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Saisoneröffnung auf dem Findlingshof in Ruhlsdorf / Bildhauer-Schnupperkurse, Wanderungen und vieles mehr

Klangsteintöne lichten die Wolken

Steine "streicheln": Regina Weichelt (l.) aus Fredersdorf und Karin Beckert aus Strausberg versuchen sich zur Saisoneröffnung auf dem Findlingshof an Klangsteinen.
Steine "streicheln": Regina Weichelt (l.) aus Fredersdorf und Karin Beckert aus Strausberg versuchen sich zur Saisoneröffnung auf dem Findlingshof an Klangsteinen. © Foto: Uwe Spranger
Uwe Spranger / 21.03.2017, 05:19 Uhr
Ruhlsdorf (MOZ) Auf dem Findlingshof im Hohensteiner Ortsteil Ruhlsdorf hat am Wochenende die neue Saison begonnen. Ab sofort können Interessierte auf dem Gelände von Kurt Zirwes zum Beispiel Bildhauer-Schnupperkurse für Einsteiger belegen. Gleich am ersten Tag pickerte Petra Westphal aus Erkner unter Anleitung von Igor Kaschkurjewitsch auf dem Naturmaterial herum. Nach einer Stunde ließen sich Nase und Augen eines Gesichts erkennen. Bis zu fünf Stunden haben die Bildhauer-Eleven Zeit. 50 Euro kostet der Spaß. Das Werkstück kann mitgenommen werden. "Anspruchsvollere" Kurse für Fortgeschrittene würden nach Absprache organisiert, sagt Zirwes.

Er selbst steuert Werkzeug und Wissen bei, wenn jemand Steine spalten oder beispielsweise Feuerfindlinge oder Vogeltränken bauen will. "Schönes für Haus und Garten", wie er es nennt. "Auf Vorrat bauen ist schwierig. Man trifft fast nie den Geschmack der Leute", hat der 60-Jährige festgestellt. Deshalb gehe er vorab auch zumeist mit den Gästen "wandern und schleppen". Anschließend gehe es ans "Veredeln", ans Bohren, Schleifen oder Polieren. "Das kann eigentlich jeder. Stein ist nicht so hart, wie mancher meint." In jedem Falle genieße selbst Gemachtes höhere Wertschätzung. Und alles sei ein Unikat, hebt er hervor. "80 Prozent sind Natur. Man fügt Akzente hinzu."

Auch mit seinen Klangsteinen weckte Zirwes das Interesse der Besucher. Zum Beispiel von Karin und Reinhard Beckert aus Strausberg. Sie hatten keine große Mühe, den Lamellen mit nassen Händen die charakteristischen Töne zu entlocken. "Wir sind schon öfter hier vorbeigefahren", erzählte das Paar. Karin Beckert hatte von der Saisoneröffnung in der Zeitung gelesen. Fast hätten sie sich vom miesen Wetter zu Beginn abschrecken lassen, aber Zirwes habe gerade herausgeschaut und hineingebeten. Und just als drinnen die Steine klangen, lichteten sich draußen die Wolken.

Er freue sich über jeden, der einen Blick entwickle und wieder anfange, sich nach einem Stein zu bücken, erklärte der Gastgeber. Er wünschte sich vor allem mehr Besuch von Schulklassen, wüsste die schon zu beschäftigen, mit Spielen, Musik und Steinbearbeitung. Schon allein den "Virus", ein dem Namensgeber ähnelndes Gebilde aus Stein und Metall, zu bewegen, sei eine Herausforderung. "Aber Kino in Berlin ist halt einfacher", so seine Erfahrung. Da nutzten selbst Routenvorschläge für eine möglichst sichere Anreise per Rad abseits der Landesstraße nicht viel.

Zirwes haben es die Steine schon seit geraumer Zeit angetan. Die hiesige Region sei reich gesegnet damit, sagt er, die Exemplare auf seinem Hof aus einem Umkreis von nur drei Kilometern. "Der Stein ist die Verbindung zu etwas ganz Altem, zu etwas Archaischem. Er begleitet uns durch unser Leben. Wir bauen Häuser daraus, Kirchen, Kathedralen und Tempel. Und der Mensch könnte ohne die Grundstoffe, die Mineralien, nicht überleben", schreibt er auf der Internetseite des Hofs.

Dort offeriert der frühere Rheinländer noch weitere Angebote. Zum Beispiel spezielle Touren zu den Findlingen der Märkischen Schweiz oder in eiszeitliche Landschaften. In diesem Jahr wird er auch Wanderfreunde in Kooperation mit der Stadt- und Touristinfo Strausberg durchs Ruhlsdorfer Bruch und zu den Hünengräbern führen. Und auch wenn er sich vermutlich eher mühsam davon nährt, ist er überzeugt, dass Steine noch für viele weitere zum Broterwerb beitragen könnten.

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