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Grabsteine erzählen Geschichte

Daniela Windolff / 21.03.2017, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Auf dem städtischen Friedhof in Angermünde entsteht in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein eine Ahnengalerie. Grabsteine von historisch bedeutsamen Persönlichkeiten der Stadt sollen dort mit Infotafeln aufgereiht und so vor dem Verfall und dem Vergessen gerettet werden.

Kaum ein Ort erzählt mehr Stadt- und Zeitgeschichte als der Friedhof. Hier ruhen Persönlichkeiten, die die Entwicklung Angermündes prägten. Der Friedhof am Schwedter Tor wurde 1877 eröffnet, nachdem der vorherige Friedhof auf der Fläche des heutigen Friedensparks für die aufstrebende Stadt zu klein wurde.

Die zahlreichen erhalten gebliebenen historischen Grabstellen sind nicht nur ein eindrucksvolles Zeugnis der Brandenburger Friedhofskultur um 1900, sie veranschaulichen auch das Repräsentationsbedürfnis der bürgerlichen Oberschicht, von Fabrikanten und Handwerksmeistern, Beamten, Pensionären, Künstlern und Militär, ihren Wohlstand und ihr gesellschaftliches Ansehen durch aufwendig gestaltete, monumentale Grabstätten zur Schau zu stellen. Zu den historisch und kulturgeschichtlich bedeutendsten Denkmalen gehören neben dem Moschel-Mausoleum die Erbbegräbnisreihen entlang der Mauern an der Süd- und Ostseite des Friedhofes sowie zahlreiche wertvolle Einzelgrabstätten, die auf dem ganzen Areal verteilt liegen. Auf Initiative des Angermünder Heimatvereins sollen nun die wichtigsten historischen Grabsteine zu einer Ahnengalerie entlang des Hauptweges zusammengeführt werden.

"Einige historisch oder künstlerisch bedeutsame Grabsteine sind inzwischen sehr verwittert und in ihrer Standsicherheit gefährdet. Diese sollen gesichert und besonders präsentiert werden", erklärt Anett Lauzening, Fachgebietsleiterin für Park- und Grünanlagen in der Stadtverwaltung Angermünde. Entlang des Hauptweges vom Eingang Herweghstraße aus wurden alte Bäume gefällt und junge Zierbirnbäume als Allee nachgepflanzt, die im Frühling weiße Blüten und im Herbst buntes Laub tragen. Zwischen den Bäumen werden im Wechsel die historischen Grabsteine platziert. Informationstafeln sollen Auskunft über die Persönlichkeiten geben. Der erste Grabstein der Ahnenallee steht bereits. Es ist der von Dr. Kühne, als langjähriger Leiter der Poliklinik und beliebter Familienarzt vielen Angermünder Generationen bekannt. Dessen Sohn hat Geld für die Informationstafel gespendet, die der Heimatverein nun gestaltet hat. Auch die Stadt gibt Geld für das Projekt. Rund 40 erhaltenswerte historische Grabstellen haben Ute Heese und Eckhard Walther vom Heimatverein auf dem Friedhofsgelände ausfindig gemacht und aufgelistet. "Ein Teil dieser Steine findet künftig in der Ahnengalerie ihren Platz, andere belassen wir an Ort und Stelle, wollen aber trotzdem Hinweistafeln dafür ausarbeiten und einen historischen Rundgang konzipieren", erzählt Ute Heese. Dazu gehören unter anderem die Grabsteine des europaweit bekannten Gartengestalters Swenson, dessen Handschrift auch den Angermünder Friedhof prägt, von Dr. Lohnitzer, erster Chefarzt des Angermünder Krankenhauses nach 1945, von Professor Paul Müller, der erste Museumsleiter, vom Stadtverordneten und Ehrenbürger Heinrich Müller, auch Chinesenmüller genannt, der zeitweilig in Hongkong ein Uhrengeschäft betrieb und als Schwager des Bildhauers Albert Manthe unter anderem dessen Stadtwappenrelief finanzierte. Der Friedhof lädt zu einem ganz besonderen Spaziergang durch die Angermünder Stadtgeschichte ein.

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