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Adelbert und Friedrich dösten am Gräninger See

Rene Wernitz / 17.02.2017, 09:56 Uhr
(MOZ) Lebenslang waren Adelbert von Chamisso und Friedrich de la Motte Fouqué befreundet. Im Park des Schlosses Nennhausen hängt an einem Baum eine Tonscheibe mit den Gesichtern von Fouqué und Chamisso.

Während der langjährigen Freundschaft überließ Chamisso seinem Freund Fouqué und dem ebenso befreundeten Verleger Julius Eduard Hitzig sein Manuskript der wundersamen Geschichte des Peter Schlehmihl. Fouqué gab das Werk, mit dem sich Chamisso das Leid von der Seele geschrieben hatte, 1814 heraus.

Der Ich-Erzähler, Peter Schlehmihl, erzählt seine Geschichte einem Zuhörer, den er als Chamisso anspricht. Er erklärte ihm, dass er dem Teufel seinen Schatten gegen "ein Säckel voller Geld, der nie versiegt", verkauft hatte. Bald erkennt er, dass ein Mensch ohne Schatten den Ausschluss aus der menschlichen Gesellschaft nach sich zieht. Als Schlehmihl sich verliebt, muss er erkennen, dass er nur heiraten kann, wenn er seinen Schatten zurückbekommt. Der Teufel bietet ihm seinen Schatten im Tausch gegen seine Seele an. Peter Schlehmihl lehnt ab und wirft das Geldsäckchen in einen tiefen Abgrund und kappt damit die Bande mit dem Teufel. Von seinem letzten Geld kauft er sich ein Paar Stiefel, die sich als Siebenmeilenstiefel erweisen.

Die Erstausgabe, die Fouqué 1814 herausgegeben hatte, liegt im Kleist-Museum in Frankfurt/Oder, eine englische Ausgabe erschien 1824, und das ZDF verfilmte die Geschichte 1967 mit Götz George in der Hauptrolle.

Fouqué ging einmal mit Chamisso spazieren. Die Sonne warf lange Schatten, so dass der klein gewachsene Fouqué nach seinem Schatten fast genau so groß aussah wie der hochgewachsene Chamisso. Dieser fragte: "Sieh, Fouqué, wenn ich dir nun deinem Schatten aufrollte und du nun ohne Schatten neben mir wandern müsstest ... " Das fand Fouqué abscheulich und reizte dadurch Chamisso, die Schattenlosigkeit neckisch weiter auszudeuten, daraus entstand die Dichtung "Peter Schlehmihls wundersame Geschichte".

Bei anderer Gelegenheit waren sie von Nennhausen aus ausgeritten und lagerten am Gräninger See. Chamisso dichtete: "Laß unter diesen Bäumen/die schon der Herbst entlaubt/ wie ehedem uns lagern/ und lehn an Dich mein Haupt."

Louis Charles Adelaide de Chamisso wurde am 27. Januar 1781 auf Schloss Boncourt in der Champagne (Frankreich) geboren. 1792 floh er mit seinen Eltern - wie auch die Familie Fouqué einst - über die Niederlande nach Deutschland. 1796 kam er nach Berlin und nannte sich fortan Adelbert von Chamisso. Er wurde Page bei der Königin, der Gemahlin des Königs Friedrich Wilhelm II., 1798 Fähnrich und 1801 Leutnant.

Mit Varnhagen von Ense gründete er den Nordsternbund, eine Literarische Gruppe in Berlin, der auch Fouqué und Hitzig angehörten, die aus Anlass der literaturgeschichtlichen Vorlesungen von August Wilhelm Schlegel entstanden ist. Bei Zusammenkünften traf man sich auch im Schloss Nennhausen. Die dichtenden Freunde um Chamisso und Varnhagen trafen sich nachts zu den poetischen Tees des grünen Buches. Seit 1985 verleiht die Robert Bosch Stiftung jährlich den Adelbert-von-Chamisso-Preis an herausragende auf Deutsch schreibende Autoren. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Bosch-Stiftung erwägt, den Preis nach 32 Jahre im diesem Jahr zu beenden.

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