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Andreas Wendt 14.01.2017 14:51 Uhr

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Ein Traum wird wahr: 15-Jähriger im Lokführer-Cockpit

Berlin/Hamburg (MOZ) Es ist der Traumberuf aller Jungen: Im Führerstand einer Lok über die Gleise rollen. Für Adrian Daum ist dieser Traum am Freitag wahr geworden. Der 15-jährige Gymnasiast aus Fürstenwalde gehörte zu den Gewinnern von Freifahrten nach Hamburg.

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Der 15-jährige Gymnasiast Adrian Daum aus Fürstenwalde schaut auf der Fahrt von Berlin nach Hamburg Lokführer Frank Arendholz über die Schulter.

© MOZ/Andreas Wendt

Stopp in Salzwedel. Das Signal steht auf Rot und blockiert den eingleisigen Abschnitt bis Uelzen. Salzwedel und Uelzen liegen auf der Strecke des von der Deutschen Bahn (DB) seit drei Jahren betriebenen Interregio (IRE), der zum Kampfpreis von knapp 30 Euro mehrmals am Tag zwischen Hamburg und Berlin pendelt. Als Triebfahrzeugführer Frank Arendholz (55) über den Zugfunk erfährt, dass sein IRE erst den entgegenkommenden Regionalexpress nach Magdeburg passieren lassen muss, steht Adrian Daum schwer beeindruckt hinter ihm.

Der 15-Jährige aus Fürstenwalde (Oder-Spree) hatte sich mit seiner Bewerbung um Freikarten, die diese Zeitung und DB Regio verlost hatten, für die Mitfahrt in der Lok qualifiziert. Eine Bekannte aus Frankfurt (Oder) hatte ihn auf die Verlosung aufmerksam gemacht. Lokführer - das sei schon seit Kindheitstagen sein Traumberuf. Derzeit feilt der Neuntklässler an einer Facharbeit für WAT (Wirtschaft, Arbeit, Technik), in der er das Berufsbild des Triebfahrzeugführers beleuchten will. Deshalb saugt er jede Kleinigkeit während der gut dreistündigen Fahrt vom Ostbahnhof nach Hamburg auf und schwärmt von der Lok der Baureihe "182". "Sie ist ein Traum. Ich mag ihr Anfahrgeräusch, das wie eine Tonleiter klingt", erzählt er.

Ein paar Waggons weiter hinten sitzt Mutter Beate, die das Faible ihres Jungen für die Eisenbahn nur zu gut kennt. Sein Taschengeld, verrät sie, investiert Adrian nicht nur in PC-Simulationen, mit denen er virtuell innerdeutsche Strecken abfährt, sondern auch in Monatskarten, um mit der Bahn zu fahren. Auf die Frage, wohin die Reise geht, zuckt sie mit den Schultern: "Egal. Er will einfach nur mit dem Zug fahren."

Detlef Kost aus Oranienburg (Oberhavel) geht es da ähnlich. Adrian hatte dem 60-Jährigen die Fahrt im Führerstand der Lok vor der Nase weggeschnappt. Mit seiner Frau Gabriele hat Kost nun im Abteil Platz genommen und freut sich auf ein Wochenende in Hamburg. "Wir werden erst unser Gepäck im Hotel abgeben und dann in Richtung Hafen aufbrechen", sagt seine Frau.

Im vergangenen Jahr, zum 60. Geburtstag ihres Mannes, waren die Kosts mit dem Auto angereist und hatten die Taufe des Kreuzfahrtschiffes "Aida prima" hautnah miterleben können. Dieses Mal ist die Fahrt zur Küste dank der Freikarten preiswerter und bequemer. Man trifft sogar bekannte Gesichter: Zugbegleiterin Heike Kramp kennt Detlef Kost von der täglichen Fahrt zum Job in Wittenberge (Prignitz). Er pendelt von Oranienburg dorthin und wieder zurück, sie zwischen Wittenberge und Berlin. Der IRE nach Hamburg, sagt die Zugbegleiterin, sei für sie ein sehr angenehmer Arbeitsplatz mit bunt gemischtem Publikum. Als der Zug gegen 11 Uhr die Hansestadt erreicht, ist für sie wie auch für Lokführer Arendholz Pause - bis zur Rückfahrt kurz vor 17 Uhr.

Für Adrian sind die Stunden auf der Lok viel zu schnell vorbei gegangen. Für seine Facharbeit hat er ausreichend Informationen von Lokführer Frank Arendholz sammeln können, fotografiert und Videos aufgenommen. Arendholz kann die Begeisterung des Gymnasiasten durchaus nachvollziehen. "Ich wusste auch schon sehr zeitig, dass ich später mal auf die Lok will", sagt er.

Adrian Daum hält nach dem Ausflug nach Hamburg erst recht an seinem Berufswunsch fest. Ab Mai wird er ein zweiwöchiges Praktikum bei der Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft absolvieren, nachdem ihn die BVG in Berlin abgelehnt hatte. Aber erst einmal stehen nun sechs Stunden Hamburg bei durchwachsenem Wetter an. Sein Ausflugsziel steht auch schon fest und ist wenig verwunderlich: Die Modelleisenbahnen im Miniatur Wunderland in der Speicherstadt.

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