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Die Bahnstrecke zwischen Joachimsthal und Templin soll verkauft werden

Nur noch in eine Richtung: Vom Kaiserbahnhof Joachimsthal aus geht es für die Fahrgäste bisher nur Richtung Berlin. Die Verbindung nach Templin  ist seit Langem stillgelegt. Foto: Marco Marschall
Nur noch in eine Richtung: Vom Kaiserbahnhof Joachimsthal aus geht es für die Fahrgäste bisher nur Richtung Berlin. Die Verbindung nach Templin ist seit Langem stillgelegt. Foto: Marco Marschall © Foto: Marco Marschall/MOZ
Marco Marschall / 30.01.2017, 23:00 Uhr
Templin (GZ) Die Bahnstrecke zwischen Joachimsthal und Templin soll verkauft werden. Zwar fahren dort schon seit zehn Jahren keine Personenzüge mehr. Doch sehen die Kommunen mit der Veräußerung alle Hoffnung schwinden, dass die Verbindung jemals wiederbelebt wird.

Es ist ein Thema, bei dem sich Joachimsthals Amtsdirektor Dirk Protzmann in Rage reden kann. Im Amtsausschuss hat er darüber informiert, dass die DB Netz AG die knapp 26 Kilometer Gleis nach Templin "heimlich" zum Verkauf ausgeschrieben hat. Zwar verkehrt schon seit zehn Jahren kein Personenzug mehr zwischen dem Kaiserbahnhof und der Perle der Uckermark. Doch: "In zehn bis fünfzehn Jahren wird die Strecke wieder wichtig sein", gibt sich der Verwaltungschef überzeugt. An Landes- und Bundestagsabgeordnete habe sich der Amtsdirektor gewandt und will gemeinsam mit Templins Bürgermeister Detlef Tabbert um die Bahnstrecke kämpfen. Im Rathaus der Kurstadt ist Wirtschaftsförderin Dana Schöttler mit dem Thema betraut. "Wir fordern die Wiederbelebung", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. 2 500 Berufspendler zähle Templin. Viele seien natürlich Richtung Berlin unterwegs. Aber auch nach Eberswalde fahren sie zur Arbeit. Durch den Wegfall des Zugverkehrs zwischen Joachimsthal und Templin fehle eine attraktive Verbindung in die Barnimer Kreisstadt. Mit ihr ließe sich auch das gemeinsame touristische Potenzial besser nutzen. 340000Gäste, so berichtet Dana Schöttler, habe Templin im vergangenen Jahr empfangen. Per Bahn könnten diese von dort - mit Umstieg in Joachimsthal - einen Abstecher in den Eberswalder Zoo machen. "Wir würden gern ein touristisches Gesamtpaket schnüren", sagt sie. Für Joachimsthals Amtsdirektor Dirk Protzmann ist klar, dass der Verkauf der Strecke auch den Rückbau bedeutet. Ob das stimmt, lässt sich schwer ermitteln. Denn wer im Erwerb um den Abschnitt im Rennen ist, verrät die Pressestelle der Deutschen Bahn AG nicht. Verkauft oder verpachtet ist bis jetzt noch nichts. "Die Ausschreibung lief bis zum 4.Januar 2017. Danach sind die Gespräche mit den an der Übernahme der Strecke interessierten Bewerbern vorgesehen", teilt der Konzern auf Anfrage der Zeitung mit. Wie die Bahn AG weiter informiert, sind Bewerber, die beabsichtigen, die öffentliche Infrastruktur weiter zu betreiben, vorrangig zu berücksichtigen. Allerdings macht das Unternehmen auch deutlich, dass die DB Netz AG nach einem Verkauf formal keinen Einfluss mehr auf die künftigen Entscheidungen des Betreibers hat. "Unter den Interessenten befinden sich jedoch Unternehmen, die mit langjähriger Erfahrung öffentliche Schieneninfrastruktur betreiben. Diese Kompetenz wird beim Zuschlag Berücksichtigung finden", heißt es seitens der Bahn.

Möglicherweise ein Hoffnungsschimmer für die Uckermärker und Barnimer Kommunen am Gleis. Eine wirtschaftliche Nutzung ist aus Sicht der DB Netz AG allerdings auch mittelfristig nicht abzusehen. Nach Aussage aus dem Templiner Rathaus werden im Jahr etwa 80 Holztransporte über die Gleise geführt. Tendenziell sei der Schienengüterverkehr aber rückläufig, schreibt die Bahn. Der spärlichen Nutzung stehen die Kosten für den Weiterbetrieb gegenüber. In der Ausschreibung, die der Zeitung vorliegt, weist die Bahn darauf hin, dass in den nächsten fünf Jahren Investitionen von mehr als einer halben Million Euro an der Strecke nötig wären. Hinzu kommt der jährliche Unterhalt. Knapp 180000Euro beträgt der avisierte Kaufpreis. Bei Pacht beliefe sich der jährliche Zins auf mehr als 14000Euro.

Die letzte große Investition in den Bahnabschnitt wurde 2004 getätigt. Wie Templins Wirtschaftsförderin Dana Schöttler erinnert, wurden damals für 15 Millionen Euro die Gleise erneuert. Zwei Jahre später wurde die Strecke stillgelegt.

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