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Roland Becker 18.03.2017 07:30 Uhr
Red. Hennigsdorf, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Gefahr versteckt sich tief im Boden

Hennigsorf (HGA) An die Zeit, in der die längst verschwundene Schwelgasanlage noch in Betrieb war, dürften sich bestenfalls die ältesten der Riva-Mitarbeiter noch entsinnen. Schon 1976 wurde die Verschwelung von Braunkohle zu Gas aufgegeben. Nach der Wiedervereinigung verschwanden die letzten dieser1951/52 errichteten Industriebauten.

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Altlasten: Hinter diesen bereits abgerissenen Industriebauten befand sich die Schwelgasanlage.

© MZV

Doch im Untergrund der ehemaligen Stahlwerks-Fläche brodelt es. Zwar wurde bereits 2003/2004 der mit kontaminiertem Material gefüllte Pumpenkeller der Anlage abgerissen und dabei auch das Öl aus der Rückkühlanlage abgeschöpft sowie der Mutterboden ausgetauscht. Doch unterhalb des Grundwassers hat sich auf einer rund 1 200 Quadratmeter großen Fläche zu großen Teilen ein für die Umwelt giftiger Mix zusammengebraut. Dabei handelt es sich vor allem um Alkylphenole, die bei der Veredlung fossiler Brennstoffe anfallen. Welches Ausmaß diese Bodenvergiftung hat, zeigt ein Vergleich: Wurden 2003/04 3,76 Tonnen oberhalb des Grundwassers entfernt, so wird die jetzt zu fördernde Menge auf 23,5 Tonnen geschätzt.

Aufwändig wird die Sanierung, weil sich der auszutauschende Boden bis zu sieben Meter unter dem Grundwasserspiegel befindet. Zur Gefahr werden die Alkylphenole, weil sich die sogenannte Schadstofffahne von der Quelle her unter dem Oder-Havel-Kanal in südöstlicher Richtung ausbreitet und bereits die Brunnengalerie Süd des Stolper Wasserwerks erreicht hat. "Spuren der Schadstoffe wurden in den Wasserwerksbrunnen im Rohwasser nachgewiesen", heißt es in einer den Stadtverordneten übergebenen Sachstandsbeschreibung. Eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung wird allerdings ausgeschlossen.

"Eigentlich ist die kontaminierte Fläche überschaubar", schätzt sie Sven Wiese ein, der bei der städtischen Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft (BBG) das Projekt begleitet. Wenn die 3,6 Millionen Euro teure Sanierung im Kurvenbereich von Küntscher- und Conradstraße voraussichtlich im Juni beginnt, sind aufwändige technische Installationen nötig.

Anfangs muss der Boden oberhalb des Grundwasserspiegels zur einfacheren Bewältigung der Arbeiten in großer Tiefe abgetragen werden. Da dieser schon einmal erneuert wurde, kann er nach Abschluss der Arbeiten wieder aufgebracht werden. Zeitgleich müssen noch vorhandene Fundamente beseitigt werden. Dann gilt es, acht Großbohrer mit einem Durchmesser von 1,5 Metern in den Boden zu bringen. Aus diesen verrohrten Bohrlöchern wird aus den acht unterirdischen Brunnen ein Spezialbagger den kontaminierten Boden ausheben und unbelastete Erde einbringen. In einem wetterfesten Industriezelt wird das belastete Erdreich für den Zwischentransport gelagert. Wiese weiß auch, was mit der gefährlichen Masse passiert, wenn sie abtransportiert wird: "Entweder erfolgt in einer Spezialanlage eine Bodenwäsche oder eine Verbrennung."

Wiese geht davon aus, dass die Arbeiten im November abgeschlossen sind. Ein Bodenaustausch bei Frost würde die Arbeiten erheblich verteuern. Die Kosten tragen übrigens überwiegend Land und Bund. Hennigsdorf muss lediglich rund 220 000 Euro beisteuern.

Das Areal soll künftig für Gewerbe- und Industrieansiedlungen vermarktet werden.

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