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Jörg Schreiber 17.02.2017 07:30 Uhr

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Wenn der Strom "rückwärts" fließt

Fürstenwalde (MOZ) Die Energiewende stellt die regionalen Netzbetreiber wie die E.DIS AG vor enorme Herausforderungen. Der Strom aus Wind- und Solarkraft muss abtransportiert werden. Das erfordert hohe Investitionen in die Netze.

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Kabelgewirr: In Brandenburg entstehen immer mehr Windkraftanlagen. Das erfordert einen Ausbau des Leitungsnetzes.

© picture alliance / dpa

Mehr als 12 200 Windräder drehen sich im Gebiet der E.DIS AG, das weite Teile Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns umfasst. Das sind fast zwölf Prozent aller in Deutschland stehenden Windkraftanlagen. Hinzu kommen jede Menge Solar- und einige Biogasanlagen. Und es werden immer mehr.

Über das gesamte Jahr gesehen wird heute durch Grünstrom schon fast das 1,4-Fache dessen erzeugt, was die Kunden in der Region zwischen Spree, Oder und Ostsee verbrauchen, erläutert E.DIS-Sprecher Horst Jordan am Firmensitz in Fürstenwalde (Oder-Spree). Rein rechnerisch - denn die Grünstromproduktion ist abhängig von Wind und Sonneneinstrahlung. Manchmal deckt sie nur fünf Prozent des Bedarfs, manchmal 300 Prozent.

Das hat Folgen für die Netze: "Der Energiefluss dreht sich jetzt immer öfter um", sagt Jordan. Ursprünglich läuft es so ab, dass der Strom von den herkömmlichen Kraftwerken über 220- oder 380-Kilovolt-Leitungen durchs Land transportiert wird. Für diese Leitungen sind die großen Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich, in Ostdeutschland ist das die 50Hertz Transmission GmbH. In sogenannten Einspeise-Umspannwerken wird der Strom dann auf 110 Kilovolt heruntertransformiert. Ab hier sind die regionalen Netzbetreiber wie die E.DIS im Spiel. Die leiten die Energie zu den Ortsnetzen, dann zu Großabnehmern oder aber zu Trafostationen, die den Strom auf die haushaltsüblichen 230 Volt herunterregeln.

Doch mit dem Bau dezentraler Stromerzeugungsanlagen fließt die Energie immer öfter in umgekehrter Richtung - nämlich von den Windrädern und Photovoltaikanlagen in die Höchstspannungsnetze der 50Hertz GmbH, die den "überschüssigen" Strom Richtung Süd- oder Westdeutschland weiterleitet. "Dieser Umbau ist eine gravierende Umstellung der Energieversorgung", merkt Horst Jordan an. Denn das derzeit rund 79 000 Kilometer lange Leitungsnetz der E.DIS muss dafür ertüchtigt werden. Um Wind- und Solaranlagen anzuschließen, müssen Kabel verlegt und Umspannwerke errichtet werden.

Jährlich steckt die E.DIS um die 100 Millionen Euro in den Um- und Ausbau der Netze. "Mehr als 50 Prozent der Investitionen sind nur für die erneuerbaren Energien notwendig", hebt Jordan hervor. In einigen Regionen - wo viel Grünstrom erzeugt wird, aber wenige Verbraucher leben - gebe es erheblichen Ausbaubedarf. Weniger als die Hälfte der Umspannwerke dienen heute der öffentlichen Versorgung, der überwiegende Teil diene der Abführung von Öko-Strom.

So entsteht derzeit nahe Heinersdorf (Oder-Spree) ein Umspannwerk, das ab Mitte 2017 Grünstrom aus Ostbrandenburg in das Netz von 50Hertz einspeisen soll. Allein 2016 wurden dafür vier Millionen Euro investiert. Zudem wird von dort ein 30 Kilometer langes Kabelsystem verlegt, das etwa Solarstrom aus Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) abführen soll; die Investitionskosten betrugen 2016 etwa 25 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Vielzahl von Maßnahmen zum Ausbau und zur Instandhaltung bestehender Leitungen.

Der Erhalt dieses Netzes ist auch deshalb aufwendig, weil das Gebiet der E.DIS sehr groß, aber dünnbesiedelt ist. Mit 35 500 Quadratkilometern umfasst es ein Zehntel der Fläche Deutschlands. Aber nur 2,3 Prozent des deutschen Stromverbrauchs werden hier abgenommen.

Natürlich macht sich die E.DIS für eine deutschlandweite Angleichung der Netzentgelte stark - weil die Verbraucher in Ostdeutschland besonders stark belastet werden. Jordan merkt an, dass es bei dieser Diskussion allein um die Netze der 220/380Kilovolt-Betreiber wie 50Hertz geht, nicht um die der regionalen Betreiber wie der E.DIS. "Es würde aber eine Entlastung für die E.DIS bringen, wenn die Netzentgelte bundesweit angeglichen werden", sagt Jordan. "Denn die Kosten des 50Hertz-Übertragungsnetzes fließen auch in die E.DIS-Entgelte ein."

Ein Ende des Grünstrom-Booms ist nicht abzusehen, im Gegenteil: Heute arbeiten im E.DIS-Netzgebiet Windenergie-, Photovoltaik- und Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 8432 Megawatt. Investoren stellten Anträge für Anlagen mit einer Leistung von weiteren 16 567 Megawatt. "Das heißt, das Doppelte ist in der Pipeline", sagt Jordan. Offen ist, ob alle Investoren dann auch bauen. Das hängt oft von Förderbedingungen und wirtschaftlichen Faktoren ab.

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