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Matthus-Uraufführung "Luthers Träume" zur Eröffnung der Musikfesttage in Frankfurt mit dem Brandenburgischen Staatsorchester

Musikfesttage eröffnet: Klangporträt eines widersprüchlichen Charakters

Gefeiert: Generalmusikdirektor Howard Griffiths (v.l.), Komponist Siegfried Matthus und die Solisten Michaela Kaune (Sopran) und Robert Koller (Bariton) in Frankfurt.
Gefeiert: Generalmusikdirektor Howard Griffiths (v.l.), Komponist Siegfried Matthus und die Solisten Michaela Kaune (Sopran) und Robert Koller (Bariton) in Frankfurt. © Foto: Winfried Mausolf
Peter Buske / 06.03.2017, 07:15 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein geschichtsträchtiges Jahr ist es zweifellos, dieses 2017. An 500 Jahre Reformation und 100 Jahre Große Sozialistische Oktoberrevolution gilt es auf die vielfältigste Weise zu erinnern. An Geschehnisse also, die die Welt erschütterten und veränderten. Das Eröffnungskonzert der Musikfesttage an der Oder, die diesmal unter dem "Kontrapunkt"-Motto stehen, widmete sich in der Konzerthalle beiden Jubiläen. Es wurde vom Staatsorchester, der Frankfurter Singakademie und Gesangssolisten unter Leitung von Howard Griffiths gestaltet.

Ein halbes Jahrhundert zuvor hatte Dmitri Schostakowitsch mit seinem sinfonischen Poem "Oktober" op. 131 dem zeitenwendenden Ereignis gehuldigt. Nach voluminöser, düsterer und spannungsvoller Einleitung entwickelt sich eine lastende, unruhevolle Atmosphäre. In die brechen Marschrhythmen und signalartige Attacken (Piccoloflöte) ein, die in entsprechendes Kampfgetümmel münden. Trauerklänge (subtil geformte Bläsersoli) gedenken der Opfer, ehe der finale Siegeshymnus anhebt.

Nicht weniger konzentriert und engagiert setzen sich die Musiker für die mit Spannung erwartete Uraufführung "Luthers Träume" von Siegfried Matthus ein, der bis 2014 langjähriger Leiter der Kammeroper Rheinsberg war. Wie vom Komponisten nicht anders zu erwarten, hat er die Träume, basierend auf Bibelzitaten, Worten des Protagonisten und seiner Zeitgenossen, assoziationsreich und bilderstarkk sowie außerordentlich ohrenfreundlich und dennoch modern vertont.

Den zu Beginn provokant und am Schluss der Handlung sieghaft erklingenden Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" stimmt die Singakademie (Einstudierung: Rudolf Tiersch) klanggewaltig, intensiv und präzise an. Er umklammert fünfzehn Träume, die in vielfältigsten Konstellationen Luthers widersprüchlichen Charakter offenbaren. Für seinen Widerruf auf dem Wormser Reichstag, dem frauenfeindlichen Weltbild über gastoffene Gelage mit Wein, Weib und Gesang bis hin zu dem geifernden Judenhasser findet Matthus stets den richtigen, weil charaktervortrefflichsten Ton. Diese Vielschichtigkeit der Partitur bringen die Musiker des Staatsorchesters vorzüglich zum Klingen.

Den anspruchsvollen Luther-Part meistert Bariton Robert Koller mit kraftvoller, textverständlicher Diktion. Er versteht es, seiner Figur die lyrische Hingabe genauso zu verleihen wie die selbstbewusste Attitüde und den Selbstzweifel. Glaubhaft gestaltet Michaele Kaune die liebessinnliche Gattin Katharina von Bora, die ihr Glück als resolute Chefin des Lutherschen Hauswesens findet.

Sehr prägnant sind auch die Nebenrollen mit Studenten der "Eisler"-Musikhochschule Berlin besetzt: Bastian Levacher, Bariton (Luther-Mitstreiter Philipp Melanchthon), Philipp Mayer, Bass (Bauernführer Thomas Müntzer) Gerald Beatty, Tenor (Ablasshändler Johann Tetzel). Ebenfalls von dort kommen jene Eleven, die für die verführerischen teuflischen Versuchungen beiderlei Geschlechts sorgen, die später als Mägde und Studenten fungieren. Der anwesende Komponist darf sich über anhaltenden Bravojubel freuen.

Mehr zum Thema: www.moz.de/musikfesttage

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