Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Rote Ampel nicht völlig tabu

Dunkelrot: Die Bernauer Gaskesselkreuzung wird in Stoßzeiten zum Nadelöhr, Autofahrer müssen sich in Geduld fassen.
Dunkelrot: Die Bernauer Gaskesselkreuzung wird in Stoßzeiten zum Nadelöhr, Autofahrer müssen sich in Geduld fassen. © Foto: MOZ/Hans Still
Hans Still / 17.02.2017, 06:08 Uhr
Bernau (MOZ) Da staunte unser Leser Thomas Tegge aus Marienwerder am Dienstag nicht schlecht: "Dürfen Autofahrer bei Dauer-Rot losfahren", war die Frage des Tages, auf die Bärbel Cotte-Weiß, Sprecherin der Polizeidirektion Ost, Antworten gab. So auf die Frage, wie der Autofahrer sich richtig verhält, falls die Ampel einmal nicht, wie erwartet, auf Grün umschaltet. "Rotfahrt bleibt Rotfahrt. Selbst wenn die Ampel nach ungewöhnlich langer Zeit nicht umgeschaltet hat, dürfen Autofahrer das Rot nicht ignorieren und auf die Kreuzung fahren", sagte die Polizei-Sprecherin.

Für Thomas Tegge, ebenfalls ein Spezialist in Verkehrsfragen, ein Unding. "Das ist definitiv nicht richtig. Denn nach durchgesetzter Rechtssprechung von Oberlandesgerichten muss der Autofahrer eine angemessene Zeit an der Ampel verweilen. Dann darf er aber unter größter Vorsicht die Kreuzung überqueren", weiß Tegge. Tatsächlich befasste sich das Oberlandesgericht Hamm mit einem Fall (Az.: 2 Ss OWi 486/99), bei dem ein Fahrer nach drei Minuten Dauerrot die Ampel überquert hatte. Der Fall sorgte über die Gerichtsmauern hinaus für Debatten. Am Ende kassierte der Delinquent zwar eine Geldstrafe, die Fahrerlaubnis wurde ihm aber nicht entzogen. Seitdem gilt eine Wartezeit von fünf Minuten als Faustregel. Nach dieser Zeit darf der Fahrer davon ausgehen, dass die Ampel defekt ist. Verursacht er aber beim Überfahren einen Unfall, bekommt er glatt die Schuld zugeordnet.

Rote Ampeln, das weiß jeder Autofahrer, sind absolut zu beachten. Wer innerhalb von einer Sekunde Rot die Kreuzung überquert, kann mit einem Punkt und 90 Euro davon kommen. Sollten dabei andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden, stehen schon zwei Punkte, 200 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot zur Debatte. Verschärfend wirkt der Umstand, wenn die Ampel schon länger auf Rot steht, nämlich über eine Sekunde lang. Fahrverbot, Geldstraße, Punkte - Autofahrer haben danach ein richtiges Problem zu bewältigen.

Wie kommt es aber nun, dass der durchaus bekannte Fall einer dauerdefekten Ampel bei Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß keine Berücksichtigung findet? "Natürlich sind diese Sachverhalte bei uns bekannt, aber aufgrund der Kürze der Tagesfrage bin ich darauf nicht eingegangen", reagierte am Mittwoch die Polizeisprecherin. Zwei Seiten lang, so ihre Voraussage, hätte eine juristisch ausgewogene Antwort ausfallen können. Und ja, sicher sei es auch gefährlich, wenn Autofahrer vor der roten Ampel zu wenden beginnen.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG