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"Eine Frage des Wollens und des Könnens"

© Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 21.03.2017, 06:42 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) In einigen Kirchengemeinden Brandenburgs wird das Kirchenasyl immer häufiger in Anspruch genommen. Derzeit gibt es landesweit und in Berlin zirka 20 Fälle, wobei hinter einem Fall auch durchaus eine vier- oder fünfköpfige Familie stecken kann. Das berichtet Elisabeth Rosenfeld, Pfarrerin für die Seelsorge an Flüchtlingen und für die Beratung von Kirchengemeinden in der Flüchtlingsarbeit. Auch in Frankfurt wird Flüchtlingen Kirchenasyl gewährt, weiß die 33-Jährige.

Um das Kirchenasyl bekannter zu machen und über die rechtlichen Seiten und Voraussetzungen aufzuklären, hat Elisabeth Rosenfeld am Wochenende einen Workshop im evangelischen Gemeindezentrum in Eisenhüttenstadt durchgeführt. "Ich denke schon, dass diese Art von Asyl in Zukunft noch wichtiger wird oder zumindest so bedeutend wie jetzt bleibt", sagt sie. Im Januar 2017 gab es bundesweit 323 Fälle mit 547 betroffenen Menschen. Ein Jahr zuvor waren es 277 Fälle mit 449 Flüchtlingen.

In Eisenhüttenstadt spielt Kirchenasyl bislang noch keine Rolle. "Das ist aber nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch des Könnens", betont die Seelsorgerin. Denn für die Kirchengemeinden selbst, die dann die volle Verantwortung für die Flüchtlinge übernehmen, sei das alles eine große Herausforderung. Sie bräuchten unter anderem die räumlichen und personellen Voraussetzungen, um diese Aufgabe zu stemmen.

"Kirchenasyl ist nicht legal", erklärt Elisabeth Rosenfeld, aber es werde vom Staat geduldet. Mittlerweile würden die Behörden jedoch strengere Regeln anlegen, wollen beispielsweise die genauen Anschriften der Flüchtlinge. Da reiche nicht mehr nur die Adresse der Gemeinde. Schließlich werden einige der Asylbewerber beispielsweise auch in Wohnungen untergebracht, die die Kirche angemietet hat. Doch damit ist es nicht getan: Menschen im Kirchenasyl haben keine Papiere, das bedeutet, sie bekommen auch keine Zuwendungen vom Staat. Die Kirchengemeinde muss also einspringen, und sich beispielsweise auch um die Gesundheitsfürsorge kümmern. Kinder dürfen laut der Pastorin aber trotz der fehlenden Ausweise Kindergärten und Schulen besuchen. Allerdings wäge auch die Kirchengemeinde genau ab, ob sie Asyl gewährt. Da werde schon geschaut, ob eine Wahrscheinlichkeit da ist, dass der Betroffene bleiben darf. Und natürlich spiele die Schutzbedürftigkeit eine große Rolle. Welche Religion die Hilfesuchenden haben, sei hingegen zu vernachlässigen, insofern es sich nicht um radikale Gläubige handele.

Über 80 Prozent der Kirchenasyl-Fälle kommen ihr zufolge über persönliche Kontakte zustande, 20 Prozent über Anwälte und Flüchtlingsberatungsstellen. "Wenn Flüchtlinge untertauchen sollten, dann wird das Kirchenasyl aufgehoben", sagt Elisabeth Rosenfeld.

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