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Erstaunen und Empörung: Deutsche Fahne unterm Rotarmisten

Gedenkstättenweg in Nationalfarben: Schwarz-Rot-Gold sorgt für eine Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz.
Gedenkstättenweg in Nationalfarben: Schwarz-Rot-Gold sorgt für eine Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz. © Foto: Johann Mueller
Ulf Grieger / 21.03.2017, 06:45 Uhr
Seelow (MOZ) Für Erstaunen und Empörung sorgt ein Gehweg auf der denkmalgeschützten Anlage der Gedenkstätte Seelower Höhen (Märkisch-Oderland). Unterhalb des berühmten Standbildes vom Rotarmisten leuchtet eine gepflasterte Deutschlandfahne.

"Ich bin fassungslos!", erklärt Landeskonservator Thomas Drachenberg, als er die Fotos von der gepflasterten Deutschlandfahne sieht. "Die jetzt ausgeführte Neupflasterung des Weges vom Denkmal zum Wendeplatz am Gräberfeld mit neuem Plattenmaterial widerspricht völlig der genehmigten Instandsetzung, die mit vorhandenem Material zu erfolgen hatte."

Er verweist dabei auf die Stellungnahme des Landesamtes zur beantragten Sanierung. Tatsächlich wird darin ausdrücklich betont, dass alle Reparaturen mit dem vorhandenen Material, also mit den alten Betonplatten zu erfolgen hätten. "Denkmalfachliches Ziel war die Reparatur des Bestandes. Die aus unserer Sicht abwegige Idee, den Nebenweg mit neuen Gehwegplatten zu versehen, die eine Deutschlandfahne nachbilden, ist völlig unverständlich und muss dringend korrigiert werden", erklärt Drachenberg.

Die Anlage gehört dem Landkreis Märkisch-Oderland. Der will die Außenanlage noch in diesem Jahr für rund 1,6 Millionen erneuern lassen. Neben der Regenentwässerung soll auch die Pflasterung saniert werden. Umso wichtiger ist die Klärung der "Plattenfarbe".

Landrat Gernot Schmidt (SPD) informiert, dass der Weg, der jetzt für so große Aufregung sorgt, ursprünglich einmal so ausgesehen habe. Die alten Pflastersteine waren in den 45 Jahren seit der Herrichtung so verschlissen, dass sie nicht wiederverwendet werden konnten. "Sie waren ursprünglich aber nicht grau, wie der Landeskonservator meint, sondern hatten genau diese Farbgebung, in der jetzt die neuen Platten erstrahlen", sagte Schmidt.

Das sei festgestellt worden, als der Bad Freienwalder Fachbetrieb, der die Arbeit ausgeführt hat, die alten Platten umdrehte. Auf der unteren Seite seien sie eben noch schwarz-rot-gold. Wie im Übrigen auch die Platten rings um den Denkmalhügel. Die wurden farblich allerdings in bunt gewürfeltem Schachbrettmuster angeordnet. "Wir haben genau die Anforderung des Landesamtes erfüllt. Nur hat sich dort die Einstellung dazu wohl geändert", vermutet der Landrat.

Er geht davon aus, dass die Gestalter der Anlage 1972 das Symbol der "Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft" im Sinn hatten, das ursprünglich die deutsche Fahne ohne DDR-Emblem und die Sowjetflagge, vereint mit einem blauen Band, zeigte. Der zusätzliche graue Pflasterstreifen war lediglich notwendig, um Kranzträgern den sicheren Zuweg zu ermöglichen. "Es ist natürlich erstaunlich, dass die Farben unserer Fahne heute für Unmut sorgen. Aber hier wird wie gefordert ein geschützter Zustand so wiederhergestellt, wie er zu DDR-Zeiten angelegt worden ist", versichert der Landrat. Foto-Belege für seine Vermutung haben sich noch nicht gefunden.

Heute gibt es ein Treffen von Vertretern des Landkreises und des Landesamtes für Denkmalpflege, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ein Rückbau der Deutschlandfahne ist wahrscheinlich. Zudem ist eine Entscheidung dazu notwendig, wie mit den anderen Platten in dem Areal umgegangen werden soll.

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Hans-Joachim Strauss 23.03.2017 - 15:38:22

Egal, wie auch immer

dieser Weg an dem Monument in Seelow gestaltet war und wird, dass ein in Deutschland eine Nationalfarbenallergie gibt ist wohl unbestritten. Und nichts anderes hatte ich in meinem Beitrag geschrieben. Vielleicht hätten die Ämter entscheiden sollen Steine in den Farben Schwarz, Weiß, Rot verlegen zu lassen. Das hätten sie ja dann wie folgt interpetieren können: Wir legen den toten Sowjetsoldaten die Reichflagge zu Füßen und lassen auf ihr herumtrampeln. Die zuständigen Ämter werden sich schon einigen.

Ignaz Koslowski 23.03.2017 - 13:18:39

@H.-J. Strauss:

Der Weg um den es hier geht, ist der oben von rechts an das Monument heranführende Weg für die Kranzträger bei den Gedenkveranstaltungen und damit im Wegekonzept der Gesamtanlage ein unbedeutender Nebenweg. Aus diesem Grunde wird seine ursprüngliche Gestaltung kaum irgendwo fotografisch dokumentiert sein. Jedoch kenne ich die Anlage persönlich sehr gut, weil wir zu DDR-Zeiten dort oft zu Veranstaltungen beordert wurden und über eine Partnerschaft der DSF auch bei der Pflege des Areals halfen. Dazu gehörte auch das Fegen der Wege, auch des besagten Weges. Aus meiner ungetrübten Erinnerung kann ich jedenfalls ganz eindeutig bezeugen, daß die 1972 dort verlegten Platten auch im Neuzustand nicht ansatzweise die Farbtöne hatten, wie die jetzt neu verlegten. Vielmehr handelte es sich um gedeckte Farbtöne. Ich war schon einige Jahre nicht mehr in der Gedenkstätte, daher kann ich nicht sagen ob der Vorplatz mit dem Panzer, der Haubitze und dem Raketenwerfer noch die alten Platten hat, dort lagen die gleichen Platten wie oben auf dem besagten Weg. Von diesem Vorplatz gibt es im Web etliche Fotos, sehen Sie sich diese einfach mal an und vergleichen Sie die Farben mit denen des sanierten Weges, dann erkennen Sie, daß wir es ursprünglich mit zwar farbigen aber unauffälligen weil gedeckten Farben zu tun hatten, nun aber mit schrillen. An dieser Tatsache ändert sich auch nichts dadurch, daß Landrat Schmidt als Verantwortlicher des Desasters etwas Anderes behauptet.

Hans-Joachim Strauss 23.03.2017 - 00:12:45

Ignaz Koslowski

um die ganze Diskussion über dieses Farbenspiel mal etwas zurück zuschrauben, es muß doch irgend wo eine Dokumentation aufzutreiben sein, aus der hervor geht wie der Originalzustand war.

Ignaz Koslowski 22.03.2017 - 17:15:04

Nationalfarbenallergie

Es hat nichts mit einer "Nationalfarbenallergie" zu tun, wenn man es ablehnt ein Denkmal in solcher Weise zu verändern. Die neue Weggestaltung hat ja nicht allein eine gravierende Veränderung des optischen Erscheinungsbildes zur Folge, sondern sie verhöhnt Deutschland, dessen Nationalfarben dort buchstäblich mit Füßen getreten werden. Nicht derjenige hat etwas gegen schwarz-rot-gold, der es nicht will daß unsere Flagge mit Füßen getreten wird, sondern derjenige, der das für einen akzeptablen Zustand hält. Zudem sollte man auch nicht aus den Augen verlieren, welchen Symbolgehalt es birgt, wenn die deutsche Fahne am Boden liegt und auf ihr herumgetrampelt wird, während sich der ruhmreiche Sowjetsoldat weit über ihr erhebt. Abgesehen davon erschließt sich auch nicht, in welchem Bezug die deutschen Nationalfarben zu einer Gedenkstätte für sowjetische Soldaten stehen sollen. Ebensogut könnte man da die Fahnen der Supermarktkette REAL aufstellen und bei Kritik damit kontern, jemand hätte wohl etwas gegen REAL. An einer solchen Stätte gehören bestimmte Dinge weder konzeptionell noch historisch hin, das ist nicht Disneyland.

Hans-Joachim Strauss 22.03.2017 - 14:10:54

"Nationalfarbenallergie"

trifft es wohl auf den Punkt. Nee nee, nicht nur in Seelow, dort würde sich ja wenn ich es nicht falsch verstanden habe, Isa Schroth auf den Steinen in den Steinen mit den Farben die unsere Staatsflagge symbolisieren, gern erleichtern. So wie es ja wohl auch schon Mitglieder der Grünen Jugend Ende Mai 2008 beim Bundeskongress der Grünen Jugend (GJ), der Nachwuchsorganisation der Bundespartei Bündnis 90/Die Grünen taten. Aber auch Frau Merkel ist dem Ekel gegenüber der deutschen Flagge ja nicht abgeneigt. Kann man eine Person die sich der deutschen Flagge schämt wählen? Ja, aber nur abwählen.

Kurt Crampmeyer 22.03.2017 - 12:05:28

@Ignaz Koslowski

na immerhin hat es ihr Kommentar schon in eine überregional bundesweit erscheinende Zeitung die mit J und F beginnt geschafft und und sie gelten dort als Synonym für einen "Schlaumeier, der (es)genau wissen" will. ;-) Dieser absurde Streit wird dort übrigens als "Nationalfarbenallergie" getitelt.

Hasso Isenhagen 22.03.2017 - 07:31:29

im Rahmen der Baufreiheit

blamiert sich jeder so gut er kann. Nur schade weil es hier eine ernste Sache ist.

Ignaz Koslowski 21.03.2017 - 17:39:47

Lieber Gernot Schmidt ...

..., Sie können Ihre Gehwegplatten drehen und wenden wie Sie wollen, feststeht, so wie jetzt sah es ursprünglich nicht einmal von den Farben her aus. Die großformatigen Platten aus der DDR-Zeit waren eben nicht schwarz, sondern wesentlich heller anthrazit, eben nicht knallrot, sondern in einem Zwischenton aus hellrot und rosa und eben nicht zitronengelb, sondern in einem sehr blassen gelb. Hätte man diese Platten in dem jetzt zu bestaunenden Muster angeordnet, wäre keine Erinnerung an eine Deutschlandfahne geweckt worden. Nach meiner Erinnerung war auch besagter Weg mosaikartig mit den Platten gestaltet, nicht streifenförmig. Auf jeden Fall weichen die nunmehr verwendeten Platten grundlegend von den ursprünglichen Farbtönen ab und stellen eben keine originalgetreue Nachbildung derselben dar. Das Problem hier ist wieder einmal nicht etwa das Landesdenkmalamt, sondern ein nach meinem Eindruck allgemein Denkmalen nicht übermäßig zugewandter Landrat, der wenig Verständnis für die Bewahrung von Historischem erübrigen kann, wie sich zum Beispiel beim Brecht-Weigel-Haus in Buckow, dem Ehrenmal in Reitwein und auch beim Seelower Kaufhaus zeigte.

Paul Müller 21.03.2017 - 07:04:23

Nix für ungut ...

... aber der Gehweg erinnert mehr an eine Hippiefahne ...

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