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Der neue BER- Chef ist nicht zu fassen

Sieht sich als bescheidener kleiner Beamter: Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider.
Sieht sich als bescheidener kleiner Beamter: Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. © Foto: dpa
Ulrich Thiessen / 21.03.2017, 07:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Bauverzögerungen und Unklarheiten, wie und wann man zu einem Eröffnungstermin des Flughafen BER kommt? Nichts, was Rainer Brettschneider aus der Ruhe bringen würde. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft ist als langjähriger BER-Koordinator, als früherer Abteilungsleiter und Staatssekretär im Verkehrsministerium seit einem Dutzend Jahren mit dem größten Infrastrukturprojekt des Landes vertraut. Bretschneider hatte das mit 4000 Einsprüchen größte bundesweite Planfeststellungsverfahren zum neuen Flughafen zum Erfolg geführt.

Am Montag demonstrierte der 68-Jährige im BER-Sonderausschuss des Landtages, dass er auch als Chef des Aufsichtsrats seiner bisherigen Linie treu bleibt: ein wenig Optimismus (die Flughäfen werden in diesem Jahr wahrscheinlich 100 Millionen Gewinn erwirtschaften) und ansonsten so unkonkret wie nötig auftreten, um nicht mit einer klaren Aussage später festgenagelt werden zu können. Die Frage nach dem Eröffnungstermin des BER könnte Bretschneider wahrscheinlich auch im Schlaf wort- und variantenreich nicht beantworten.

Die Lieblingsrolle Bretschneiders aber war bislang die des bescheidenen, "kleinen Beamten", der immer gern von seinen Chefs redete. Jetzt gibt es zumindest im Aufsichtsrat niemanden mehr, der über Bretschneider steht. Gleichzeitig gab er gern den gutmütigen, lebenslustigen Westfalen, der über alle Parteigrenzen hinweg gute Kontakte knüpft und pflegt. Intern wird dem Juristen nachgesagt, sehr korrekt zu sein, Probleme früh zu erkennen und lösen zu können. All dies half ihm, eine steile Karriere hinzulegen.

Bretschneider war einer der ersten Aufbauhelfer, die 1990 aus Nordrhein-Westfalen nach Brandenburg entsandt wurden. Er erinnert sich gern, wie er im Keller der Staatskanzlei 1990 am Aufbau des neuen brandenburgischen Verkehrsministeriums werkelte und zu wichtigen Telefongesprächen über die Glienicker Brücke nach Westberlin fahren musste.

Anschließend diente er sich als Referats- und dann als Abteilungsleiter nach oben. 2007 wurde Bretschneider quasi als Notnagel Staatssekretär, da eine Vorgängerin nach kurzer Amtszeit hingeschmissen hatte und schnell kompetenter Ersatz gefunden werden musste. In der darauffolgenden Legislaturperiode wurde Bretschneider in den Ruhestand versetzt, kurz darauf aber reaktiviert, da Minister Jörg Vogelsänger (SPD) mit dem Riesenressort Infrastruktur und Landwirtschaft zu scheitern drohte. 2013, nachdem der neue Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) entschieden hatte, nicht wie sein Vorgänger in den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft einzutreten, wurde Bretschneider Flughafenkoordinator im Range eines Staatssekretärs in der Staatskanzlei und hat dafür die Pensionierung mehrfach verschoben.

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