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Kommissar und Kaspar

Marco Marschall / 17.02.2017, 06:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ob Frank Preuß die Polizei-Puppenbühne jemals aufgeben kann, bleibt fraglich. 2018 wird er wahrscheinlich nur noch als Privatier in die Rolle von Kasper und Teufel schlüpfen. Dass er sein Handwerk beherrscht, zeigen ohrenbetäubende Kinderstimmen.

"Ich glaube, ich habe es hier mit 80-Jährigen zu tun", fordert der Kaspar die Schüler der Bruno-H.-Bürgelschule heraus. Die Puppe mit der Zipfelmütze will ein Haus bauen und braucht die Unterstützung der Kinder. "Hauruck", schreien sie aus vollen Kehlen, als der Kaspar ein Brett aus dem Stapel zieht.

Bereits in den Tagen zuvor hatten Schulklassen die Eberswalder Stadtbibliothek besucht und vor der mit rotem Stoff behangenen Bühne Platz genommen. Wie am Donnerstag auch, hatte Frank Preuß zuerst als Polizist zu ihnen gesprochen und sie gefragt, was an seiner Kleidung fehlen würde. "Eine Pistole mit Ersatzmagazin", ruft ein Junge aus der hinteren Reihe. Und es werden noch weitere Utensilien aufgezählt: Pfefferspray, Schlagstock, Uniform.

Letztere braucht der 60-jährige Oberkommissar nur selten. Denn neben der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen kümmert er sich bei Demonstrationen darum, dass alles friedlich abläuft. Frank Preuß gehört zum Kommunikationsteam, das früher Antikonfliktteam hieß. Seine Puppen lässt er dann in der Kiste und trägt eine Schutzweste.

1996 wurde ihm das Kaspertheater zugeteilt. Anfangs wenig begeistert, entdeckte Preuß eine Leidenschaft. Seit fünf Jahren hat er mit dem "Barnim-Kasper" auch seine eigene Puppenbühne. In seiner Funktion als puppenspielender Polizist hatte die Märkische Oderzeitung erst im September bei einem Auftritt in der Groß Schönebecker Kita über ihn berichtet. Damals hieß es, dass 2017 Schluss sein soll mit dem Theater im Zeichen der Gesetzeshüter. Preuß steht vor seiner Pensionierung. Für alle, die den Finowfurter bisher noch nicht erleben konnten, hat er aber eine beruhigende Nachricht. "Erst Mitte nächsten Jahres ist voraussichtlich Schluss", sagt Frank Preuß am Donnerstag vor seinem Auftritt in der Stadtbibliothek. Eine Verlängerung sei allerdings nicht auszuschließen. Überlegungen gebe es bereits.

Mit seinem eigenen Theater will er nach der Pensionierung ohnehin weitermachen. Wie viele Vorstellungen er vorher noch mit der Polizei-Puppenbühne gibt, ist noch nicht abzusehen. Nächster Stopp wird Britz sein. Danach geht es in die Uckermark. Prenzlau und Schwedt stehen im Tournee-Plan bereits fest.

Am Ende des Stücks in der Stadtbibliothek kommt Frank Preuß verschlafen hinter der Bühne hervor. "Kinder, ich habe einen merkwürdigen Traum gehabt", sagt er. "Der Kasper wollte ein Haus bauen. Was für ein Unsinn". Doch die Erstklässler lassen sich nicht ins Bockshorn jagen. Sie wissen genau, wer da gerade Kasper und Teufel bewegt hat, ganz gleich wie geschickt die Täuschung war. Der Polizist versucht es trotzdem jedes Mal aufs Neue. Er hofft, dass am Ende wenigstens ein bisschen von der Illusion hängen bleibt, die Puppen könnten ein Eigenleben führen. Dann fordert er die Kinder auf zu malen, was sie gesehen haben, während er schlief, und ihm die Bilder zu schicken. Gelernt haben die Schüler beim fantasievollen und interaktionsreichen Stück auch etwas: das Zauberwort "bitte" und die Wichtigkeit Freunden zu helfen - und sei es nur mit einem "Hauruck".

Die Puppenbühne der Polizei kann gebucht werden. Telefon: 033383611085

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