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Erhard Herrmann 14.01.2017 14:50 Uhr
Red. Brandenburg/Havel, redaktion-brb@brawo.de

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Ein Leben im Zeitraffer

Brandenburg (MZV) Co wacht auf und alles ist anders. Überall wachsen Haare und Pickel sprießen wie riesige Mondkrater. Sein Körper scheint ihm nicht mehr zu gehören, nachdem die Pubertät wie ein Sturm über ihn hereinbricht und er sich brutal von seiner Kindheit verabschieden muss. Der geliebte Teddy wird an der Tür gekreuzigt und Co durchlebt an einem Tag alles, wofür andere Jahre brauchen. Es folgten Kausalitäten und die Konsequenzen der ersten Liebe, spontane Erektionen, rohe Gewalt, Selbstbefriedigung, Drogendealer oder der unfreiwillige Besuch im Bordell bei der "rosa Frau". Er fühlt sich in seinem eigenen Leben als Nebendarsteller, ist überfordert von den Eindrücken des Erwachsenwerdens. Es läuft nicht alles nach den Wunschvorstellungen von Co und plötzlich ist Suizid ein Thema. "Co-Starring" das Stück von Theo Fransz, er führte selbst die Regie, wurde in einer Eigenproduktion des Brandenburger Theaters aufgeführt. Es entstand 2001 als niederländischer Beitrag eines internationalen Schulhofgeschichten-Projekts, das Theatertexte speziell für 11- bis 14-Jährige vorstellte. "In der radikalen Überzeichnung der Figur steckt wohl das Erfolgsgeheimnis. Dazu noch lakonisch-witzig als Comedy, aber dennoch mit dem notwendigen Ernst einer Tragikomödie", erklärte Theo Fransz. Ilja Schierbaum spielt nicht nur Co, sondern auch all jene Figuren, denen der Heranwachsende in seiner Zwischenwelt begegnet. Auch als Erzähler fungiert er. Neben ihm ist der Musiker Marcus Thomas auf der Bühne präsent und sorgt mit rockigen und romantischen Gitarrenklängen für den eindrucksvollen Sound. Die Requisiten sparsam, das Bühnenbild wird neben der schauspielerischen Glanzleistung von Ilja Schierbaum im Grunde durch die Geräuschpalette von Marcus Thomas bestimmt - eine Telefonstimme, den Lärm eines abstürzenden Flugzeuges oder Salven aus einem Maschinengewehr und Pistolen. Der Protagonist, Baujahr 1976, ist längst aus dieser Lebensphase herausgewachsen, aber es gelingt ihm, die Gefühls-Emotionen eines Jugendlichen der peinlicherweise im voll besetzten Bus eine Erektion bekommt wunderbar darzustellen. Die erste schüchterne und misslungene Liebeserklärung, die Wucht der Gefühle und Wut bei der Schimpfwortkanonade, seine Mimik und Gestik und "Augen so groß wie Saugnäpfe" beim Anblick seiner ersten großen Liebe, er beherrschte das Stück und die Zuschauer volle 65 Minuten. Dabei erfüllte er die Anforderung des Regisseurs noch einer radikalen Überzeichnung des Hauptdarstellers ohne überzogen zu wirken. Die Premierengäste erlebten ein Leben im Zeitraffer. Eine Lebensphase, den Schritt zum Erwachsenwerden, die jeder durchgemacht hat oder durchmachen wird. Die nächsten Aufführungen im Brandenburger Theater finden am Donnerstag, 9. Februar, und Freitag, 10. Februar, jeweils um 10 Uhr in der Studiobühne statt. "Co-Starring" ist aktueller denn je - und nicht nur für Schüler ab zwölf Jahren. Auch Erwachsene, die sich an die eigenen "Jugendsünden" erinnern wollen, sind natürlich willkommen.

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Wer erinnert sich nicht an so manchen Fauxpas in seiner Jugend? Ilja Schierbaum gelang es, die Gefühlswelt eines jungen Erwachsenen komisch und tragisch darzustellen.

© MZV
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