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Uwe Stiehler 17.02.2017 09:16 Uhr

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Theater Frankfurt: Wer schwanger ist, darf quengeln

Frankfurt (Oder) (MOZ) Es ist befreiend, dass man auch mal so etwas sieht: Eine Veganerin, die nicht als moderne Heilige unter dem unsichtbaren Nimbus der Unfehlbarkeit lebt. Das Theater Frankfurt zeigt in seiner neuen Rapunzel-Inszenierung, dass man auch als Gemüseliebhaber unersättlich und gefährlich selbstbezogen sein kann. Vorsicht also vor Leuten, die aus dem Essen eine Religion machen.

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Christian Schröter spielt den Mann, der seiner schwangeren Frau (Lidia Bielanczyk) jeden Gemüse-Wunsch erfüllt – auch aus Nachbars Garten.

© Frank Radüg

Am Anfang räkelt sich Lidia Bielanczyk als Schwangere auf ihrem Sitz und scheucht ihr Männlein hin und her. Der Gatte (Christian Schröter) gärtnert hingebungsvoll und springt und tut für seine liebe Frau. Und sie: stürzt sich lustvoll auf Salat, Sellerie und Stachelbeeren wie andere auf Hummer und Schokolade. Und dann sieht sie im Garten der Zauberin, die nebenan wohnt, diese leckeren Rapunzel. Und quengelt und nörgelt und bettelt und mault, bis der Mann sich zu den verbotenen Beeten schleicht. Wie man aus dem Märchenbuch der Grimm-Brüder weiß, ist das der Anfang von ziemlich viel Unheil.

In der Frankfurter Version aber steuert die Geschichte auf ein gutes Ende zu. Es ist ein Stück für Kinder, das sie nicht mit düstern Bildern nachhause schicken möchte. Trotzdem wird dabei nicht flach in zwei Parteien unterschieden: hier die Guten, da die finsteren Mächte.

Das Stück zeigt sehr hübsch und unterhaltsam, dass jeder anfällig ist für Versuchungen und dafür, sein Glück durch das Unglück anderer zu erkaufen.

Anderseits bekommt in diesem Stück selbst die Zauberin die Chance, sich zu besinnen. Wer einmal biestig war, muss es deshalb nicht für ewig bleiben. Wie in diese Geschichte die Chance zur Umkehr verpackt wird, nicht belehrend, nicht pathetisch, sondern spielerisch und mit unangestrengter Leichtigkeit erzählt, ist reizendes Kindertheater.

Auch weil die Figuren so schön gezeichnet sind. Christina Hohmuth spielt die zwischen Liebe und Eifersucht hin- und hergerissene Zauberin nicht als teuflisch-böses Hexenweib, eher als verehrungssüchtige, vorschnell beleidigte und entsprechend aufbrausende Diva, die über ein gewisses Reservoir an Zauberkraft verfügt.

Einerseits hat sie natürlich Recht, wenn sie das gestohlene Rapunzel-Kind (Daryna Smoliak) vor einer Welt voller Fallstricke warnt. Anderseits ist Einsperren auch keine Lösung und Verbote erzeugen Trotzreaktionen. Aber - und für dieses kluge Ende muss man dem Theater dankbar sein - es ist der Widerspruchsgeist, der in diesem Stück alles gut werden lässt.

Vorstellungen: 22.2. (Kleist Forum) und 15.3. jeweils 9.30 Uhr, 12.3., 15 Uhr, Theater Frankfurt, Sophienstr. 1, Tel. 0335 64957

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