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1247 Lkw in Neuzelle an einem Tag

Dicht an dicht: Von dem grauen Messkasten in der Bahnhofstraße werden täglich tausende Fahrzeuge erfasst.
Dicht an dicht: Von dem grauen Messkasten in der Bahnhofstraße werden täglich tausende Fahrzeuge erfasst. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Hubertus Rösler / 21.03.2017, 07:45 Uhr
Neuzelle (MOZ) Das Amt Neuzelle hat ein erstes Zwischenfazit der im Februar eingerichteten Messstation zur Verkehrsbelastung an der Bahnhofstraße gezogen. "Innerhalb einer Arbeitswoche passieren von montags bis freitags in der Summe zwischen 9000 und 9800 Fahrzeuge die Messstelle", berichtet Neuzelles Bauamtsleiter Thomas Tavernier.

"Der Lastkraftwagenanteil liegt unter der Woche bei deutlich über zwölf Prozent - Tendenz steigend, wohl auch jahreszeitlich bedingt. Somit liegt das bisherige Messergebnis bereits jetzt über der durchschnittlichen Tagesprognose aus der Datenerhebung des Landes Brandenburg", sagt Tavernier.

Neben dem Umstand der hohen Verkehrsbelastung ist auch der Aspekt der Geschwindigkeitsüberschreitung bemerkenswert. "Im Schnitt fahren 45 Prozent der erfassten Fahrzeuge mehr als 50 km/h, obwohl an dieser Stelle lediglich 30 km/h erlaubt sind", berichtet Tavernier. So haben beispielsweise am 14. März 4231 Fahrzeuge die Messstelle mit mehr als 50 km/h passiert haben - bei einem Gesamtaufkommen von 9566 Fahrzeugen.

Auffällig ist auch der schwankende Lkw-Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen. Während sich dieser an den Wochenenden um zwei Prozent einpendelt, sind es unter der Woche fast stets über zehn Prozent. Gemessen wurden Spitzenwerte von bis zu 1247 Lkw innerhalb von 24 Stunden (14. März), was einen Anteil von 13 Prozent der erfassten Fahrzeuge ausmacht.

Der graue Messkasten wurde im vergangenen Monat in Höhe der ehemaligen Gärtnerei Wallstab an einer Straßenlaterne angebracht. Das Seitenradarmesssystem dient als Hilfsmittel bei der Ermittlung von Verkehrsbelastungen auf einzelnen Straßenzügen. Dabei kann die Verkehrsbelastung nach Fahrzeugklassen wie Lkw, Pkw, Motorrädern und Fahrrädern erfasst werden - in beiden Fahrtrichtungen gleichzeitig. Auch die gefahrenen Geschwindigkeiten der Fahrzeuge werden erfasst.

Die Datenerfassung soll dem Amt Neuzelle vor allem dazu dienen, die Relevanz der geforderten Ortsumgehungstraße mithilfe aktueller Datenreihen zu unterstreichen. Diese sollen auch der Bürgerinitiative Ortsumgehung Neuzelle zur Verfügung gestellt werden. Die Messungen sollen noch bis Ende April fortgesetzt werden.

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Benno Koch 21.03.2017 - 11:55:19

Lokaler Verkehr

"Der Lastkraftwagenanteil liegt unter der Woche bei deutlich über zwölf Prozent - Tendenz steigend“ - überprüft die Redaktion der Märkischen Oderzeitung solche Behauptungen wie "Tendenz steigend" auch mal? Richtig ist, dass der Lkw-Anteil als „Schwerverkehr“ laut BAST wie folgt definiert wird: - Schwerverkehr (Kraftfahrzeuge > 3,5 Tonnen pro Tag) Anders als auf dem Foto suggeriert, sind vom gesamten Schwerverkehr in der Regel durchschnittlich nur zehn Prozent Lkw über 7,5 Tonnen. Im konkreten Fall ist dieser gesamte Schwerverkehr ab 3,5 Tonnen an der automatischen BAST-Zählstelle südlich von Neuzelle an der B112 stark rückläufig: Von 557 Lkw pro Tag (2013) auf 512 Lkw pro Tag (2015) – ein Rückgang um acht Prozent. Obwohl die automatischen Zählstellen der BAST zuverlässige tagesaktuelle Werte seit Jahrzehnten liefern, wird im Artikel versucht mit einzelnen Ausreißern Politik zu machen. Im Ergebnis erreicht praktisch keine der inzwischen für dreistellige Millionensummen in Ostbrandenburg neu gebauten Ortsumgehungen nach deren Inbetriebnahme ein Nutzen-Kosten-Verhältnis größer 1,0. Im Fall der geplanten OU Neuzelle für 61 Millionen Euro geht es bei aktuell 4.314 Kfz pro Tag (automatische BAST-Zählstelle südlich von Neuzelle) also um eine zusätzliche Subvention von 14.140 Euro pro Kfz. Und um es noch zu erwähnen: Die „Prognose“ des Landes Brandenburg für die B112 geht südlich von Neuzelle von 19 (!) Prozent Schwerverkehr aus – im Jahr 2015 lag dieser Anteil bei 11,9 Prozent, im Jahre 2013 noch bei 13,0 Prozent, also in Rückgang um acht Prozent. Natürlich hat Neuzelle ein Verkehrsproblem. So wie jeder praktisch jeder größere Ort in Brandenburg. Weil Fahrradverkehr nicht gleichberechtigt gefördert und jeder lokale kurze Weg mit dem Auto zurückgelegt wird. Obwohl zum Beispiel Neuzelle einen Bahnhof hat. Und im Ort jeder Weg ohne jedes Problem in weniger als fünf mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann. Vom Kloster bis zum Bahnhof sind es zum Beispiel 1,1 Kilometer oder drei Fahrradminuten. Wie wenige dies so machen, obwohl es unkompliziert möglich ist, könnte die Märkische Oderzeitung in einem weiteren Artikel einmal überprüfen.

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