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Kreis-Veterinäramt nimmt Probe in Wriezener Betrieb

Vogelgrippe-Verdacht noch nicht erhärtet

Steffen Göttmann / 17.02.2017, 06:36 Uhr
Wriezen (MOZ) Die Vogelgrippe hat jetzt womöglich Wriezen erreicht. Bei einer regulären Beprobung in einem Mastbetrieb habe es eine Auffälligkeit gegeben, weshalb die Probe zum Landeslabor geschickt worden sei. Ergebnisse liegen frühestens heute vor, teilte der Landkreis mit.

"Ein Verdacht liegt derzeit noch nicht vor", sagte Thomas Berendt, Pressesprecher des Landkreises Märkisch-Oderland, am Donnerstag. Die Mitarbeiter des Veterinäramtes seien noch ganz entspannt und bearbeiten den letzten Fall in Lietzen. Dort wurden erst am Mittwoch 15 000 Pekingenten getötet, weil der H5N8-Virus nachgewiesen worden war.

Sollte sich jedoch heute bestätigen, dass auch in dem betreffenden Wriezener Betrieb das Virus aufgetreten ist, werden die entsprechenden Schritte eingeleitet, die bis hin zur Tötung der Tiere reichen können. Um welchen Betrieb es sich handelt und wie viele Tiere dort im Stall stehen, verriet der Pressesprecher nicht.

In dem betroffenen Stall habe es keine erhöhte Zahl von toten Tieren gegeben. Vielmehr seien Tupfproben von Schnäbeln genommen worden, die jetzt zum Landeslabor geschickt wurden und dann weiter ans Friedrich-Löffler-Institut nach Greifswald gesandt werden. Dieses Labor habe verfeinerte Untersuchungsmethoden und könne beispielsweise feststellen, ob es sich um einen hoch- oder weniger ansteckenden Erreger handelt. Nachdem in Neuhardenberg drei Entenmastbetriebe betroffen waren, werde in den benachbarten Ställen häufiger kontrolliert. Das treffe auch auf Mäster in Wriezen zu. Je nach Allgemeinverfügung beträgt das Sperrgebiet um einen Betrieb ein oder drei Kilometer, der Beobachtungsraum drei oder zehn Kilometer. Deshalb erhöhten die Veterinärmediziner ihre Wachsamkeit in Wriezen.

Entschädigt werden die betroffenen Landwirte über die Tierseuchenkasse, sagte Hendryk Wendorff, Vorsitzender des Landesbauernverbandes aus Worin. Die Hälfte des Schadens übernehme das Land. Die Bauern bekommen aber nur den Zeitwert der Tiere ersetzt, den sie am Tag der Tötung haben. Sie erhalten nicht den Erlös, den die Tiere letztlich erbracht hätten. Daher könne eine solche Aktion die Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen, sagte der Landesbauernchef. Im Vorteil seien landwirtschaftliche Betriebe, die breit aufgestellt seien. Unternehmen dagegen, die sich nur auf Mast konzentrieren, seien gefährdet.

Kostspielig für die betroffenen Bauern seien auch die Folgemaßnahmen, erklärte der Landesbauernvorsitzende. Der Stall, in dem das Virus aufgetreten ist, müsse mindestens 21 Tage leer stehen, bis wieder Tiere dort gehalten werden dürfen, sagte Hendryk Wendorff. Wenn das Sperrgebiet jedoch noch länger aufrechterhalten bleibt, dürfen die Behörden verordnen, dass die Ställe über diesen Zeitraum hinaus länger nicht mehr benutzt werden dürfen. Die Landwirte in Märkisch-Oderland stehen derzeit unter einem mächtigen Druck, bestätigte er.

Die meisten Fälle von Vogelgrippe waren bisher im Raum Seelow aufgetreten. 80 000 Tiere mussten in Neuhardenberg, Alt Tucheband und Lietzen durch Gas getötet werden. Meist werden Tierärzte aufmerksam, wenn in einem Stall mehr tote Tiere aufgefunden werden, als das normal der Fall ist. Die Kadaver werden eingesammelt und ans Landeslabor geschickt.

Das Veterinäramt des Landkreises appelliert eindringlich an alle Geflügelhalter, gleich ob gewerblich oder privat, ihren Tierbestand anzumelden und verweist dabei auf die Meldepflicht nach Viehverkehrsordnung. Die Größe des Bestandes spielt für die Behörde keine Rolle.

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Elisabeth Petras 18.02.2017 - 13:51:40

Kommerzielle Entenhaltung kann Geflügelgrippe verbreiten

Mittlerweile sind schon etliche große Puten- und Entenmastbetriebe betroffen, sogar Brütereien (Kartzfehn Puten, ein Großelternberieb/Brüterei Aviagen LH) waren dabei. Besonders letztere haben internationale Kontakte, die Putenbrüterei hatte Kontakte in so gut wie alle Ausbruchsländer des Virus H5N8. Auch H5N5 wiederum war schon zuvor in China aufgetreten, wie auch der Vorläufer des jetzt hier verbreiteten H5N8. Die Einschleppungsgefahr durch Psersonen oder Gerätschaften der großen Geflügelfirmen ist daher hoch, denn Transportbehältnisse gehen ja in der Regel auch leer wieder zurück und die Tiere sind wegen der nicht artgerechten Haltung und Überzüchtung hochempfindlich. Bei großen Beständen von im Stall gehaltenen Flugenten (die ihr Leben lag nie fliegen und leider nicht einmal Zugang zu Badewasser haben, das sie eigentlich zur Körperpflege udn zum Wohlbefinden benötigen) hielt sich schon damals H5N1 lange, ohne entdeckt zu werden (vgl.: www.wai.netzwerk-phoenix.net) . Es hat sich (im Gegensatz zu den sterilen Versuchen des FLI) in der Praxis gezeigt, dass auch an den jetzt verbreiteten Viren nicht immer alle Tiere starben. Auch während der Inkubationszeit entdeckt man sie nicht und es können dann durchaus Tiere in den Handel gelangen. Wer sich und seine Tiere vor Geflügelgrippe (irreführend auch Vogelgrippe genannt) schützen möchte, sollte möglichst keine Eierschalen oder Geflügelabfälle verfüttern. Auch zur Fuchsjagd sollte kein Geflgüelfleisch eingesetzt werden, da dies zur Infektion von Wildvögeln führen kann! Austräge wie Kot und Kadaverreste, die meist auf Feldern landen, sollten vor der Ausbringung auf Viren getestete werden - und alle Transporte ebenso! Nur so könnte man die Seuche zumindest ansatzweise eindämmen. Das Herumhacken auf den nur in Einzelfällen infizierten Wildvögeln soltle dagegen endlich aufhören, denn diese stecken sich zwar zuweilen an, dann aber sterben sie. Beweis: Man fand nur tote Vögel infiziert, bei lebenden Wildvögeln war das Virus so gut wie nie zu finden. Tote Vögel fliegen nicht - und können das Virus auch nicht weiterverbreiten.

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