Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Unglückliche Liebe inspiriert Volker Schlöndorff zu "Rückkehr nach Montauk" / Im Gespräch blickt er zurück

"Das war eine ganz tolle Frau"

 Return to Montauk
Return to Montauk © Foto: Berlinale/Wild Bunch Germany 2017 / Ann Ray
Simon Rayß / 17.02.2017, 10:10 Uhr
Berlin (MOZ) Quelle der Kunst ist so oft die Liebe. Auch und erst recht die unerfüllte. Da ist die Hauptfigur von "Rückkehr nach Montauk", der Autor Max Zorn, der eine Frau zurückgewinnen will, von der er sich vor Jahrzehnten getrennt hat. Was macht er? Er schreibt ein Buch darüber.

Dann ist da ein wirklicher Autor, Max Frisch, der die Vorlage "Montauk" 1975 verfasst hat und damit seine Beziehung mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann verarbeitet. Und nun nimmt sich auch noch Volker Schlöndorff des Stoffes an und macht daraus einen Film, in dem er eine eigene unerfüllte Beziehung aufgreift. Alles klar?

Für Schlöndorff schon, wie der Regisseur am Donnerstag im Interview erklärt: "Man macht Kino, man schreibt ein Drehbuch, man schafft Figuren, aber das wird genährt von eigenen Erlebnissen." Die Geschichte von Frisch und Bachmann will er nicht nacherzählen, sagt er. Der Film sei ein eigenständiges Kunstwerk.

Dieses Kunstwerk läuft nun im Wettbewerb der Berlinale - für Schlöndorff noch immer etwas Besonderes, auch nach mehr als 50 Jahren im Filmgeschäft. Die Premiere am Mittwochabend hat Eindruck gemacht auf den Regisseur von Klassikern wie der "Blechtrommel" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum": "Wann hat man das, dass 1600 Leute ohne Handy, ohne Popcorn, mit großen Erwartungen in einem Saal zusammensind und ganz aufmerksam einen Film verfolgen?"

Der 77-Jährige ist nach wie vor ein Schwärmer. Wenn er im dunklen Rollkragenpulli von der Arbeit mit seinen Schauspielern erzählt, bleiben seine Hände in ständiger Bewegung. Seine schmalen Augen blitzen hinter den Brillengläsern. Die Darsteller wiederum schwärmen von der Arbeit mit ihm: "Es scheint so nach draußen", beschreibt Susanne Wolff, die im Film die Lebensgefährtin von Max Zorn spielt, die Aura des Regisseurs. "Das merkt man, wenn er vor einem steht, so klein er auch ist."

Hauptdarsteller Stellan Skarsgård erinnert sich ebenfalls gern an den Dreh: "Ich hatte großen Spaß, diesen Film zu machen", sagt er. Spaß? Bei all der Trauer über ein Leben, das Max Zorn verpasst, bei all dem Bedauern über Chancen, die er ausgelassen hat? Skarsgård: "Es ist nicht schmerzvoll, schmerzvolle Szenen zu drehen."

Doch wie geht es Volker Schlöndorff dabei? Schließlich sind das ja seine eigenen unguten Erinnerungen, die er in den Film einbringt. "Es ist gar nicht so schmerzhaft, wie es klingt, sich mal damit auseinanderzusetzen", sagt der Regisseur. "Im Gegenteil: Es ist eine wahre Freude. Im Grunde kann man jetzt das erleben, was man damals nicht erlebt hat."

Dieses Damals ist das Jahr 1985. Schlöndorff ist nach New York gekommen, um "Tod eines Handlungsreisenden" mit Dustin Hoffmann zu drehen. "Dort habe ich mich verliebt, so was passiert ja", sagt er und lacht. "Das war eine ganz tolle Frau."

Das Problem: Der Regisseur war zu dieser Zeit mit seiner Kollegin Margarethe von Trotta verheiratet. "Das hat zwar dazu geführt, dass wir uns getrennt haben, aber es hat nicht dazu gereicht, mit der Anderen zusammenzuleben." Diese Begebenheiten hätte Schlöndorff tief in sich begraben gelassen, wenn sich nicht die Chance ergeben hätte, "Montauk" zu verfilmen.

Aber hatte er keine Bedenken? Gerade, da Frisch sein Freund gewesen und mittlerweile gestorben ist? "Ich bin ein unzuverlässiger Geselle und völlig skrupellos", sagt der Regisseur mit einer entwaffnenden Offenheit. Das stimmt jedoch nur teilweise: Seinen Film "Rückkehr nach Montauk" hat er Max Frisch gewidmet.

Mehr zu diesem Thema: www.moz.de/berlinale

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG