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Volkmar Ernst 17.02.2017 10:40 Uhr
Red. Gransee, lokales@gransee-zeitung.de

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Mordermittler, Kummerkastenmann und Lebensretter

Löwenberger Land (GZ) Für Dietmar Tillack sind die Bezeichnungen Abschnittsbevollmächtigter (ABV) und Revierpolizist (Repo) nur unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Arbeit. Zu DDR-Zeiten war er als ABV unterwegs, heute ist Tillack als Repo im Löwenberger Land im Einsatz - zusammengerechnet sind das fast 30 Jahre. "Die Bezeichnung ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass dir die Leute vertrauen und sie dich akzeptieren", erklärt Tillack, der heute seinen 60. Geburtstag feiert. Für einen Beamten eigentlich der Stichtag für die Pensionierung. Doch durch die Rentenanpassung muss Tillack noch bis zum 31. August arbeiten. Ein überschaubarer Zeitrahmen, wie er sagt und verschmitzt lächelt. Die Angeln liegen bereit, die Tour nach Norwegen ist gebucht, der Löwenberger Revierpolizist freut sich schon auf den Ruhestand. Dann endlich ist mehr Zeit für seine Frau, das Grundstück und den Garten, aber auch für die Freunde und die Kirchengemeinde. Denn Kirchenältester ist Tillack neben seiner Tätigkeit im Angelverein und im christlichen Männerverein auch.

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Der Abschied: Noch bis zum 31. August ist Dietmar Tillack im Löwenberger Land anzutreffen.

© MZV

Geboren wurde Tillack in Gransee, die Schule hat er in Marienthal und Burgwall besucht. Dann folgte die Ausbildung zum Baufachbarbeiter. Ein Beruf, der ihm Spaß gemacht hat. "Nach der Arbeit habe ich gesehen, was ich gemacht habe, das ist schon ein schönes Gefühl. Außerdem war das ein guter Beruf. Ich konnte anderen helfen, umgekehrt halfen sie mir, wenn ich Unterstützung brauchte", erinnert er sich.

Dann kam für ihn der in der DDR übliche Grundwehrdienst. Während dieser Zeit sprach ihn ein Nachbar, der Polizist war, an und warb für den Berufsstand des Polizisten. "Das könnte genau dein Ding sein", so der Freund. Sicher war sich Tillack nicht, doch er wagte den Wechsel und setzte sich erneut auf die Schulbank, um Polizist zu werden. Unter anderem gehörte dazu auch die Diensthundeführerausbildung. San hieß sein erster Schutzhund, mit dem Tillack auf Streife unterwegs war. Zuerst war er noch in Marienthal eingesetzt, 1986 wechselt er dann nach Löwenberg. Auch an sein erstes Dienstfahrzeug kann sich Tillack noch erinnern. "Das war eine MZTS mit Seitenwagen, in dem San seinen Platz hatte."

Was die Aufgabe eines ABV oder Repo ist, das erklärt Tillack so: "Er muss einfach auf den Straßen regelmäßig zu sehen sein und eine Sprechstunde anbieten. Für die Leute ist es wichtig, dass sie einen Ansprechpartner haben, wenn es Probleme gibt. Dazu gehört auch der immer wieder zitierte und angeführte Plausch über den Gartenzaun."

Zu seinen spektakulärsten Einsätzen zählt Tillack, der im Löwenberger Land besser als "unser Tilli" bekannt ist, unter anderen drei Tötungsdelikte. Ein Mann, der seine Frau ersticht, ein russischer Soldat, der einen Kameraden tatsächlich einen Kopf kürzer macht, und dann noch der tragischen Fall eines Mannes, der seine Frau erwürgt, dafür verurteilt wird, die Strafe absitzt und sich nach der Entlassung aus der Haft von einem Laster überfahren lässt. Dann ist da vor gut 15 Jahren noch der Flugzeugabsturz in Hoppenrade. Ein Leichtflugzeug stürzt auf ein Grundstück Mitten im Ort. Doch vom Piloten fehlt jede Spur. Wie sich bei der Suche herausstellt, war es ein Suizid, der Pilot war während des Fluges aus der Kanzel gestiegen. Seine Leiche wurde später in einem Waldstück in der Nähe gefunden. Doch auch den Herzinfarkt eines Kraftfahrers an der Kreuzung in Löwenberg wird Tillack nicht vergessen. "Gemeinsam mit Helfern aus der Apotheke bargen sie den Mann, er wurde beatmet und Tillack massierte den Körper bis zum Eintreffen der Schnellen Medizinischen Hilfe. "Er hat tatsächlich überlebt", freut sich der Löwenberger. Bei der Feier des runden Geburtstages werden bestimmt noch viele andere Geschichten zu hören sein.

Dass es Zeit wird, Abschied zu nehmen, ist für Tillack klar. "Wir werden schließlich alle nicht jünger", sagt er.

Bis zum 31. August wird er jedoch noch in den Ortsteilen des Löwenberger Landes unterwegs sein und sich so peu à peu von den Einwohnern, von denen viele inzwischen zu Freunden geworden sind, verabschieden. "Aber ich hoffe, dass die Stelle wieder besetzt wird", wünscht er: "Alles Gute!"

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