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Detlef Klementz 21.03.2017 05:23 Uhr
Red. Strausberg, strausberg-red@moz.de

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Probejahr nicht bestanden

Rehfelde (MOZ) Christine Pieckenhagen ist sauer. Es geht um die Rehfelder Feuerwehr, der sie sich immer noch zugehörig fühlt. Obwohl man ihr die Eignung absprach. Sie hat das Probejahr nicht bestanden. Sie glaubt, dass man ihr ihre offene Art und die Solidarisierung mit dem abgesetzten Ortswehrführer Steffen Liss verübelte.

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Unmittelbarer Anlass, sich nun an die Märkische Oderzeitung zu wenden, war für Christine Pieckenhagen ein MOZ-Beitrag, in dem es unter anderem um Mitgliederschwund bei den Freiwilligen Feuerwehren in Brandenburg ging.

Aber der Reihe nach: Christine Pieckenhagen war an die drei Jahre in der Rehfelder Wehr aktiv, ohne direkt Mitglied zu sein, wie sie erzählt. Die umgekehrte Konstellation ist so selten nicht, wie immer wieder zu hören ist, aber sich Einbringen, ohne Mitglied zu sein, das hat schon Seltenheitswert. Christine Pieckenhagen begleitete ihre Kinder - beide gehören der Jugendwehr an - öfter zu Wettkämpfen und anderen Veranstaltungen. Auch darüber hinaus hätten sie und ihr Mann die Rehfelder Feuerwehr bei Veranstaltungen wie dem Lichterfest unterstützt, berichtet sie. Irgendwann sei sie gefragt worden, ob sie nicht Mitglied werden wolle. Anfang Juli 2015 habe sie dann zugestimmt. Nicht ohne "vorher der Zug-, Gruppen- und Ortswehrführung" erklärt zu haben, "dass ich meinen Mund aufmache, Fehler offen ansprechen werde und das auch umgekehrt erwarte". Da habe es allgemeine Zustimmung gegeben.

Die Praxis habe allerdings anders ausgesehen, kritisiert Christine Pieckenhagen. Vor allem Gruppenführer Torsten Kosch sei sie offenbar ein Dorn im Auge gewesen: "Er hat Stimmung gegen mich gemacht." Der Grund? "Vielleicht passte es ihm nicht, dass ich mich gegen seine rüde Art gewehrt habe." Dass Ortswehrführer Liss seinem Drängen, sie aus der Probezeit zu entlassen, nicht nachkam, habe wohl für zusätzlichen Verdruss bei Kosch gesorgt.

Allmählich sei der Ortswehrführer selbst immer stärker unter Beschuss von Gruppenführern geraten: "Die führten sich auf wie Führungskräfte." Die Zollbeamtin spricht von "Verunglimpfungen gegen Herrn Liss" und einer "Stimmungsverschlechterung" zwischen beiden Seiten. Im Dezember 2015 sei die Lage dann eskaliert. Kosch und andere hätten mit ihrem Rücktritt gedroht, falls der Ortswehrführer nicht sein Amt niederlege. "Ich bin damals aufgestanden und habe für Herrn Liss Partei ergriffen", sagt Christine Pieckenhagen und ergänzt: "Der Ortswehrführer hat sich nichts zu Schulden kommen lassen und seine Aufgaben stets gewissenhaft erfüllt." In ihrem Bestreben, "Ruhe in die Feuerwehr zu bringen", habe sie auf Unterstützung vom Amt Märkische Schweiz gehofft. "Ein vergebliches Ansinnen", wie sie rückblickend bedauert.

Stattdessen habe Amtswehrführer Hartmut Sommer Steffen Liss kurz darauf als Ortswehrführer beurlaubt. In einem Schreiben an Liss stellte Sommer am 16. Februar vergangenen Jahres fest, dass die Entscheidung "ausschließlich auf das Nichtvorhandensein der persönlichen Voraussetzungen" beruhe, also die "Fähigkeit zur Wahrnehmung von Führungsaufgaben". In fachlicher Hinsicht gebe es "keine Vorwürfe". Liss, der auch als Notfallseelsorger eingesetzt wird, gibt sich damit nicht zufrieden und will sich auf den Ehrenamtsposten zurückklagen.

Noch immer nicht verstehen kann Christine Pieckenhagen die Entscheidung vom 18. April 2016, nach der sie das Probejahr nicht bestanden hat. "Ich hab alle acht Punkte der Verpflichtungserklärung erfüllt, die Prüfungen abgelegt, an Einsätzen teilgenommen, nichts Unredliches getan, allerdings den Mund aufgemacht, wenn mir etwas nicht gefallen hat", stellt die resolute Frau fest. Klare Gründe für den Rauswurf habe sie nie gehört. Dafür habe es anonyme Vorwürfe, Unterstellungen, Beschuldigungen und nicht abgesprochene Gesprächsprotokolle gegeben: "Aber keine ehrlichen Gespräche." Hilferufe habe sie in alle Richtungen versandt - darunter an den Kreis- und Landesbrandmeister, an den Amtsdirektor, den Bürgermeister, den Landrat und selbst an den Petitionsausschuss des Landtags. Doch die Reaktionen seien enttäuschend gewesen, sagt sie.

Der Petitionsausschuss verwies in einem Schreiben auf die "Personalhoheit der Kommunen". Dort hüllt man sich weitgehend in Schweigen. Rehfeldes Vizeortswehrführer Olaf Horn-Ebeling möchte der MOZ "nichts dazu sagen", außer, "Frau Pieckenhagen hat das Probejahr nicht bestanden, damit ist die Sache erledigt". Der Fachbereichsleiter Ordnung/Sicherheit Joachim Kock-Fuchs spricht als Vertreter des Aufgabenträgers von einer "Personalangelegenheit", über die er nicht öffentlich rede. Christine Pieckenhagen habe zwar die Ausbildung gemacht, nach Einschätzung der Amtswehrführung aber "nicht in allen Bereichen die Aufnahmekriterien erfüllt". Anders ausgedrückt: "Es gelang ihr nicht, sich ins Gefüge der Freiwilligen Feuerwehr einzufügen." Konkreter möchte Kock-Fuchs nicht werden. Ebenso wenig wie Amtsdirektor Marco Böttche.

Zurückhaltung üben auch die Ortswehrführer von Zinndorf und Buckow, Marko Schrot bzw. Andreas Saekert, mit denen sich Christine Pieckenhagen verbunden fühlt. "Ich möchte mich da raushalten und wünsche der Rehfelder Wehr alles Gute" - war alles, was Saekert zu sagen bereit war. Für Rehfeldes Bürgermeister Reiner Donath ist das eine "komplizierte Angelegenheit", die er ebenso wie die Abbestellung von Steffen Liss auf "tiefe Meinungsverschiedenheiten" innerhalb der Wehr zurückführt. Neu war für den Bürgermeister, dass jemand sein Probejahr bei der Feuerwehr nicht besteht.

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