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Wo Gardinen keine Unfallquellen sind

Sozialplanerin Christina Höffler, in Diensten der Kreisverwaltung, vor der "SelmA"-Musterwohnung am Friedrich-Ebert-Ring 92A, die am 22. Februar eröffnet wird. Dort wird gezeigt, was Senioren - und nicht nur denen - den häuslichen Alltag vereinfacht.
Sozialplanerin Christina Höffler, in Diensten der Kreisverwaltung, vor der "SelmA"-Musterwohnung am Friedrich-Ebert-Ring 92A, die am 22. Februar eröffnet wird. Dort wird gezeigt, was Senioren - und nicht nur denen - den häuslichen Alltag vereinfacht. © Foto: wernitz
Rene Wernitz / 17.02.2017, 09:49 Uhr
Rathenow/Havelland (MOZ) "Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht!" Womöglich ein Elternleben lang und später als Groß- oder auch als Urgroßeltern haben erziehende und betreuende Leute das ihren Schützlingen gepredigt. Ja, und nun? Allmählich muss sich der Nachwuchs sorgen, ob die "Alten" im Haushalt allein zurecht kommen. Denn der hat bekanntlich seine Tücken. Probate Alltagshilfen werden ab Mittwoch am Friedrich-Ebert-Ring 92A gezeigt.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes auf www.destatis.de ereigneten sich 2015 rund 9.800 tödliche Unfälle im häuslichen Bereich, wovon 519 Opfer der Altersgruppe von 55 bis 65 Jahre entstammten, 929 der Altersgruppe von 65 bis 75 und 2.987 der Gruppe von 75 bis 85 Jahre. Die Todesopfer in der Gruppe ab 85 Jahre werden für das Jahr 2015 mit 4.900 beziffert.

Nicht immer tödlich, aber auf jeden Fall schmerzhaft, enden Abstürze von der Leiter, auf die vornehmlich Frauen steigen, um Gardinen von der Stange oder Leiste abzunehmen oder dort aufzuhängen. Mitunter müssten sie die Leiter etwas verrücken, um besser zurecht zu kommen. Viele tun das nicht mit der schmerzhaften Folge, dass die Leiter samt Frau und Gardine in der Hand kippt. Andere stellen vielleicht einen wackeligen Hocker auf einen ebenso nicht sonderlich stabilen Stubentisch, um an Gardinenleisten oder die oberen Bereiche von Anbauwänden zu gelangen...

Kaum zu glauben, dass diese häuslichen Unfallquellen gar nicht existieren müssten. Denn Gardinenleisten lassen sich längst per Handkurbel nach unten bewegen, Ablagen in Schränken können zum Einsortieren von Vasen, Gläsern und Kaffeetassen bequem heruntergezogen werden. Selbst ganze Küchenschränke fahren auf Knopfdruck hoch und runter. Das und noch vieles mehr können Senioren allein, in der Gruppe, mit oder ohne Anhang ab 22. Februar in der neu geschaffenen Musterwohnung "SelmA" am Friedrich-Ebert-Ring 92A kennenlernen. Sie ist ein durch die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Rathenow (KWR) unterstütztes Projekt des Landkreises Havelland.

"SelmA" steht für "Selbstständig leben mit Alltagshilfen". In der 60-Quadratmeter-Zweiraumwohnung werden zahlreiche Möglichkeiten gezeigt, die ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden unterstützen. Die Initiatoren legen wert auf Finanzierbarkeit und Nachrüstbarkeit der Elemente. Es ist zudem kein sogenanntes "Smart-Home" entstanden, das mit Elektronik vollgestopft wäre und Senioren eventuell abschrecken bzw. überfordern könnte. Sozialplanerin Christina Höffler und Sozialamtsleiterin Elke Franke hatten bei der Realisierung des Projekts den Hut auf. Rund 70.000 Euro investierte der Landkreis in die Ausstattung der Wohnung - eines der größten havelländischen Demografie-Projekte. Es ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Die KWR verzichtet in dieser Zeit auf Mietzahlungen und Begleichung von Nebenkosten in Höhe von rund 27.500 Euro.

Geöffnet ist am Premierenmittwoch, 22. Februar, von 11.00 bis 17.00 Uhr und fortan mittwochs von 13.00 bis 16.00 Uhr. In der Wohnung gibt es zudem Beratung zu möglichen finanziellen Zuschüssen durch die Pflegekassen. Individuelle Beratungs- und Besichtigungstermine unter 03385/5516823.

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