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Berliner Flughafen-Betriebsleiter wünscht sich private Landebahn an seinem Feriensitz im Spreewald / Anwohner protestieren

Abheben gleich neben der Haustür

Elmar Kleiner
Elmar Kleiner © Foto: picture alliance / dpa
Harriet Stürmer / 08.03.2017, 07:16 Uhr
Groß Leuthen (MOZ) Elmar Kleinert ist Betriebsleiter der Berliner Flughäfen - und begeisterter Hobby-Flieger. Direkt neben seinem Haus im Spreewald will er sich jetzt eine private Landebahn bauen. Doch unter den Nachbarn gibt es großen Widerstand.

Eigentlich hatte das Landesumweltamt schon grünes Licht gegeben. Nun wäre also nur noch das Okay der Gemeindevertreter nötig gewesen. Dann hätte die Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg die Erlaubnis für einen zweijährigen Probebetrieb wohl erteilt. Und Elmar Kleinert hätte mit seiner "Piper PA-18" auf einer Graspiste direkt neben seinem Haus in Groß Leuthen (Dahme-Spreewald) in die Lüfte gehen können.

Doch vorerst bleibt das Fliegen vor der eigenen Haustür für den Betriebsleiter der Flughäfen Berlin-Tegel und Schönefeld ein Traum. Denn noch bevor die Gemeindevertreter am Montagabend in einer ungewöhnlich hitzigen Sondersitzung über den von Kleinert und einem Freund beantragten Privatflugplatz abstimmen wollten, ergriff Bürgermeisterin Annett Lehmann das Wort. Sie verkündete, dass just am Mittag ein Schreiben ins Haus geflattert sei, in dem das Umweltamt einen möglichen Probebetrieb bis zum 15. März beschränkt. Damit war die Abstimmung also hinfällig.

Offenbar war dem Umweltamt kürzlich zu Ohren gekommen, dass es ganz in der Nähe der geplanten Start- und Landebahn den Horst eines Fischadlers gibt. Aktuell ist die Brutstätte zwar leer - und das schon seit einigen Jahren. Aber immerhin steht die nächste Brutsaison der streng geschützten Vögel erst noch bevor. Und womöglich nistet sich in dem Groß Leuthener Horst endlich wieder ein Pärchen ein. Flugbetrieb könnte dem ersehnten Nachwuchs den Garaus machen, befürchten Naturschützer.

Der Ort liegt im Landschaftsschutzgebiet Groß Leuthener See/Dollgensee. Neben dem Fischadler haben dort auch andere seltene Vogelarten ihren Lebensraum. Bau und Betrieb des Landeplatzes könnten die Tiere beunruhigen, meint Carsten Preuß vom Bund für Umwelt und Naturschutz Brandenburg.

Um die Nachbarn davon zu überzeugen, dass ihre einmotorigen Oldtimer-Flugzeuge keine Lärmbelästigung darstellen, hatten Kleinert und sein befreundeter Hobby-Pilot am vergangenen Sonntag zu einem Testflug auf dem Gelände des geplanten Flugplatzes eingeladen. Etwa 150 Einwohner kamen - und die meisten zeigten sich zufrieden. "Wenn ein Quad durchs Dorf fährt, macht das definitiv mehr Lärm", sagt etwa Bürgermeisterin Annett Lehmann.

Doch so zuversichtlich sind längst nicht alle. Seit Kleinerts Pläne in Groß Leuthen die Runde machten, ist das 550-Einwohner-Dorf in zwei Lager gespalten. Während die einen nichts Verwerfliches am Anliegen des 56-Jährigen erkennen können, laufen die anderen Sturm dagegen. Der Betreiber des nahe gelegenen Campingplatzes etwa befürchtet, dass ihm Besucher wegbrechen, wenn Campingführer den Platz künftig mit einem Symbol für Flugbetrieb ausweisen. "Unsere Gäste wollen naturnah und ruhig Urlaub machen", sagt Alexander Weber.

Kleinerts Sohn musste sich zuletzt als "Reichenschnösel" beschimpfen lassen. Und nicht wenige glauben, dass der Flughafen-Betriebsleiter regelmäßig mit seinem Flugzeug auf Arbeit fliegen will. Darüber kann Kleinert nur den Kopf schütteln. Zwar sei er in 20 Minuten Flugzeit in Schönefeld, sagt er. Doch vor dem Start müsste er das Flugzeug erst mal aus dem Hangar holen und vorbereiten. Über Schönefeld müsste er dann auf grünes Licht für den Landeanflug warten. Und obendrein würde er dafür jedes Mal tief in die Tasche greifen müssen. "Die preiswerteste Landung kostet in Schönefeld 120 Euro. Mitarbeiter-Rabatt gibt es nicht", sagt der Hobby-Flieger.

Erst im vergangenen Jahr hatte sich Kleinert ein Haus in Groß Leuthen gekauft und als Feriensitz herrichten lassen. Gleich nebenan hat er einen Acker gepachtet. Dort wollte er nun einen 60 Meter breiten und 370 Meter langen Streifen als Graspiste anlegen. Seine Scheune sollte der Hangar sein.

Für die Vorhaben kann sich Kleinert jetzt mehr Zeit lassen als gewünscht. Nachdem sich der Antrag auf zwei Jahre Probebetrieb mit zwölf Flügen pro Jahr erledigt hat, muss er abwarten, wie die Luftfahrtbehörde auf seinen zweiten Antrag reagiert, nämlich den auf Flugbetrieb für unbestimmte Zeit und 300 Flüge pro Jahr.

Für den Dauerbetrieb ist ein artenschutzrechtliches Gutachten vonnöten, das einige Monate in Anspruch nehmen dürfte. Neben dem Landesumweltamt müssen rund 50 weitere Behörden eine Stellungnahme abgeben. Und am Ende stimmt die Gemeinde ab. Bürgermeisterin Lehmann stellt sich jedenfalls schon mal auf eine "große Schlacht" ein.

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