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Jagdverband Altkreis Seelow zieht Bilanz / Kritik an Biber- und Wolfsmanagement

Best-Strecken auf Raubwild

Ines Weber-Rath / 21.03.2017, 07:38 Uhr
Platkow (MOZ) Mit 27 000 Waschbären haben die Jäger im Altkreis Seelow im vorigen Jagdjahr eine neue Rekordstrecke erzielt. Dennoch steigt die Population der Räuber weiter. Das gehört zur Bilanz, die auf der Jahreshauptversammlung des Altkreis-Jagdverbandes gezogen wurde.

Kurz vorm Ende des Jagdjahres 2016/17 am 31. März haben die 255 Jäger im Jagdverband Altkreis Seelow Bilanz gezogen. Die "Strecke" genannten Abschusszahlen, die der scheidende Verbandsvorsitzende Hans-Herrmann Kain in seinem Rechenschaftsbericht nannte, bezogen sich jedoch aufs Jagdjahr davor.

In dem hatten die Jäger aus dem ganzen Landkreis, entgegen dem Landestrend, mit 10 600 Stück Schalenwild sieben Prozent weniger erlegt als davor. Der Rückgang betraf vor allem das Rot-, (500 Stück), Dam- (51) und Rehwild (4850). Auch die knapp 5200 erlegten Schwarzkittel waren rund 300 weniger als im Jagdjahr zuvor. Der Wildenten-Abschuss sei sogar "katastrophal eingebrochen", konstatierte Kain. Spitzenreiter sind die Märkisch-Oderländer Jäger nur bei der Fasanenjagd (mehr als 1000). Und bei der auf Ringeltauben.

Viel Zeit und Geld haben die Jäger im Kreis in die Bejagung des Raubwildes investiert: Sie erlegten 28 400 Füchse, 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Dachsstrecke war die bislang höchste in Märkisch-Oderland. Und auch die 27 000 erlegten Waschbären waren die höchste Strecke aller Zeiten. Dennoch steige die Population weiter, so Kain.

Er sprach mit Blick auf die Biber- und Wolfsprobleme davon, dass "eine kleine Gruppe von Umwelt-Fantasten die Realität ignorieren" würde. Am Ende bat der scheidende Verbandsvorsitzende seine Waidgenossen um mehr Toleranz untereinander. Für das Erreichen der jagdlichen Ziele sei ein "hohes Maß an Einigkeit" nötig, mahnte der Altfriedländer.

Der Präsident des Landes- und Kreisbauernverbandes, Henrik Wendorff, dankte den Jägern als Gast der Beratung für die gute Zusammenarbeit und bat sie, "auf ihre Landwirte zuzugehen". Denn es sei ab sofort wieder möglich, Bejagungsschneisen anzulegen, ohne EU-Prämien zu verlieren. Doch das würden die Bauern erst in den Bauernversammlungen erfahren, die der Kreis diesmal erst Anfang April durchführt. Das Bibermanagement bezeichnete der Bauernpräsident unter Beifall als "nicht besonders erfolgreich". Den zur Beratung anwesenden Landtagsabgeordneten Simona Koß (SPD) und Kristy Augustin (CDU) gab der Bio-Landwirt mit auf den Weg: Der Aufwand, eine Entschädigung nach einem Wolfsriss zu beantragen sei so hoch, "dass die Weidehaltung im Land insgesamt infrage steht". Der Müncheberger Jäger Hilmar Schwärzel ergänzte: Dadurch wäre der Verlust an Artenvielfalt deutlich höher als "durch den Abschuss einiger Wölfe".

Der Vertreter des Jagdverbandes Märkisch-Oderland, Lutz Hackert, lud die Seelower Jäger zum Kreisjägertag am 29. Juli nach Waldsieversdorf ein.

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Thomas Schuöze-Helmke 21.03.2017 - 10:44:58

Realitätsverlust?

Da werden 28 400 Füchse umgebracht obwohl deren Bedeutung als Top Mäuse- und Rattenjäger bekannt ist und lieber darauf gesetzt, dass die Bauern den Schaden mit Gift ausgleichen? Weil Füchse schießen soviel Spaß macht? Die Realität ist, dass wir mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen sind und bei den meisten erkannt wird, dass wir beim Umweltschutz schnellstens umdenken müssen. Und da solche Herren selbst die streng geschützten Wölfe am liebsten umbringen würden sollte grundsätzlich überdacht werden ob das praktizierte Jagdsystem überhaupt noch in unser heutiges Umweltbewusstsein passt. Kann ja nicht mehr sein, dass ausserhalb der gelben Ortsschilder die Alleinherrschaft der Jäger über die Natur beginnt.

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