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Maria Neuendorff 17.02.2017 10:00 Uhr

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Bahnhofsmission sucht Sänger

Berlin (MOZ) Pendler, Reisende, Geschäftstreibende, Obdachlose - am Berliner Hauptbahnhof treffen täglich die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Über die Musik will Rainer König sie zusammenbringen. Er lädt ab März immer dienstags zur offenen Chorprobe in die Bahnhofsmission ein.

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In den Startlöchern: Kirchenmusiker Rainer König hat jahrelang verschiedenste Chöre am Kaiserstuhl geleite.

© MOZ

18 Uhr, Berlin Hauptbahnhof. Pendler hetzen über die gläsernen Rolltreppen in S-Bahnen und Regionalzüge. Männer mit zerknautschten Pappbechern bitten um ein paar Cent. Touristen ordern Kaffee. Zwischen Donut-Bistro und Friseur im ersten Obergeschoss führt ein unscheinbarer Gang in die Bahnhofsmission. Die Hektik des Alltags bleibt hinter der Glastür zurück. An kleinen Tischen sitzen ein paar etwas verloren wirkende Gestalten. Einen Kaffee oder Tee kann man hier bekommen. Oder Musik, die das Herz erwärmt.

So denkt es sich jedenfalls Rainer König, Mitarbeiter vom Projekt "Mutmacher", der sich in der Bahnhofsmission um gestrandete Menschen kümmert. Der 58-Jährige ist nicht nur Sozialarbeiter, sondern auch Kirchenmusiker. Bevor er wegen des Jobs 2014 nach Berlin zog, hat er 20 Jahre lang am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg Chöre dirigiert. "In einem Dorf waren von 340 Bewohnern 36 Mitglieder im Chor. Dort war die wöchentliche Probe das gesellschaftliche Highlight", erzählt er mit einem Funken Wehmut.

Dass Berlin mit seinem Überangebot an Freizeitmöglichkeiten ein ganz anderes Pflaster ist, hat König schon gemerkt. Trotzdem glaubt der Musiker, dass auch in einer Großstadt ein Chor ein sozialer Anker sein kann. Gerade an einem Ort der flüchtigen Begegnung wie dem Hauptbahnhof. Und erst recht in der Bahnhofsmission, wo Menschen mit finanziellen, körperlichen oder psychischen Problemen einen Raum zum Durchatmen und ein offenes Ohr finden.

Doch im Gegensatz zu der Bahnhofsmission am Zoo kümmern sich die 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht explizit um Obdachlose. "Wir sind keine Suppenküche", erklärt König. Die Mitarbeiter betreuen in erster Linie Reisende, holen Rollstuhlfahrer vom Zug ab, lotsen orientierungslose Touristen durch den Dschungel aus Rolltreppen, Fahrstühlen, Bahnsteigen und Geschäften. Sie begleiten zudem alleinreisende Kinder im Zug. "Das sind vor allem Scheidungswaisen, die am Wochenende zwischen den Eltern hin und her pendeln müssen", berichtet König.

Dazu kommt die Krisenintervention bei Menschen, die während der Reise einen Schicksalsschlag erleiden. König erzählt von einer weinenden Frau, die per Telefon erfahren musste, dass ihre Schwester von einem Hochhaus gesprungen ist. "Sie war völlig aufgelöst, aber wir konnten eine Verwandte finden, die sie dann bei uns abgeholt hat."

So liegen am Hauptbahnhof Alltagshektik und Tragödie manchmal nah beieinander. "Viele Wege kreuzen sich hier", sagt König. Mit dem Chor möchte er Menschen in Kontakt bringen, die sich sonst nicht kennenlernen würden. Die Musik als universelle Sprache soll als Verständigung dienen.

Neben einem großen Holzkreuz in der Bahnhofsmission steht ein schwarzes Klavier bereit. "Nun fehlen nur noch die Leute", sagt König. Ob Pendler, Bahnhofsmitarbeiter, Stadtmissionsbesucher, erfahrene Sänger oder Anfänger - alle sind willkommen. Schon im November hat er ein paar Flyer verteilt. Doch bisher kamen immer nur sporadisch Leute. Nun will auch Bahnsprecher Holger Auferkamp richtig trommeln. "Ich finde die Idee super und überlege schon, selbst mit einem Kollegen mitzumachen."

Der erste offizielle Termin ist nun für den 7. März anberaumt. Wenn genug Leute kommen, soll immer dienstags von 18 bis 19.30 Uhr gesungen werden. "Nicht nur kirchliche Lieder", betont König, der auch Gute-Laune-Songs wie "Wonderful world" von Louis Armstrong im Repertoire hat. Ein späterer Auftritt sei denkbar, stehe aber nicht im Vordergrund. "Die Probearbeit ist das, was am meisten Spaß macht."

Die Chorproben finden ab 7. März immer dienstags von 18 bis 19.30 Uhr in der Bahnhofsmission im Hauptbahnhof, Südseite, im 1. OG statt. Infos und Anmeldung unter Telefon: 030 22605805

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