wahrzeichen möglich sein. Um das Gelände behindertengerecht zu erschließen, will Große öffentliches Straßenland erwerben. "Ein Verfahren, das auch dauert", erklärt Hölmer. Die Flächen seien inzwischen umgewidmet. Der Verkauf könnte im Frühjahr über die Bühne gehen.

Als der Unternehmer die Immobilie 2014 vom Land erwarb, verpflichtete er sich auch dazu, den fast 30 Meter hohen Turm zugänglich zu machen. Besucher können an 365 Tagen im Jahr von 10 bis 18 Uhr die 126 Stufen erklimmen. Bei gutem Wetter reicht der Blick von der 1961 errichteten Plattform bis in die Berliner Stadtmitte oder bis zum 60 Kilometer entfernten Tropical Islands an der Grenze zum Spreewald.

"Der Müggelturm ist von Gesamtberliner Bedeutung", findet Große. Das sieht auch Hölmer so. "Wir dürfen das Areal nicht länger verfallen lassen und brauchen dort genauso jemanden wie Große, der die Sachen schnell anpackt", betont der Baustadtrat. "Er macht das nur manchmal mit einer etwas hemdsärmeligen und ungeduldigen Art, die dann mit dem klassischen Verwaltungsablauf kollidiert."

¦Der Müggelturm ist ein Ausflugsziel im Osten Berlins. Er steht südlich des Müggelsees auf dem Kleinen Müggelberg, der 88,30 Meter hoch ist. Dort wurde schon 1890 ein 27 Meter großer, hölzerner Turm gebaut, der 1958 abbrannte. Das heutige achteckige, 29,61 Meter große Gebäude wurde 1961 nach dem Entwurf von Studenten der Kunsthochschule Weißensee entworfen.

¦Mitte der 1990er-Jahre wurde der Müggelturm instandgesetzt. Doch verschiedene Investorenpläne scheiterten. Matthias Große will das komplette Gelände zu neuem Leben erwecken. (neu)

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